Plitsch Platsch Forever!
Im Kino: Bunter Sommerfilm mit sympathischen Figuren über die Rettung eines Freibads, (neue) Freundschaften und gute Veränderungen.
Das Freibad geschlossen, die Freundin weg: Der Sommer, der doch eigentlich der beste ihres Lebens werden sollte, ist mit einem großen Platsch ins Wasser gefallen und die elfjährige Pola will die Ferientage am liebsten im abgedunkelten Zimmer verbringen. „Ich geh nie mehr raus“, ruft sie bestimmt – und steht dann doch unvermittelt (nach einem Reißschwenk) – vor der Eingangstür ihres Wohnblocks. Resigniert und sichtbar traurig über ihre Situation setzt sich Pola die Sonnenbrille auf und schlurft los, durch die heißen Gassen des fiktiven Örtchens Rotwil, in denen nichts los ist und die Kinder im Stadtbrunnen sitzen, weil es sonst keinen Ort mehr für sie gibt, um die Ferien zu verbringen. Pola vermisst Polly einfach sehr: Zusammen waren sie ein eingeschworenes Team, das den Sommer im Freibad verbrachte, wo Pollys Eltern das Bistro betrieben und ihnen ein zweites Zuhause ermöglichten. Nach der Schließung des Bads sind diese mit Polly nach Kanada zur Tante gezogen, und Pola weiß nicht, was sie mit sich anfangen soll. Dann hat das Mädchen eine Idee und lernt nebenbei, dass sie etwas dafür tun kann, dass der Sommer doch noch etwas wird.
Pola sucht nach Rosalie, die kluge Mitschülerin, die auf jede Frage eine Antwort weiß oder gar schon eine Projektarbeit zum Thema geschrieben hat. Polas Plan: Zusammen mit Rosalie das Freibad retten, auch um Polly die Rückkehr zu ermöglichen. Die Mädchen arbeiten an verschiedenen Strategien und finden ein offenes Ohr bei der beschäftigten Stadtpräsidentin, die gern von ihrer Jugend im Freibad träumt, sich aber nicht gegen den Stadtrat durchsetzen kann. Auch Frau Hunziker, eine ehemalige Aktivistin und mittlerweile im Seniorenheim, wo Pola an manchen Nachmittagen mit ihr Karten spielt, rät ihnen: Setzt euch für eure Sache ein. Somit starten die beiden eine engagierte Petition, für die sie auch die anderen Kinder gewinnen können. Dann aber spricht Pola endlich mit Polly, und alles wird anders.
Das Buch von Sabina Gröner entwirft eine originelle Geschichte mit allen Zutaten für einen luftigen Sommerfilm: Sehnsuchtsort ist das örtliche Freibad, das Städtchen hat Charme und ist klein genug, dass sich die Kinder zu Fuß oder mit dem Rad hindurchbewegen können und das Publikum sich gut orientieren kann. Die Figuren sind allesamt sympathisch (und werden überzeugend von allen Darsteller*innen gespielt), auch die kantigeren Charaktere haben einen schnell wahrnehmbaren guten Kern. Die Kinder vertrödeln die Ferien-Nachmittage aufgrund fehlender Alternativen, nutzen sie dann aber dafür, um sich für die Gemeinschaft einzusetzen und die Erhaltung des Freibads zu kämpfen. Dafür basteln sie farbenfrohe Kostüme und packen ihr Anliegen mit Musik und Tanz in eine bunte und die Stadtbevölkerung begeisternde Aktion.
Der Handlungsverlauf ist geschickt arrangiert und sieht immer wieder Wendungen vor, die man nicht unbedingt erwartet, auch wenn der Film im Detail und mit Hilfe von ostentativen Bildern verständlich erzählt, warum was passiert. Das angenehme Tempo des Filmanfangs verliert sich in der zweiten Hälfte leider ein wenig und übertreibt es dann bisweilen mit der Dramatisierung der Handlung.
Charmant sind die filmsprachlichen Mittel, die der Film für sein Erzählen einsetzt, etwa Farbfilter, wenn Pola erzählt, wie sie Polly vor Jahren kennenlernte, oder das Ändern des Bildformats, wenn die Stadträtin zurück an ihre eigene Jugend denkt. Dadurch entsteht oft auch Humor, z.B. wenn das Bild die Aussage einer Figur konterkariert wie in der Szene, als Pola behauptet, nie mehr nach draußen gehen zu wollen und in der nächsten Einstellung nach dem demonstrativen Reißschwenk vor dem Haus und eben im Draußen steht. Durch den Einsatz dieser Mittel erhalten die zuschauenden Kinder einen Eindruck davon, was Film alles kann und wie filmische Mittel verwendet werden können, um ironisch zu kommentieren, humorvoll auf eine Situation zu blicken oder Gefühle wie Sehnsucht, Frustration, Traurigkeit oder Freude auszudrücken.
Spannend an „Plitsch Platsch Forever!“ ist auch der Eindruck des Bunten und Vielfältigen, den der Film vermittelt. Das Ensemble weist eine natürliche Diversität auf, es fließen immer wieder Fremdsprachen in die Dialoge ein: Pola kommt aus Polen und wird von ihrer Mutter auf Polnisch geschimpft, wenn diese verärgert ist; Rosalie hat eine Zeit lang in Belgien gelebt und spricht fließend Französisch. Überhaupt erhält man das Bild von einer modernen und mit der Welt vernetzten Schweiz, in der Polly zwei Mütter hat und die Stadtpräsidentin eine Frau ist, während ihr Mann zu Hause bleibt und sich um das Baby kümmert.
Es geht im Film um Freundschaft, aber auch Ökologie, um zivilgesellschaftliches Engagement. „Ich will nichts Neues“, sagt Pola an einer Stelle des Films, und deutet damit darauf, wie es vielen Kindern geht. Am liebsten wäre es dem Mädchen, das alles so bleibt, wie es einmal war, wie sie es eben kennt. Dass das Leben aber aus Veränderungen besteht, dass diese dazugehören, lernt Pola in diesem Sommer. „Das Leben ist eigentlich wie ein Fluss. Du kannst versuchen, dich an einer Stelle festzuklammern, aber dann musst du die ganze Zeit gegen die Strömungen ankämpfen“, erklärt ihr eine erwachsene Figur im Film. „Oder du lässt dich treiben und bist offen für etwas Neues.“ Am Ende erkennt Pola, dass ihr Sommer auch anders als erwartet großartig werden kann: „Jetzt hat sich alles verändert, und ich lieb’s immer noch, nur anders halt.“
Verena Schmöller
Schweiz 2026, Regie: Natascha Beller, Kinostart: 09.07.2026, FSK: ab 0, Empfehlung: ab 7 Jahren, Laufzeit: 87 Min., Buch: Sabina Gröner, Kamera: Filip Zumbrunn, Musik: Martin Bezzola, Ton: Stefan Nobir, Schnitt: Benjamin Fueter, Florian Geisseler, Produktion: Sarah Born, Rajko Jazbec, Verleih: Der Filmverleih, Besetzung: Neah Hefti (Pola), Alva Maurer (Rosalie), Zazie Mawete (Polly), Michèle Rohrbach (Stadtpräsidentin Frau Petrovic-Stucki), Olga Strub (Frau Hunziker) u. a.
Altersempfehlung 6-9 Jahre
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