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von Stefan Stiletto

 

Ein kleiner Film hat Joya Thome (zumindest) in der Kinderfilmszene berühmt gemacht: Ihr Debütfilm „Königin von Niendorf‟ hat seit 2017 nicht wenige zum Schwärmen gebracht. Kinderfilme ohne Formeln machen? Ja, das geht! Wir freuen uns sehr, dass Joya Thome Zeit für ein Interview für das Kinder- und Jugendfilmportal gefunden hat. Ulrike Seyffarth hat mit ihr ein ausführliches Gespräch geführt, über ihren zweiten Film „Lauras Stern‟ (der nun fürs Heimkino veröffentlicht wurde), über ihre Arbeit als Regisseurin, über ihr Interesse für Kinder- und Jugendstoffe – und über ihren neuen Dokumentarfilm „One in a Million‟, der Ende Juni im Rahmen des Kinderfilmfest München seine Premiere feiert.

Wo wir gerade beim Kinderfilmfest München sind: Wenn sie ihn bei der Berlinale verpasst haben, können sie dort den großartigen „Comedy Queen‟ von Sanna Lenken nachholen (zu dem Sie hier auch ein kurzes Interview finden). Oder die niederländische Puppenanimation „Oink‟. Oder die bolivianisch-deutsch-spanische Koproduktion „Die Tochter der Sonne‟ entdecken.

Keine Lust auf Reisen? Kein Problem. Spannendes Couchkino gibt es auch, ein bisschen jahreszeitlich antizyklisch und erfrischend mit „Lauras Stern‟, genremäßig mit „Captain Nova‟, der im vergangenen Jahr bei CineKid lief und nun im Netflix-Portfolio ein bisschen unter dem Radar läuft, oder in der KiKA-Mediathek mit „Martin und das Geheimnis des Waldes‟, mit schönen magischen Momenten, die Petr Oukropecs wunderbaren Kinderfilm „Der blaue Tiger‟ noch einmal ins Gedächtnis rufen.

Mal wieder ins Kino vor Ort? Gerne! Auf der großen Leinwand im regulären Kino – und genau da gehört er auch hin – ist seit dem 9. Juni endlich mal wieder ein Anime zu entdecken. Und was für einer! „Belle‟, der neue Film von Mamoru Hosoda, der im vergangenen Jahr auch im Cannes-Wettbewerb präsentiert wurde, ist eine wilde, energiegeladene, visuell opulente Coming-of-Age-Geschichte, bei der trotz aller Übertreibung und Überhöhung auch das Herz nicht zu kurz kommt. Auch über diesen Film lässt sich viel schwärmen.

 

von Ulrike Seyffarth

Mit ihrem Debütfilm „Königin von Niendorf‟ hat Joya Thome 2017 ein Ausrufezeichen gesetzt und einen Kinderfilm gedreht, der so ganz anders war als alles, was sonst in diesem Bereich in Deutschland entsteht. Danach folgte kein weiterer Independentfilm, sondern opulentes Kino: die Realfilmadaption „Lauras Stern‟, die nach der pandemieverzögerten Kinoauswertung im Dezember 2021 nun auch für das Heimkino veröffentlicht wurde. Und die Weltpremiere ihres Dokumentarfilms „One in a Million‟ beim Kinderfilmfest München Ende Juni ist bereits angekündigt. Ulrike Seyffarth hat sich für das Kinder- und Jugendfilmportal mit Joya Thome unterhalten, über die Magie eigener Geschichten auf der Leinwand, schwierige Rahmenbedingungen, Geschlechterrollen im Filmgeschäft und ihr großes Interesse für die Jugendphase.

von Christopher Diekhaus

Normalerweise richten wir unseren Blick hier im Kinder- und Jugendfilmportal vor allem auf Filme, die die Sichtweise von Kindern und Jugendlichen einnehmen und diese in den Mittelpunkt stellen. Dabei fallen solche unter den Tisch, in denen Kinder nur eine wichtige Nebenrolle spielen. Eine Auswahl dieser Filme stellt dieser Text nun vor: Geschichten quer durch alle Genres über Erwachsene, die noch viel zu lernen haben und deren Leben durch die Fragen, die Weisheit, die Freude, die Blicke von Kindern eine neue Bedeutung erhält.

von Stefan Stiletto

 

Manchmal gibt es sie: Kinderfilme, die alles überstrahlen, die sofort zu persönlichen Favoriten und zugleich zu wichtigen Bezugspunkten für die gesamte Kinderfilm-Produktionslandschaft werden. Um solche Meilensteine geht es in der dritten Ausgabe des Dossiers #ich sehe was, das das Kinder- und Jugendfilmportal in Kooperation mit filmdienst.de veröffentlicht. Die Texte beschäftigen sich damit, was diese Referenz-Kinderfilme auszeichnet und was sie über ihre Entstehungszeit erzählen, sie zeigen auf, wie persönlich prägende Filmerfahrungen sich auf das eigene Filmschaffen übertragen, und sie beleuchten die Bedeutung von Mut und Vertrauen bei der Stoffentwicklung. Wie passend, dass pünktlich zum Erscheinen des Dossiers auch wieder „Meine wunderbar seltsame Woche mit Tess‟ in der Mediathek des KiKA zu sehen ist, der für Christian Exner den Status eines Referenz-Kinderfilms hat.

Um Bezugspunkte einer ganz anderen Art geht es unterdessen in einem Hintergrundtext von Christopher Diekhaus. Er wirft anlässlich des Starts von „Come on, Come on‟ einen Blick auf Filme, in denen Kinder zwar nur eine Nebenrolle spielen, aber zu wichtigen Wegweisern für die erwachsenen Protagonist*innen werden (meist sind es nur Männer, aber das nur am Rande ...).

Schließlich möchten wir Sie noch auf ein echtes Kino-Highlight hinweisen und Ihnen den Dokumentarfilm „Warum ich euch nicht in die Augen schauen kann – Ein autistischer Junge erklärt seine Welt‟ ans Herz legen, der auf dem gleichnamigen Buch des damals 13 Jahre alten Naoki Higashida beruht. Der deutsche Titel klingt erklärender und nüchterner als der Film tatsächlich ist. Denn diesem gelingt es formal herausragend, dem Publikum eine andere Form der Weltwahrnehmung zu eröffnen und es zum Nachdenken anzuregen. Ein zukünftiger Referenzfilm womöglich?

 

von Stefan Stiletto

Standen Sie schon einmal vor dem Spiegel und haben sich erschreckt über das, was Sie da sehen? Vermutlich schon – aber Sie haben sich bestimmt nicht so doll gewundert wie die 13-jährige Mei, die eines morgens plötzlich in das Gesicht eines riesigen Roten Pandas blickt (der immerhin ziemlich knuffig und flauschig ist). In dem Pixar-Film „Rot‟, der nun (leider) nur auf Disney+ startet, wird aus dieser Verwandlung eine wilde, unterhaltsame Geschichte über Veränderungen während der Pubertät, über Gefühlsüberschwänge und kleine Rebellionen – und vor allem über die Kunst, seinen eigenen Weg zu finden, sich von den Erwartungen der Mutter zu lösen und dieser doch nahe zu bleiben.

