Hoppers
Im Streaming: Einmal die Welt mit den Augen eines Bibers sehen! Der Pixar-Animationsfilm zeigt: Es lohnt sich.
Der Teich muss weg. Ausgerechnet der Teich, der Mabel seit ihrer Kindheit so wichtig ist. Dort hatte ihr ihre Oma vor vielen Jahren eine wichtige Lektion beigebracht. Dass Wut nämlich den Blick auf die Welt verstellt.
Nun steht Mabel erneut dort, durchaus aufgebracht und entschlossen, und Auge in Auge mit dem aalglatten Politiker Jerry, der demnächst seine Wiederwahl als Bürgermeister anstrebt und den Menschen deshalb das geben will, was ihr Leben seiner Meinung nach angenehmer macht: eine Umgehungsstraße. Dass diese direkt durch ein Stück bislang unberührter Natur führt? Geschenkt. Tiere sind ja eh keine mehr da, sagt Jerry. Und schwächt die Argumentation von Mabel, das Gebiet rund um den Teich zu erhalten, ganz gewaltig. Nur ein paar Tage bleiben Mabel noch, um das Gegenteil zu beweisen.
Da kommt Mabel gerade recht, dass ihre Dozentin an der Uni seit einiger Zeit mit einer neuen Technologie experimentiert. Indem das Bewusstsein eines Menschen in einen Roboter übertragen wird, der sich unter einer täuschend echt aussehenden Tierhülle verbirgt, können Menschen das Reich der Tiere hautnah erfahren. Aus erster Pfote, sozusagen. Ohne Erlaubnis ihrer Dozentin wagt Mabel einen solchen Body Switch – und taucht ein in den Körper eines Roboter-Bibers. Aus den Augen von diesem sieht die Welt tatsächlich ganz anders aus.
Einmal den Standpunkt wechseln, einmal eine andere Perspektive einnehmen – und dann etwas über die Welt und die Mitmenschen (oder Mittiere) lernen, das ist das zentrale Thema des Pixar-Films „Hoppers“. Was zunächst sehr didaktisch klingt, verpackt der ästhetisch eindrucksvoll inszenierte Animationsfilm in eine schwung- und humorvolle Handlung, die bisweilen durch Wort- und Bildwitz punktet, manchmal durch ihre Wendungen zu überraschen weiß und nur selten in allzu abstruse vermeintliche Komik abdriftet.
Zu seinem emotionalen Kern findet „Hoppers“ dabei schon gleich zu Beginn, wenn Mabels Oma ihr Augen und Ohren, ja das Herz für die Schönheit der Natur öffnet. Die energiegeladene Mabel, die zuvor in der Schule (mal wieder) ein paar Tiere aus ihren Käfigen befreit hat, kommt zur Ruhe und erlebt die Flora und Fauna rund um den Teich so intensiv wie nie zuvor. Der Teich wird zu einem magischen Ort, der für Mabel zudem immer mit der Erinnerung an ihre Oma verbunden bleiben wird. Zugleich wird er zum Herzen ihres Aktivismus.
Unsympathisch wirkt gegen Mabel Bürgermeister Jerry. Er ist das perfekte Feindbild: arrogant, selbstverliebt, skrupellos. Dass Jerry die Tiere durch akustische Störsignale vom Teich vertrieben hat, erkennt Mabel schnell. So ist die Stoßrichtung klar: Jerry muss gestoppt werden. In einer klugen Volte treibt der Film diese Antipathie auf die Spitze: Nachdem Mabel sich in ihrer Biber-Form mit dem König der Biber angefreundet hat und mit diesem am Rat der Tierkönig*innen teilnimmt, beginnt Mabels Wut auf Jerry nämlich aus dem Ruder zu laufen. Man müsse ihn zerquetschen, lautet der einhellige Beschluss der Tiere – und Mabel gerät in ein Dilemma. Nun muss sie nicht nur den Teich retten, sondern auch noch Jerry.
Der charmanten Grundidee der Körpertausch-Komödie haucht „Hoppers“ neues Leben ein, weil es hier nicht nur um Gender-Klamauk geht (wie in anderen Body-Switch-Filmen) oder um ein Science-Fiction-Spektakel (wie in James Camerons „Avatar“ aus dem Jahr 2009). Der Animationsfilm nimmt seine umweltbewahrende Botschaft ebenso ernst wie sein Anliegen, durch Empathie wieder ein engeres Miteinander zu schaffen. Obgleich Mabel von Anfang an die Identifikationsfigur ist und für die richtige Sache einsteht, macht sie doch auch Fehler und ist zu impulsiv. Damit hat Pixar eine spannende Heldin erschaffen, die das Studio charmant ein bisschen erwachsener und reflektierter werden lässt.
Während zum Ende hin alles wieder auf ein atemloses Finale zuläuft und Action dominiert – eine dramaturgische Konvention, die leider von nahezu allen Pixar-Filmen bedient wird und damit die sorgfältig aufgebaute Welt ein wenig untergräbt –, besticht „Hoppers“ andererseits auch wieder durch seinen visuellen Einfallsreichtum. Aus den Augen der Menschen gesehen haben die Tiere kleine Knopfaugen, wirken putzig und „echt tierisch“. Die Tiere unter sich wiederum sehen sich mit großen cartoonhaften Augen, die im Disney-Stil eine große Bandbreite an Emotionen sichtbar machen können. In diesem Film ist eben alles: eine Frage der Sichtweise.
Stefan Stiletto
Hoppers - USA 2026, Regie: Daniel Chong, Kinostart: 05.03.2026, Homevideostart: 03.06.2026, FSK: ab 6, Empfehlung: ab 9 Jahren, Laufzeit: 104 Min., Buch: Jesse Andrews, Daniel Chong, Jordan Harrison, Kamera: Jeremy Lasky, Ian Megibben, Schnitt: Axel Geddes, Musik: Mark Mothersbaugh, Produktion: Pixar Animation Studios, Walt Disney Pictures, Nicole Paradis Grindle, Verleih: Disney.
Altersempfehlung 6-9 Jahre
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