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| von Stefan Stiletto

Eine abgefahrene, wilde Party – in einem Kinderfilm

"Invisible Sue" löst sein Versprechen ein: Ein Genre-Film für Kinder

Markus Dietrich inszeniert in „Invisible Sue“ eine wilde, flirrende Halloween-Techno-Party, wie man sie im Kinderfilm sonst nicht zu sehen bekommt.

Filmbild aus Invisible Sue
"Invisible Sue" (c) Farbfilm/ostlich filmproduktion/amour fou

Clubszenen können in Filmen etwas absolut besonderes sein. Wenn der wummernde Sound den Boden beben lässt, die Stroboskoplichter blitzen, die Kamera eintaucht in die feiernden Menschenmengen. Der Club – das ist immer ein Ort, an dem alles möglich scheint. Im Jugendfilm gibt es einige solcher Szenen, im Kinderfilm allerdings stolpert man eher nicht darüber. Doch in seinem Superheldinnenfilm „Invisible Sue“ wagt sich Markus Dietrich genau dort hin – und liefert.

Die zwölfjährige Sue und ihre Freundin Kaya sind einer erwachsenen Schurkin auf den Fersen, die eine andere Gestalt angenommen hat und sich gerade auf einer Halloween-Party in einem Schwimmbad aufhält. Auch Sues Freund Tobi ist in Gefahr. So geht es also hier erstmal gar nicht ums Feiern. Die Party ist vielmehr das Labyrinth, in das Sue und Kaya sich begeben müssen. Damit ist die Szenerie gesetzt, der Rest ist reine Freude an der Inszenierung. Zeitlupen, in denen von der tanzenden Menge auch mal ein Plüscheinhorn in die Luft geworfen wird, kontrastierende Großaufnahmen, Raucheffekte, Jump Cuts, kurios verkleidete Menschen, die alles noch unwirklicher und künstlicher wirken lassen – und alles im Grunde nur in zwei Farben getaucht: in kühles Blau und grelles Magenta.

Wie schade, dass der Drive dieser Szene deutlich abfällt, sobald geredet wird. Zu klar sind die Dialoge vor den eigentlich ohrenbetäubend lauten Umgebungsgeräuschen (aber dieses Problem hat bislang eigentlich nur David Fincher in „The Social Network“ überzeugend gelöst), und zu gestelzt klingen sie dazu. Und trotzdem: Die Szene zieht akustisch und visuell in den Bann und bettet das außergewöhnliche Setting in ein spannendes Finale ein, das stetig gekonnt zwischen Ruhe und Action wechselt und in dem in bester Genre-Manier mit Identitätswechseln gespielt wird.

Die Party-Szene sieht aus wie ein Videoclip und passt perfekt in diesen stylischen Genre-Kinderfilm, der keinen Hehl vor seinen großen filmischen Vorbildern macht und es auch versteht, sie gnadenlos zu kopieren, ohne dabei kindisch zu werden. Vielleicht ist gerade das auch das Erstaunliche an dieser Szene: Dass sie sich anfühlt, als ob sie wirklich aus einer anderen Inszenierungs- und Erzählwelt kommen würde – und damit etwas Neues in den Kinderfilm bringt.

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