Wo wir gerade bei Müttern und Töchtern sind: Nahezu zeitgleich läuft im Kino endlich „Petite Maman‟ von Céline Sciamma an, der im vergangenen Jahr im Wettbewerb der Berlinale lief und in dem eine Tochter auf magische Weise ihrer kindlichen Mutter im Spiel begegnet. So laden beide Filme zu einem Vergleich ein, wie unter ganz unterschiedlichen Vorzeichen über Mutter-Tochter-Beziehungen erzählt werden kann.

Aber die Filme legen auch weitere Spuren, denen es zu folgen lohnt: Eine Hilfe, das Werk und die Leitthemen von Céline Sciamma zu entdecken, finden sie in dem Text von Holger Twele über die Regisseurin. Und „Rot‟ verneigt sich ehrfurchtsvoll vor dem manchmal oft übertriebenen Stil und der Poesie von Animes, insbesondere den Filmen von Mamoru Hosoda und dessen „Das Mädchen, das durch die Zeit sprang‟.

Eine Mischung aus Veränderungen und Konstanten gab es auch bei der diesjährigen Berlinale: Noch ist nicht bekannt, wer die Nachfolge von Maryanne Redpath antritt, die 2022 zum letzten Mal die Sektion Generation geleitet hat. Unverändert war im Programm allerdings, was Redpath schon Anfang 2015 mal augenzwinkernd in einem Interview mit der Kinder- und Jugendfilm-Korrespondenz über das Profil der Sektion gesagt hat: „Süß und seicht ist nicht unsere Stärke.‟ Und so blicken auch die aktuellen Festivalberichte über die Reihen Kplus (von Katrin Hoffmann) und 14plus (von Holger Twele) eher zurück auf ernstere, schwierigere Stoffe. Ausgewählte Filme aus dem Generation-Programm werden ausführlich bei unseren Festivalentdeckungen vorgestellt. Zudem konnte Holger Twele während der Berlinale auch ein Interview mit Sanna Lenken führen, die nach „Stella‟ nun auch für ihren zweiten Langfilm „Comedy Queen‟ mit dem Gläsernen Bären ausgezeichnet wurde und spätestens jetzt als feste Größe im Kinder- und Jugendfilmbereich gelten kann.

In diesem Zusammenhang und aus aktuellem Anlass möchten wir auch auf einen anderen Film hinweisen. 2020 lief bei Generation der Dokumentarfilm „The Earth Is Blue As An Orange‟ über die Situation einer Familie im seit Jahren umkämpften ukrainischen Donbas. Dieser ist nun bei Vimeo abrufbar.

Nun haben Sie die Wahl: Eskapismus mit Tiefgang, poetische Märchen oder politische Bildung – das hochwertige Angebot an Kinder- und Jugendfilmen ist gerade auf den unterschiedlichsten Kanälen reichhaltig vorhanden.

von Holger Twele

Auch die diesjährigen Beiträge der Jugendfilmreihe 14plus der Sektion Generation bei der Berlinale legen den Fokus auf persönliche Geschichten, auf Familien und zwischenmenschliche Beziehungen. Sie erzählen teils von schwierigen Ablösungsprozessen, aber auch von unbändiger Lebenslust – und führen den Trend der hybriden Formen fort, der eine klare Unterscheidung zwischen Dokumentarfilm und Spielfilm bisweilen unmöglich macht.

von Katrin Hoffmann

Wenn Familienstrukturen ins Wanken geraten und auseinanderdriften, bringt das junge Menschen an den Rand ihrer emotionalen Kräfte. Die Filme, die bei der Berlinale in diesem Jahr in der Reihe Kplus der Sektion Generation liefen, lassen wenig Hoffnung zu. Ein Blick auf viele letzte Bilder und nur ein wenig Trost.

von Holger Twele

Mit ihrem neuen Film „Comedy Queen“ war Sanna Lenken 2022 im Wettbewerb der Reihe Kplus in der Sektion Berlinale Generation vertreten. Das berührende Porträt einer Zwölfjährigen, die nach dem Suizid ihrer depressiven Mutter lernen muss, ihre Trauer zuzulassen, wurde mit dem Gläsernen Bären für den besten Film ausgezeichnet – womit Lenken an den Erfolg ihres Spielfilmdebüts „Stella‟ (My skinny sister) anknüpft, der ebenfalls bei Kplus 2015 einen Gläsernen Bären erhielt. Holger Twele hat sich mit der schwedischen Regisseurin unterhalten, die auch schwere Stoffe souverän und auf Augenhöhe des Zielpublikums inszeniert.

von Reinhard Kleber

Traditionell sind im Wettbewerb des Filmfestivals Max Ophüls Preis Filme über Jugendliche oder zu Jugendthemen im weitesten Sinne zu entdecken. Im Rahmen der 43. Ausgabe des Saarbrücker Festivals standen insbesondere Familienkonflikte im Mittelpunkt der jugendrelevanten Beiträge.

von Christian Exner

 

Eben noch im Kino, jetzt schon auf dem vielleicht gar nicht mal so kleinen Schirm zu Hause: Dass Stream- und Heimkinoveröffentlichungen so kurz nach dem Kinostart folgen, ist neu. So lässt sich ab dem 24. Dezember etwa Disneys neuester Animationsfilm „Encanto‟, der erst im November im Kino angelaufen ist, über den hauseigenen Streamingdienst abrufen. Und auch „Elise und das vergessene Weihnachtsfest‟ liegt via Stream oder auf DVD und Blu-ray bereits für den Heimkino-Familiennachmittag vor. Für die Kinos, die sich gerade redlich darum bemühen, ein gutes Programm trotz massiver Einschränkungen aufrechtzuerhalten, ist das sicher nicht erfreulich. Um „kleinere‟ Filme wie „Elise‟ tatsächlich legal zum Publikum zu bringen, scheint es wohl trotzdem in der gegenwärtigen Situation der richtige Weg. Zumal die Auswertungsmöglichkeiten von Weihnachtsfilmen ja auch zeitlich eng begrenzt sind.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, was Weihnachtsfilme eigentlich auszeichnet? Rochus Wolff hat für das Kinder- und Jugendfilmportal einen Blick darauf geworfen und versucht, begleitend zum Plätzchenduft ein wenig Ordnung in dieses Genre zu bringen, in dem es keineswegs nur um die große Geschenkeverteilung geht, sondern auch um Rituale, Bewusstseinswandel, Gemeinschaft, Wertevermittlung und ja, natürlich auch ein wenig Zauber.

