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Tonda, Slavka und das magische Licht

Entdeckt beim „Schlingel“ und bei „Lucas“: Ein Puppentrickfilm voller Magie, in dem Kinder eine düstere Welt zum Leuchten bringen.

Ein Junge, der von innen her leuchtet, könnte die Lichtgestalt in seinem düsteren Mietshaus sein – wie großartig und wunderbar wäre das. Aber der elfjährige Tonda ist ein Ausgestoßener, der sein hell schimmerndes Gesicht meistens hinter gleich mehreren Masken verbirgt. Seine Eltern lassen ihn aus Fürsorge nur ins Treppenhaus und halten ihn im wahrsten Sinne des Wortes an einer langen Leine, die bis hinunter in den Hof reicht und an die er sich anketten muss, wenn er die Wohnung verlässt – und durch die seine Eltern ihn jederzeit zurück in die Wohnung ziehen können. Tonda wünscht sich nichts sehnlicher als einen Freund oder eine Freundin, während er zu begreifen beginnt, dass seine Eltern schuld an seiner Einsamkeit sind. Als die gleichaltrige Slavka ins Haus einzieht, die sein Leuchten magisch findet, spürt er, dass sich etwas verändern wird.

Der Puppentrickfilm beschreibt die zwei Welten, die in Tondas Wohnhaus, das aus der winterlich-weiß bepuderten Stadt wie ein grauer Monolith herausragt, aufeinandertreffen. Es birgt ein Geheimnis, über das der alte Hausmeister wacht, indem er die Bewohner*innen beschützt, ohne dass sie davon wüssten. In dieser Welt sind es die beiden Kinder, die sich mittels ihrer Fantasie gegenseitig Halt geben. So kann nur Tonda die bunten Welten sehen, die Slavka mit ihrer Taschenlampe erschaffen kann. Sobald sie diese anknipst, wachsen magische Blumen bis in den Himmel hinauf. So rettet Slavka sich vor der düsteren Welt, in der ihre Mutter lebt, die als ehemalige Ballerina in einer depressiven Stimmung für die Tochter schwer erreichbar ist. Aber sie existiert, diese andere Welt der Freiheit, in die es die Kinder zieht, raus aus der Enge und weg von den Zwängen der Erwachsenen. Sinnbild dafür ist auch die Flucht von Slavkas Wellensittich, der sich partout nicht mehr einfangen lässt, sondern lieber mit einem anderen Vogel ein Nest baut.

Es sind auch die Kinder, denen es gelingt, hinter das Mysterium zu blicken, das der alte Hausmeister seit Jahrzehnten im Zaum hält. Ein großer schwarzer Wurm, der alles Licht verschluckt und den sein Hüter regelmäßig mit dem Licht der Glühbirnen im Hausflur füttert, die er dann immer erneuern muss. Existiert der schwarze Wurm, der recht plüschig und ganz freundlich aussieht, weil die Bewohner*innen des Hauses so griesgrämig sind? Oder sind die Bewohner*innen so griesgrämig, weil der Wurm ihnen alles Licht absaugt? Eine ambivalente Beziehung, denn da, wo Hass und Streit herrscht wie in diesem Haus, ist auch die Düsternis nicht weit. So wie bei Slavkas Mutter, die immer wieder von kleinen dunklen Wölkchen heimgesucht wird und aufgrund dieser kein freundliches Wort mehr für ihre Tochter finden kann.

In allerbester osteuropäischer Tradition erweckt die Puppenanimation eine wunderbare Welt, in der jede Figur mit ihrer jeweiligen Charakteristik lebendig wird. Die Gesichter sind prägnant geformt, da sich in ihnen jedoch nur Augen und Mund bewegen, muss der Charakter rein optisch gleich erkennbar sein. Nur der alte Hausmeister verfügt über einen großen beweglichen Unterkiefer. Er ist auch die Figur, die zunächst als böse wahrgenommen wird – bis später klar wird, dass er alles in seiner Macht stehende tut, um das Haus zu schützen. Zwei Innenräume fallen besonders auf. Die Höhle, oder besser gesagt der Bunker, den Tonda sich in seinem Zimmer gebaut hat und den niemand außer Slavka betreten darf, ist ganz kindgerecht fantasievoll eingerichtet, mit bunten Decken, Kissen, Spielsachen und sogar – wenn Slavka ihre Taschenlampe zum Leuchten bringt – einem Weiher, auf dem die Kinder mit ihrem Floß in See stechen. Hinter der Wohnungstür des Hausmeisters tut sich unterdessen ein wahrer Dschungel auf. Ihm selbst wachsen im Laufe der Geschichte zunehmend immer mehr feingliedrige Blumen auf dem Rücken – ein weiteres jener Geheimnisse, die Tonda und Slavka zu erkunden haben.

Katrin Hoffmann

Diese Kritik wurde anlässlich der Aufführung des Films bei den Festivals „Schlingel“ und „Lucas“ im Herbst 2023 veröffentlicht. (Alternativtitel: „Tony, Shelly und das magische Licht“.)

© IFF Schlingel
8+
Animation

Tonda, Slávka a kouzelné svĕtlo (Tony, Shelly and the Magic Light) - Tschechische Republik, Ungarn, Slowakei 2023, Regie: Filip Pošivač, Jana Šrámková, Festivalstart: 30.09.2023, FSK: keine FSK-Prüfung, Empfehlung: ab 8 Jahren, Laufzeit: 82 Min. Buch: Filip Pošivač. Kamera: Denisa Buranová. Musik: Ádám Balázs. Schnitt: Marek Královský. Produktion: Ceská Televize, Filmfabriq, Nutprodukce, Rozhlas a televízia Slovenska. Verleih: offen.

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