Zumindest so zauberhaft wie Weihnachtsfilme sind auch die Stop-Motion-Animationen aus dem Aardman Studio. In diesem Jahr gibt es gleich zwei Neuerscheinungen: Das halbstündige Musical „Rote Robin‟ und das ebenfalls halbstündige Weihnachtsspecial „Shaun das Schaf: Es ist ein Schaf entsprungen‟. Nicht minder sehenswert sind unterdessen die Verfilmungen der beliebten Bilderbücher von Julia Donaldson und Axel Scheffler aus dem Hause Magic Light Pictures, die in den kommenden Wochen – flankiert vom neuen Kurzfilm „Zogg und die Retter der Lüfte‟ – allesamt in der ZDF-Mediathek (neu) zu entdecken sind.

von Rochus Wolff

Weihnachten steht vor der Tür. Und damit auch eine ganze Menge an Weihnachtsfilmen. Die gibt es, wie Geschenkpakete und Plätzchen, in allen Größen, Längen und Formen. Die Geschenkverteilung jedoch bestimmt nur einen Teil der Geschichten, die zumeist als Familienfilme eingeordnet werden und in denen oft Kinder eine bedeutende Rolle spielen. Zum Lebkuchengeruch also die Frage: Was macht einen Weihnachtsfilm aus? Und was eint all diese Filme?

von Stefan Stiletto

 

Spätestens Mitte November wird auch im Kino und im Heimkino die Vorweihnachtszeit eingeläutet. Wer dann einen Blick in die Kinoprogramme wirft, fühlt sich jedenfalls schon ganz besinnlich: „Ein Junge namens Weihnacht‟ und „Elise und das vergessene Weihnachtsfest‟ heißen zwei der Neustarts, die Christopher Diekhaus und Horst Peter Koll für das Kinder- und Jugendfilmportal besprochen haben.

Aber auch ein Rückblick lohnt sich gerade – zum Beispiel auf eine Auswahl der großen Kinder- und Jugendfilmfestivals, die traditionell im Herbst stattfinden und nahezu im Wochentakt staunen lassen, was es in diesem Bereich wieder zu entdecken gibt. Gemeinsam mit dem Filmdienst blickt das Kinder- und Jugendfilmportal in der zweiten Ausgabe des Dossiers # ich sehe was zurück auf „Lucas‟ und „Schlingel‟, die Nordischen Filmtage und doxs! Auf unserer Sonderseite finden Sie ausführliche Hintergrundberichte zu ausgewählten Schwerpunkten ebenso wie Kritiken bemerkenswerter Filme.

Es wird noch etwas dauern, bis die rezensierten Festival-Highlights ihren Weg ins reguläre Kino oder ins Heimkino gefunden haben. Doch anregende Filmentdeckungen gibt es jederzeit. Aktuell sind das überraschende Neuerscheinungen im Kino wie etwa „Lene und die Geister des Waldes‟ und außerdem trumpft wieder einmal der KiKA mit seiner Mediathek auf, in der einige großartige Filme der letzten Jahre nochmal zu sehen sind, von „Der Fall Mäuserich‟ bis hin zu „Binti‟.

 

von Barbara Felsmann

Bereits zum 20. Mal fand 2021 das Dokumentarfilmfestival für Kinder und Jugendliche doxs! statt. Im Jubiläumsjahr, das hybrid stattfand, wurde Lieblingsfilmen aus der Festivalgeschichte ein Raum gegeben – und neue Filme erzählten mit ganz eigenen Handschriften unter anderem über Identitätsfragen, Herkunft, Flucht und Neuanfänge.

von Rochus Wolff

Die 64. Nordischen Filmtage boten auch in diesem Jahr wieder einen bemerkenswerten Überblick über die Kinder- und Jugendfilmproduktion vor allem in den skandinavischen und baltischen Staaten. Besonders auffallend: Die Fülle an weihnachtlichen Themen, ganz passend zur Festival-Jahreszeit. Und variantenreiche Filme über Liebe.

von Holger Twele

Um Kinder und Jugendliche ging es bei den Nordischen Filmtagen 2021 auch über die Grenzen des ausgewiesenen Kinder- und Jugendprogramms hinaus. Drei Filme stellten dabei die Auseinandersetzung mit der sexuellen Orientierung in den Mittelpunkt. Dabei zeigt sich die Stärke von Langzeitdokumentationen, die eine Entwicklung beobachten und darstellen können. Aber auch Fehlverhalten in der Filmbranche kommt zur Sprache und verweist auf die Verantwortung von Filmemacher*innen im Umgang mit Schauspieler*innen und Mitwirkenden.

von Holger Twele

Trotz Corona: Der „Schlingel‟ trumpfte 2021 mit einem qualitativ herausragenden Jugendfilmprogramm auf, in dem sich viele Filme mit ihrer dramaturgischen und emotionalen Dichte auch vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Lage lesen lassen.

von Reinhard Kleber

Meistens sind die Rollen klar verteilt: Ein Kinder- und Jugend-Filmfestival stellt ein Filmprogramm zusammen, das junge Publikum kommt und sieht sich die Filme an. Vor sechs Jahren hat man beim „Lucas – Internationales Festival für junge Filmfans‟ begonnen, seinem Publikum einen größeren Gestaltungsspielraum zu bieten und es zum Mitgestalten eingeladen. Was ist mittlerweile daraus geworden – auch in Zeiten von Corona? Eine Zwischenbilanz.

von Reinhard Kleber

Dem Dokumentarfilm widmete das Internationale Festival für junge Filmfans „Lucas‟ 2021 einen breitgefächerten Schwerpunkt. Dazu zählten nicht nur spannende Filme im Programm, sondern auch zwei Panels. Die in diesen vorgestellten Beispiele sind inspirierend. Aber sie machen auch Herausforderungen deutlich.

von Stefan Stiletto

 

Können Sie sich noch an das Ende Ihrer Schulzeit erinnern? An diese seltsame Zeit, in der sich sehr vertraute Beziehungen lösen, in der die Weichen neu gestellt werden und in der die Welt – zumindest für einen kurzen Augenblick – offen zu stehen scheint? Zu viel Offenheit kann einen andererseits auch an den Rand des Wahnsinns treiben, wenn man noch keine Richtung findet, in die es gehen soll. Mit ihren widerstreitenden Gefühlen und vielfältigen Stimmungen ist diese Lebensphase eine wahre Fundgrube für das Kino. Auch der Roman „Räuberhände‟ von Finn-Ole Heinrich ist in dieser angesiedelt; nun wurde er von İlker Çatak für die große Leinwand adaptiert. Horst Peter Kolls begeisterte Kritik finden Sie bei uns im Portal. Und wenn Sie noch ein wenig in Erinnerungen schwelgen wollen, treffen vielleicht ein paar der Schulabschlussfilme, die Christopher Diekhaus in seinem Hintergrundtext streift, Ihren Nerv oder bieten Anregungen für Wieder- und Neuentdeckungen. Dazu zählt übrigens auch „Verstehen Sie die Béliers?‟ über eine Jugendliche, die als einzige Hörende ihrer Familie für die gehörlosen Eltern dolmetschen muss und eigentlich ganz andere Interessen – nämlich die Musik – hat. Anfang des Jahres hat das sympathische US-amerikanische Remake „CODA‟ bei Sundance einige der wichtigsten Preise abgeräumt. Bei AppleTV+ ist es seit Mitte August zu sehen.

Mit Filmen für jüngere Kinder sieht es gerade ein wenig mau aus, was die Neustarts im Kino angeht. Sehenswert ab 12 Jahren ist sicherlich „Ein bisschen bleiben wir noch‟, der zweite Teil der geplanten Flucht-Trilogie von Arash T. Riahi, den sich Barbara Felsmann fürs Kinder- und Jugendfilmportal angesehen hat. Ein Highlight ist auch beim Arthouse-Streamingdienst MUBI versteckt: Rochus Wolff hat den brasilianischen Animationsfilm „Tito and the Birds‟ rezensiert, der vor drei Jahren nach dem Festival von Annecy auch auf Kinderfilmfestivals wie LUCAS zu sehen war. Einziger Wermutstropfen für ein junges Publikum: Er liegt dort nur auf Portugiesisch mit zuschaltbaren Untertiteln vor. Und wo wir – oder Sie – gerade bei MUBI sind: Hier können Sie sich gleich auch noch „Psychobitch‟ ansehen. Den Jugendfilm, der mit Klischees bricht, hat Christiane Radeke besprochen. Und er spielt in der Schule – womit sich der Kreis dieses Editorials schon fast wieder schließt.

 

von Christopher Diekhaus

Es ist eine seltsame des Phase des Übergangs. Die Schulzeit ist vorbei, die langjährige Struktur des Alltags und des Jahres gibt es nicht mehr, die Wege von Freund*innen trennen sich, wieder einmal beginnt der Ernst des Lebens – wie auch immer dieser aussehen mag und wo er zu finden sein soll. Anlässlich des Starts von „Räuberhände‟ ein Blick auf die Genre-Vielfalt und die zentralen Themen vieler Schulabschlussfilme.

von Stefan Stiletto

 

„Titane‟ heißt der überraschende Gewinner der diesjährigen Filmfestspiele von Cannes, eine offenbar krude Mischung aus Body Horror, Serienmördergeschichte, Identitätswechseln und vielem mehr. Nein, sicher kein Jugendfilm – aber ein guter Anlass, um noch einmal auf den Debütfilm der Regisseurin Julia Ducournau hinzuweisen: „Raw‟. Ja, auch der ist wild, anstößig und eben roh, aber eben auf seine eigene Art im Genre des Horrorfilms auch ein spannender Coming-of-Age-Film, der mit den Mitteln des Genrefilms über das Erwachsenwerden, die Veränderungen des Körpers, die Auseinandersetzung mit der Identität erzählt. Eine kurze Kritik, die anlässlich der Veröffentlichung fürs Heimkino entstand, finden Sie in der Kinofilmwelt.

Bleiben wir kurz beim Mut, Erwartungen zu unterlaufen. Oft viel zu harmonisch und in Watte gepackt wirken viele Kinderfilme, wenn sie auf Biegen und Brechen alles ausblenden, womit man irgendwie anecken könnte. Wie schön ist es, wenn dann die Kinderjury beim Goldenen Spatz mit „Mission Ulja Funk‟ einen Film auszeichnet, der wild und ungewöhnlich ist! Barbara Felsmann plädiert für mehr solcher Kinderfilme, die Frechheit wagen. Und bei den Projektvorstellungen, die ebenfalls im Rahmen des diesjährigen Kinder Medien Festivals stattgefunden haben, hat sie ein paar weitere, in dieser Hinsicht vielversprechende Stoffe gefunden.

 

von Barbara Felsmann

Warum bleiben viele Kinderfilme aus Deutschland so brav, packen alles in Watte und wagen so wenig? Frech, witzig und ungewöhnlich sind sie viel zu selten! Umso erfreulicher, dass beim diesjährigen Goldenen Spatz der frechste Beitrag ausgezeichnet wurde: „Mission Ulja Funk‟. Und auch eine Reihe neuer Projekte, die im Rahmen des Kinder Medien Festivals vorgestellt wurden, versprechen ein wenig Abwechslung.

von Stefan Stiletto

Nach sieben Monaten öffnen die Kinos wieder. An einem Angebot für Kinder und Jugendliche wird es in den kommenden Monaten nicht mangeln: Mit „Die Olchis‟ und „Ostwind – Der große Orkan‟ stehen noch im Juli kommerziell vielversprechende Titel in den Startlöchern. Aber auch Festivalperlen wie „Erdmännchen und Mondrakete‟ (Schlingel 2018) und „Die Adern der Welt‟ (Berlinale Generation 2020) sollen ins Kino kommen. Ist also alles bald wieder so wie früher?

Sicher nicht. Zum ersten Mal hat man bei Disney etwa beschlossen, einen Pixar-Film – also eine Produktion aus einem der derzeit renommiertesten Animationsstudios – ausschließlich auf dem hauseigenen Streamingdienst zu starten, obwohl eine Kinoauswertung möglich wäre. „Luca‟ gibt es, trotz passender sommerlicher Atmosphäre und „großer‟ Bilder, nur für den kleinen Schirm zu Hause. Nun gut, könnte man sagen, so bleiben mehr Leinwände frei für viele andere Filme. Aber ein mulmiges Gefühl bleibt trotzdem, wenn hochwertige Kinder- und Jugendfilmproduktionen keinen Platz im öffentlichen Raum erhalten.

Andererseits haben die vergangenen eineinhalb Jahre viele Filmjournalist*innen gelehrt, dass sich auch ein genauer Blick in das Angebot der Streamingdienste und DVD- oder Blu-ray-Veröffentlichungen lohnt. Es ist sicher nicht so, dass es in dieser Zeit nichts zu entdecken gegeben hätte. Und mit der teils langen Verfügbarkeit ausgewählter Titel in den Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender waren es nicht nur Bezahldienste, die hier mit vielfältigen sehenswerten Filmen für Kinder und Jugendliche aufgewartet haben.

Schlicht beeindruckend ist auch, wie viel Kinder- und Jugendfilmkultur auf einmal in Klick-Nähe war durch alle Festivals (jüngst wieder die Kurzfilmtage Oberhausen, das Trickfilm-Festival Stuttgart, das DOK.fest München, der Goldene Spatz), die sich Online-Formaten geöffnet haben. Es bleibt zu hoffen, dass diese Mehrgleisigkeit der Filmpräsentation und Zugänglichkeit zu außergewöhnlichen Filmen für Kinder und Jugendliche in Zukunft bestehen bleibt und kein Tabu mehr ist.

Apropos Tabu: Die Frage, was man Kindern in Filmen zumuten kann und darf, ist beileibe nicht neu – aber ein spannendes Thema, das es in regelmäßigen zeitlichen Abständen immer wieder neu zu verhandeln gilt. Barbara Felsmann und Bernd Sahling haben das für das Kinder- und Jugendfilmportal gewagt. In einem 40-minütigen Gespräch, das Sie ausnahmsweise nicht nachlesen, wohl aber nachhören können, haben sie über Tabus im Kinderfilm nachgedacht.

 

von Barbara Felsmann

Was kann, was darf, was soll man Kindern als Publikum zumuten? Das ist eine Frage, mit der sich Kinderfilmmacher*innen – von Redakteur*innen und Produzent*innen bis zu Autor*innen und Regisseur*innen – immer wieder auseinandersetzen. Und eine Frage, deren Beantwortung immer wieder neu verhandelt werden muss. Im Anschluss an eine Branchenveranstaltung zum Thema haben sich die Filmjournalistin Barbara Felsmann und der Regisseur Bernd Sahling zum Gespräch getroffen.

von Stefan Stiletto

Ob in den eigens für Kinder zusammengestellten „Tricks für Kids‟-Programmblöcken, im Internationalen Wettbewerb, der Young-Animation-Reihe oder dem AniMovie-Langfilm-Wettbewerb: Wenn man in diesem Jahr das Online-Programm des Internationalen Trickfilm-Festivals Stuttgart nach Filmen für Kinder und Jugendliche durchforstet, kommt man an den starken Produktionen aus Frankreich nicht vorbei. Oft spielen die Geschichten in der Schule. Oder führen ans Meer.

von Horst Peter Koll

Vielfältig, herausfordernd und reich an Höhepunkten war das Kinder- und Jugendfilmprogramm der 67. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen 2021, das schon zum zweiten Mal nur online stattfanden konnte.

von Stefan Stiletto

Ein Festival ohne Publikum und Gemeinschaftserlebnis ist eine traurige Sache, das gilt für die kleinen Kinder- und Jugendfilmfestivals ebenso wie die große Berlinale. Letztere fand nun zum ersten Mal nur digital statt. Trotz merklich reduziertem Programm gab es aber einiges zu entdecken. Vorfreude auf das zeitversetzte Berlinale-Publikumsevent im Sommer wecken die Berichte über die Reihen Kplus (von Katrin Hoffmann) und 14plus (von Reinhard Kleber), die inhaltlichen oder ästhetischen Verbindungen nachgehen, sowie mehrere Einzelbesprechungen, die Sie in der Rubrik Festivalentdeckungen finden. Anlässlich der Aufführung von „Petite Maman‟ im Wettbewerb wirft Holger Twele zudem in einem Hintergrundtext einen Blick auf das bemerkenswerte Werk von Céline Sciamma, der es gelungen ist, sich sowohl im Arthouse-Kino für Erwachsene als auch im Kinder- und Jugendfilmbereich einen Namen zu machen.

Jubeln kann man im Augenblick auch über das tolle Spielfilm-Programm des KiKA, das im Free-TV mit einigen Perlen aufwartet – und diese oft sogar noch über mehrere Wochen in seiner Mediathek zugänglich macht. Dort ist etwa noch „Mein Bruder, der Superheld‟ zu finden, der letztes Jahr unter dem Titel „My Brother Chases Dinosaurs‟ mit dem EFA Young Audience Award ausgezeichnet wurde. Sollten Sie den letztjährigen Kplus-Eröffnungsfilm „Das Blubbern von Glück‟ („H is for Happiness‟) verpasst haben, müssen Sie sich jedoch bis zur bald anstehenden DVD-Veröffentlichung gedulden.

Moment! Eine Veröffentlichung nur auf DVD im Jahr 2021? Das bringt uns jetzt leider auch mal zum Schimpfen. Manch ein toller Kinderfilm, der zuvor auf Festivals weltweit zu sehen war, wird heute ausschließlich auf DVD veröffentlicht. Eine Blu-ray-Ausgabe mit einer ordentlichen zeitgemäßen Bildqualität sucht man auf dem deutschen Markt vergebens. Bei jedem einzelnen Kinderfilm mag es nachvollziehbare Verkaufsargumente für dieses Downgrading geben. In der Summe ist es aber nicht schön zu sehen, dass der Hang zum Billigen typischerweise die Sparte Kinderfilm trifft und dann obendrein besonders diejenigen Filme technisch verramscht werden, die eigentlich inhaltlich hervorstechen.

Das Schicksal des schmerzhaften DVD-Downgradings hat neben „Das Blubbern von Glück‟ und „Mein Bruder, der Superheld‟ auch den sehenswerten französischen Animationsfilm „Königreich der Bären‟ ereilt, der nach seiner Aufführung in Annecy und beim Schlingel als Heimkinopremiere erscheint. Volle Qualitätsansprüche erfüllt hingegen der Arthaus-Bezahldienst MUBI, wo Sie derzeit noch den absolut sehenswerten „Une Colonie‟, preisgekrönt bei Generation Kplus 2019, nachholen können. Und jenseits von Kinderfilmen finden Sie auf Starzplay die von Luca Guadagnino inszenierte Serie „We are who we are‟.

 

von Katrin Hoffmann

Alltag klingt nach Routine und Langeweile. Dennoch stand genau dieser im Mittelpunkt mehrerer Produktionen, die in diesem Jahr im Rahmen der Reihe Kplus in der Berlinale-Sektion Generation zu sehen waren.

von Reinhard Kleber

Mit Gewalterfahrungen und Klassenunterschieden, mit Perspektivlosigkeit oder den Folgen des rücksichtslosen Umgangs mit der Natur werden die jungen Protagonist*innen in den diesjährigen Jugendfilmen der Berlinale-Sektion Generation konfrontiert. Eindrücke der Reihe 14plus.

von Holger Twele

Mit fünf Regiearbeiten sowie als Drehbuchautorin ist Céline Sciamma im Laufe der letzten Jahre zu einer wichtigen Stimme des französischen Kinos geworden. Besonders bemerkenswert ist dabei, wie sensibel sie sich den Geschichten junger Mädchen und Frauen widmet und auch schwierige Themen in einprägsame Bilder zu übersetzen versteht. Ein Rückblick auf das Werk von Céline Sciamma anlässlich der Aufführung ihres jüngsten Films „Petite Maman‟ im Wettbewerb der Berlinale 2021.

von Stefan Stiletto

Wie generiert man online schnell viele Klicks? Ganz einfach: Man schreibt über Sex. Das machen wir jetzt auch mal. Denn um Sex geht es in „Yes, God, Yes‟. Oder genauer: Es geht um das Verbot von Sex, denn Körperlichkeit und Lust sind in der konservativen religiösen Welt, in der die jugendliche Protagonistin aufwächst, tabu. Ein Drama ist der kurzweilige Debütfilm von Karen Maine zum Glück nicht geworden, sondern eine sympathische Komödie. Weil der Kinostart gestrichen wurde, lässt sie sich nun via Streaming oder klassisch auf DVD und Blu-ray zu Hause entdecken und ist schon aufgrund des komischen Talents der Hauptdarstellerin einen Blick wert.

Ein echtes Highlight hat unterdessen Netflix neu im Programm. Knapp drei Jahre nach der Uraufführung beim Sundance Filmfestival ist dort „Eighth Grade‟ zu sehen. Authentisch und humorvoll erzählt der Coming-of-Age-Film über eine Jugendliche, die als Vloggerin weitaus selbstbewusster ist als im doch recht steinigen Alltag. Grund genug, noch einmal auf unsere Kritik zu verweisen, die Holger Twele schon anlässlich der deutschen Premiere beim Filmfest München 2019 geschrieben hat.

Auch MUBI, der Streamingdienst für Filmbegeisterte, wartet in diesem Monat (zeitlich begrenzt) noch mit zwei absolut sehenswerten Produktionen auf, die nach ihren Festivalpremieren wieder vom Radar verschwunden sind: die Langzeitdokumentation „Jugend‟ von Sébastien Lifshitz sowie „Kuessipan‟ von Myriam Verreault über zwei Freundinnen in einer kanadischen First-Nations-Community.

Eine Ahnung von Kino bringt Ihnen der Festivalbericht von Reinhard Kleber über Jugendfilme auf dem kürzlich zu Ende gegangenen Festival Max Ophüls Preis. Sicher, das Festival fand nur digital statt. Aber vielleicht sind die gezeigten Filme ja in baldiger Zukunft doch noch im Kino zu sehen.

Den Sprung ins Kino hat Tobias Krell alias Checker Tobi schon hinter sich. Die Kinodoku „Checker Tobi und das Geheimnis unseres Planeten‟, die erste Adaption der beliebten KiKA-Wissenssendung, hat uns schon vor zwei Jahren mit ihrer schönen Mischung aus Leichtigkeit, Unterhaltung und Tiefgang außerordentlich gut gefallen. Nun taucht Tobias Krell in die Kinderfilmfestivalszene ein – und zwar nicht nur als Moderator, sondern als neuer Leiter des Kinderfilmfests München. Wir können uns gut vorstellen, dass in Zukunft allein Krells Bekanntheit einige Kinder mehr zum Filmfest locken wird. Und wir sind gespannt, welche Ausrichtung Krell dem Programm geben wird. Zweifellos ist es eine frohe Botschaft für eine Kinokultur, die sich mit der Power eines bekannten und inhaltlich allseits geschätzten Kinderfilm- und TV-Spezialisten für den hoffentlich baldigen Neustart präpariert.

 

von Reinhard Kleber

Geschichten junger Menschen standen im Mittelpunkt einiger Beiträge des diesjährigen Filmfestivals Max Ophüls Preis. Insbesondere das Thema Migration war dabei präsent. Ein Blick auf ausgewählte Filme des (digitalen) Festivaljahrgangs 2021.

von Stefan Stiletto

 

Manche Filme fühlen sich unglaublich aktuell an, auch ohne konkret auf die Gegenwart zu sprechen zu kommen. „Soul‟ ist so ein Fall, der neue Film aus dem Pixar-Studio, der zu Beginn der Pandemie zu Hause fertiggestellt wurde. Man kann „Soul‟ als Film lesen, der vor allem das krampfhafte „Streben nach Glück‟ und Leistungsdenken kritisiert – ein Thema, das vielleicht weniger Kinder, wahrscheinlich aber schon Jugendliche gut kennen. Und man kann in ihm sehen, wie schön und wichtig es doch ist, nicht nur in seiner eigenen geschlossenen Welt zu leben, sondern sich der Welt „da draußen‟ mit allen Sinnen öffnen zu können. Nun startet „Soul‟, der zur offiziellen Auswahl des abgesagten 2020er-Cannes-Festivals zählt, am Weihnachtstag auf Disney+. Eine Premiere, die durchaus glücklich machen kann, weil dieser Film einfach ein Meisterwerk ist, die aber auch schmerzlich erahnen lässt, was für eine Kraft dieser auf einer großen Leinwand entfalten könnte.

Ganz ähnlich verhält es sich mit „Wolfwalkers‟, dem neuen Zeichentrickfilm von Tomm Moore und Ross Stewart aus dem irischen Animationsstudio Cartoon Saloon, der seine Premiere auf dem Filmfestival in Toronto feierte und nun bei Apple TV+ zu entdecken ist. Wie „Das Geheimnis von Kells‟ und „Das Lied des Meeres‟ verknüpft dieser Film kongenial irische Geschichte und Folklore mit gegenwärtigen Themen – und besticht dabei durch seine außergewöhnliche Ästhetik. Moore und Ross verstehen es meisterlich, einem jungen Publikum etwas über Kunst und Geschichte zu erzählen, ohne dabei aufdringlich zu sein. Während sich die Kinos im Dornröschenschlaf befinden und irgendwann im nächsten Jahr hoffentlich wieder mit einem spannenden Filmprogramm wachgeküsst werden – Holger Tweles Bericht über neue deutsche Jugendfilme, die kürzlich bei den Hofer Filmtagen zu sehen waren, schüren die Vorfreude – bieten die Streamingdienste tolle Filmerlebnisse zum Jahresende.

Mit dem Jahr 2020 geht auch das Jubiläum des Bundesverbands Jugend und Film (BJF) zu Ende, der auf eine 50-jährige Geschichte zurückblickt. Reinhard Kleber hat aus diesem Anlass mit dem langjährigen BJF-Geschäftsführer Reinhold T. Schöffel ein Interview geführt, Holger Twele wirft einen Blick auf die filmischen Entdeckungen, die der BJF zugänglich gemacht hat. Und wir freuen uns, wenn im kommenden Jahr dann „Youth Unstoppable‟ startet – der erste Film, den der BJF als Verleih selbst ins Kino bringt. Eine Premiere für den Verband, dessen Domäne die nicht-gewerbliche Filmarbeit ist.

Zuletzt hat uns die Frage interessiert, wo Jugendliche sich im Netz eigentlich über Film informieren können. Unmotivierte Bestenlisten sorgen für Klicks. Aber wie steht es um eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Filmen, die sich nicht an ein Fachpublikum richtet, sondern an Jugendliche? Marius Hanke hat recherchiert und seine Ergebnisse und Gedanken für uns zusammengefasst. Zugespitzt in der Frage, welche Chancen Kurator*innen in der Welt der Algorithmen bleiben.

von Reinhard Kleber

Ein großer runder Geburtstag – in einem denkbar ungünstigen Jahr, um diesen richtig feiern zu können. 2020 kann der Bundesverband Jugend und Film auf 50 Jahre kulturelle Filmarbeit für Kinder und Jugendliche zurückblicken. Reinhard Kleber hat beim Filmfestival „Schlingel‟, wo die zentrale Jubiläumsfeier stattfand, mit dem langjährigen Geschäftsführer Reinhold T. Schöffel über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Vereinsarbeit, Veränderungen der Medienlandschaft von Kindern und Jugendlichen sowie Pläne des BJF für die Zukunft gesprochen – wenige Tage vor dem November-Lockdown.

von Marius Hanke

Seiten mit Filmkritiken gibt es im Netz viele. Manche richten sich an ein cinephiles Publikum, manche gehen kaum in die Tiefe und sind ausschließlich werblich ausgerichtet – und nur wenige sprechen ein junges Publikum direkt an. Ein Überblick über Filmkritik-Angebote für Jugendliche mit Gedanken über die Popularität von Bestenlisten-Filmjournalismus und die Macht der Algorithmen.

von Holger Twele

Die Internationalen Hofer Filmtage sind kein Jugendfilmfestival. Trotzdem finden sich dort mit schöner Regelmäßigkeit starke Filme mit jugendlichen Protagonist*innen und Themen aus der Lebenswelt Jugendlicher. Zugleich wird hier aber auch sichtbar, dass diese nicht immer auch für eine junge Zielgruppe konzipiert wurden. Eine Spurensuche unter den deutschsprachigen Beiträgen des diesjährigen Festivaljahrgangs, zwischen dem Erzählen für Jugendliche und dem Erzählen über Jugendliche.

von Holger Twele

Seit einem halben Jahrhundert engagiert sich der BJF für eine vielfältige nichtgewerbliche Kinder- und Jugendfilmlandschaft. Er ist einer der Wegbereiter des Kinder- und Jugendkinos, wie wir es heute kennen. Manche Filme, die zuvor nur auf Festivals zu sehen waren, sind sogar erst durch die Arbeit des BJF verfügbar geworden. Eine Würdigung der filmbildnerischen Arbeit des BJF – und ein Glückwunsch zum Jubiläum!

von Stefan Stiletto

Ende Oktober sind an einem einzigen Donnerstag so viele Filme mit Kindern und Jugendlichen in den Hauptrollen im Kino angelaufen wie nie zuvor in diesem Jahr, darunter Julia von Heinz’ „Und morgen die ganze Welt‟, der thematisch auf der Höhe der Zeit ist und über den Willen nach Veränderung und Gewalt als legitimes Lösungsmittel erzählt, der auch visuell ungemein starke Dokumentarfilm „Glitzer & Staub‟ von Anna Koch und Julia Lemke über Mädchen in der männerdominierten US-Rodeo-Szene, oder die Comic-Adaption „Yakari‟ von Xavier Giacometti und Toby Genkel, die mit viel Liebe zum Detail die Ästhetik der Vorlage übernommen hat und sich schon für jüngste Kinobesucher*innen eignet. All diese sehenswerten Filme hat der zweite Lockdown kalt erwischt. Es ist zu hoffen, dass die Verleiher*innen und die Kinobetreiber*innen den Mut und die Mittel haben, alle diese noch einmal zu starten, wenn die Kinos wieder geöffnet werden.

Noch sieht es auch gut aus, was neue Kinder- und Jugendfilme aus aller Welt angeht. Die Berichterstattungen über die Herbst-Festivals „Lucas‟ und „Schlingel‟ wirft den Blick auf sehenswerte neue Produktionen. Im Zuge von „Lucas‟ ist Holger Twele dabei vor allem der besondere Umgang mit Körperlichkeit ins Auge gefallen, beim „Schlingel‟ waren es die unterschiedlichen, mal konventionellen, mal experimentellen Erzählweisen. Katrin Hoffmann hat sich unterdessen drei Animationsfilme beim „Schlingel‟ genauer angesehen und in ihrem Text die vielfältigen gesellschaftspolitischen Bezüge herausgestellt, die darin verhandelt werden.

Und sonst? Finden Sie bei uns auch ein Interview mit Julia von Heinz zu „Und morgen die ganze Welt‟, fürs Binge-Watching zu Hause Serienempfehlungen zu „Grand Army‟ und „Noch nie in meinem Leben...‟ und Kritiken zu lohnenden Heimkino-Veröffentlichungen wie „Mein etwas anderer Florida Sommer‟ oder „Lovecut‟.

Die Rubrik „Quergedacht‟ – das Wort wurde ja leider in den letzten Monaten politisch gekapert – hat bei uns übrigens nichts mit schrägen Vorstellungen von Demokratie zu tun, sondern mit einem Erzählen über Kinder- und Jugendfilme aus ungewöhnlichen Perspektiven. Dazu zählt auch eine Beschäftigung mit bemerkenswerten Figuren im Kinder- und Jugendfilm. Christiane Radeke hat sich in ihrem Beitrag mit der Titelheldin von „Enola Holmes‟ auseinandergesetzt, die sich als starke Protagonistin in einer patriarchalischen Gesellschaft behauptet. Mut und Witz – vielleicht ist es gerade das, was wir in diesem seltsamen Jahr dringend benötigen.

 

von Holger Twele

Im Programm des diesjährigen Internationalen Filmfestivals für Kinder und junges Publikum „Schlingel‟ gab es bekannte Erzählformen ebenso wie außergewöhnliche Narrative. Bemerkenswert: Für die meisten Überraschungen sorgten vor allem originäre Filmstoffe, die mehr Experimente wagten.

von Katrin Hoffmann

Ganz nah dran an unserer Erfahrungswelt und an den gegenwärtigen großen Fragen unserer Zeit: Beim Filmfestival „Schlingel‟ wurden drei auch ästhetisch bemerkenswerte Animationsfilme präsentiert, die über die Rolle der Natur, die Möglichkeiten des friedlichen Zusammenlebens und die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern erzählen und durch ihre ansprechende Form auch ein junges Publikum erreichen.

von Holger Twele

Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper ist ein zentrales Thema vieler Jugendfilme, spiegelt er doch einen wichtigen Schritt bei der Entwicklung der Identität. Beim diesjährigen „Lucas‟-Festival wurde dieses Thema überraschend vielfältig anschaulich – von Gewichtsfragen über Krankheit und Behinderung bis hin zum politischen Blick auf den Körper.

von Holger Twele

Mit ihrem Jugendfilm „Was am Ende zählt‟ hat Julia von Heinz 2007 auf sich aufmerksam gemacht. Nun hat sie, inspiriert von ihrer eigenen Biografie, einen Film über eine engagierte Zwanzigjährige gedreht, die sich einer Antifa-Gruppe anschließt und zunehmend beginnt, die in dieser herrschende Akzeptanz von Gewalt zu hinterfragen. Anlässlich des Kinostarts von „Und morgen die ganze Welt“ am 29.10.2020, nur wenige Wochen nach der Weltpremiere im Rahmen der Filmfestspiele von Venedig, hat Holger Twele mit Julia von Heinz gesprochen.

von Christiane Radeke

Wozu Handschuhe tragen, wenn man sich ohne viel besser durchs Leben kämpfen kann? Mit einem Zucken ihrer Augenbraue weist Enola Holmes jene in die Schranken, die sie in ein Korsett überkommener Regeln zwängen wollen. Eine absolut zeitgemäße Heldin im Jahr 2020 – auch wenn ihre Geschichte im ausgehenden 19. Jahrhundert spielt.

von Stefan Stiletto

Die Krise als Chance – diese beschönigende Sichtweise ist manchmal ziemlich arrogant. Denn schließlich ist die Krise zunächst einmal eine Belastung und eine Zumutung, die mit erheblichen Einschnitten verbunden ist. Erst in einem zweiten Schritt kann sie auch eine Chance sein, weil sie eben radikal aus dem üblichen Trott reißt und zum Umdenken zwingt. Dieser Herausforderung, neue Wege einzuschlagen, mussten (und müssen) sich auch die Kinder- und Jugendfilmfestivals in diesem Jahr stellen. Nun ist mit dem „Goldenen Spatz‟ am 20. September das erste Herbstfestival an den Start gegangen, am 24. September folgt bereits „Lucas‟, am 10. Oktober dann der „Schlingel‟. Aber wie sehen Festivals zu Corona-Zeiten eigentlich aus?

Barbara Felsmann hat sich mit den Organisator*innen unterhalten und erzählt in ihrem Artikel „Die große Ungewissheit‟ unter anderem über den Spagat zwischen Online und Offline, Juryarbeit via Videokonferenz und die Versuche, ein wenig Festivalatmosphäre ins Netz zu tragen. Zudem wirft sie auch einen Blick zurück auf DOK.education, das filmpädagogische Angebot des DOK.fest München, das schon im Frühjahr ein bemerkenswertes digitales Alternativprogramm für Schüler*innen geboten hat.

Der Tenor beider Recherchen ist dabei klar: Das Kino und das Festivalerlebnis vor Ort sind nicht zu ersetzen. Aber die Öffnungen, die nun erprobt werden, können vielleicht dazu beitragen, die großartigen Filme, von denen Fachbesucher*innen schwärmen, auch einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Es wird sich zeigen, inwieweit die besonderen Umstände der Planung, der Organisation und der Durchführung von Festivals in diesem Jahr auch ein Innovationsmotor sind.

 

von Christian Exner

Wer will schon Hochhäuser filmen, wenn er auch Burgen zeigen kann? Wen interessieren hochmoderne effiziente Containerschiffe, wenn die Reise auch auf einem knarzenden Segelschiff angetreten werden kann? Auch deutsche Kinderfilme haben einen Narren an den archaischen Bauten und Transportmitteln gefressen und setzen sie gerne als ebenso mythisch und romantisch aufgeladene wie nostalgisch verklärte Kulisse ein. Weil sie Abenteuer und Erlebnisse versprechen fernab der oft nüchternen Alltagsrealität. Eine neuer Beitrag unserer Reihe „Da war ich schon‟ über Schauplatzstereotype im Kinderfilm.

von Barbara Felsmann

Unsicherheit überall, aber trotzdem ein großes Engagement und eine Experimentierfreude, die weitreichende Folgen für die Zukunft haben wird. Die Coronavirus-Pandemie hat die Organisator*innen der Kinder- und Jugendfilmfestivals vor große Herausforderungen gestellt. Nun gehen mit dem „Goldenen Spatz‟, mit „Lucas‟ und dem „Schlingel‟ gleich mehrere Festivals der Herbstsaison an den Start, mit gewohnt spannenden Programmen und unter ungewohnten Bedingungen. Ein Blick auf die Kinder- und Jugendfilmfestivallandschaft in der Krise, zwischen notwendigen Präsenzveranstaltungen und Online-Erweiterungen.

von Barbara Felsmann

Das DOK.fest München hat aus der Not eine Tugend gemacht: Anstatt die Bildungsprogramme während der Corona-Pandemie pausieren zu lassen, hat das DOK.education-Organisationsteam in kürzester Zeit ein bemerkenswertes filmpädagogisches Online-Angebot auf die Beine gestellt, das mehr als eine bloße Verlegenheitslösung war – und das Festivalsegment zudem für das junge Publikum weit über die Stadtgrenzen Münchens geöffnet hat.

von Holger Twele

Dass Kinder in ihren Omas und Opas wichtige Bezugspersonen finden, ist im Kinderfilm keine Seltenheit. Darüber hinaus gibt es zunehmend auch einige Filme, in denen Blutsverwandtschaften keine Rolle spielen und Kinder sich mit Senior*innen generationsübergreifend verbünden. Das öffnet nicht nur Zielgruppen, sondern kann auch Brücken zwischen Jung und Alt jenseits von Klischees bauen.

von Stefan Stiletto

Es ist nachvollziehbar, dass sich das Interesse, sich mit vielen Menschen in engen Räumen zu befinden, im Moment noch in Grenzen hält. Aber ein Ausflug ins Kino kann schon wieder lohnenswert sein. Gerade im Kinder- und Jugendfilmbereich bewegt sich gerade viel. Und das mit dem Bewegen kann man durchaus wörtlich nehmen. Ab dem 16. Juli lädt „Into the Beat‟ zum schwungvollen Mitgrooven ein, wenn eine Jugendliche nach ihrem Platz zwischen Ballett und Streetdance, zwischen familiärer Verbundenheit und individueller Lebensplanung sucht. Ein bisweilen sehr mitreißender Coming-of-Age-Film, der auf den Spuren der britischen „Streetdance‟-Reihe wandelt, diese aber um klassische Jugendfilmthemen anreichert. Vom Label „Der besondere Kinderfilm‟ sollte man sich dabei nicht irritieren lassen – die Förderung geht noch zurück auf die Idee, die Geschichte mit Protagonist*innen im Kindesalter zu erzählen. Dass man sich davon verabschiedet hat, wirkt angesichts des fertigen Films nur konsequent und kann vielleicht für die Produktion echter Jugendfilme in Deutschland auch ein paar Impulse bieten.

Einen Neustart wagt auch „Zu weit weg‟, den die Kinoschließungen aufgrund der Corona-Pandemie in der Startwoche eiskalt erwischt hatten. Ein lohnender Kinderfilm, der weltweit schon auf einigen Festivals lief und thematisch ähnlich wie „Into the Beat‟ die Frage nach Zugehörigkeit verhandelt. Aber auch sonst gibt es im Kino einiges zu entdecken: Den gegen den Strich gebürsteten Sommerfilm „Sunburned‟ etwa, der von der Begegnung einer Jugendlichen mit einem Flüchtlingsjungen erzählt und zuvor beim Filmfestival Max Ophüls Preis zu sehen war.

Wer zu Hause bleiben will, findet nach wie vor bei den Streamingdiensten genug hochwertige Filmunterhaltung: Einen besonderen Blick lohnt „Nur die halbe Geschichte‟ (Netflix), den man auch gerne auf der großen Leinwand gesehen hätte. Auch Apple TV+ wagt sich vor in Geschichten für ein junges Publikum. Im Mittelpunkt der Serie „Home Before Dark‟ steht etwa eine neun Jahre alte Ermittlerin (auch wenn die Serie erst für Jugendliche geeignet ist). Und mit dem Kurzfilm „Hier sind wir‟ wurde ein großer Bilderbucherfolg von Oliver Jeffers adaptiert; wir nehmen dies zum Anlass, den Stil und die Erzählhaltung der beiden bisherigen Jeffers-Verfilmungen „Hier sind wir‟ und „Pinguin gefunden!‟ unter die Lupe zu nehmen.

Der Corona-Autokino-Hype mag nun schon wieder vorbei sein. Aber interessant ist es, dass die Veranstalter*innen sich dabei bisweilen auch um ein junges Publikum bemüht haben. Reinhard Kleber hat sich während der Hochphase der Krise das Autokino für Kino als besonderes Event genauer angeschaut, bei dem auch das Kinderfilmfestival „Schlingel‟ mitgemischt hat.

von Stefan Stiletto

Nur zwei Bilderbücher von Oliver Jeffers sind bislang verfilmt worden. Nach „Pinguin gefunden!‟ erschien vor kurzem auf dem Streamingdienst Apple TV+ die Adaption von Jeffers’ Bestseller „Hier sind wir – Anleitung zum Leben auf der Erde‟. Beiden Filmen gelingt es, in vorlagengetreuem Look die humanistische Botschaft von Jeffers zu vermitteln. Und ganz sanft wagen sie sich auch dorthin, wo es weh tut.