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Mary Poppins’ Rückkehr

Ist das die Wiederaufführung eines alten Films? Die Fortsetzung imitiert auf überaus charmante Art die Effekte, den Stil und den Look des Originals.

Solche Filme werden heute nicht mehr gedreht. Nicht, dass es in den letzten Jahren nicht wieder einige Musicals gegeben hätte, in denen Gesangsstücke die Handlung ergänzen und ausgelassene Tanzszenen auch Dramen Schwung und eine überraschende Ausgelassenheit verleihen. Aber „Mary Poppins’ Rückkehr“, die Fortsetzung des Disney-Animations-Realfilm-Hybrid-Klassikers aus dem Jahr 1964 von Robert Stevenson, ist keine Hommage. Er sieht vielmehr so aus, als ob er tatsächlich wenige Jahre nach dem Original entstanden wäre. Und so wirkt auch der Kinobesuch wie eine Zeitreise: Sind wir hier etwa versehentlich in einem alten Film gelandet?

Der von Rob Marshall inszenierte Film knüpft dabei nicht nahtlos an die Geschichte „Mary Poppins“ an. Nachdem die Kamera von den Dächern Londons hinabgeglitten ist ins Haus der Familie Banks, lernen wir einen mittlerweile erwachsenen Michael kennen. Aus dem Jungen von einst, der sich um die Liebe seines überarbeiteten und freudlosen Vaters George Banks bemühte, ist selbst ein Familienvater geworden. Und nun steckt auch er in ähnlichen Problemen wie sein Vater damals. Er arbeitet in derselben Bank – und wenn es ihm nicht gelingt, bis in wenigen Tagen Belege zu finden, dass ihm das Haus im Kirschbaumweg gehört, droht er alles an den skrupellosen Bankvorsitzenden zu verlieren. Damals war es das zauberhafte Kindermädchen Mary Poppins, das zu einer Vertrauensperson für seine Schwester und ihn geworden war, das triste Leben aufgeheitert und schließlich sogar seine Familie gerettet hat. Und nun? Schwebt Mary Poppins erneut mit ihrem Regenschirm vom Himmel und bringt die Familie Banks wieder auf den richtigen Weg.

Im Grunde erzählt „Mary Poppins’ Rückkehr“ also die Geschichte des ersten Teils noch einmal und vertauscht dabei nur die Figuren. Dass das so seltsam aktuell wirkt, ist eine bedrückende Erkenntnis: Hat sich seit 1964 nichts geändert? Stehen die Eltern noch immer unter so großem Druck, den Lebensunterhalt zu verdienen, dass sie keine Augen für ihre Kinder haben? Regiert noch immer Geld die Welt? Und sind Ausflüge in fantastische Welten und eine sorglose Fröhlichkeit nur etwas für Träumer*innen?

„Mary Poppins’ Rückkehr“ jedenfalls feiert erneut den Eskapismus, die Leichtigkeit und das Gute im Menschen. In großartig arrangierten Set-Pieces wird gesungen und getanzt, das es eine Freude ist (auch wenn die Lieder und Melodien nicht die Ohrwurmqualitäten des Originals erreichen) – und einen ganz besonderen Charme versprühen dabei eben der altmodische Look des Films und die betont einfachen Effekte. Keineswegs in eine fotorealistische Fantasiewelt etwa führt ein Ausflug Mary Poppins und die Kinder, sondern – wie schon im Original – in eine zweidimensionale Zeichentrickwelt, die von tanzenden Pinguinen und anderen Tieren bevölkert ist. Und auch die Lieder klingen so, als ob man sie in einer alten Schublade auf einer Schallplatte gefunden hätte und sie schon vor Jahren geschrieben worden seien. An die großen Slapstickklassiker von Regisseuren wie Charlie Chaplin, Buster Keaton oder Harold Lloyd wiederum erinnern vergleichsweise kleine Szenen, in denen eine Leiter als erweiterte Sitzfläche eine Mopeds dient – sobald die drei Mitfahrer*innen erst einmal so darauf verteilt sind, dass die Balance gehalten werden kann.

Nein, einen Film wie diesen macht man heute so eigentlich nicht mehr. Aber „Mary Poppins’ Rückkehr“ zeigt auf, dass man es noch immer könnte und der Zauber noch immer wirkt.

Stefan Stiletto

 

© Walt Disney
8+
Spielfilm

Mary Poppins Returns - USA 2018, Regie: Rob Marshall, Kinostart: 20.12.2018, FSK: ab 0, Empfehlung: ab 8 Jahren, Laufzeit: 131 Min. Buch: David Magee, nach den „Mary Poppins“-Geschichten von P.L. Travers. Kamera: Dion Beebe. Musik: Marc Shaiman, Scott Wittman. Schnitt: Wyatt Smith. Produktion: Rob Marshall, John DeLuca, Marc Platt. Darsteller*innen: Emily Blunt (Mary Poppins), Lin-Manuel Miranda (Jack), Ben Whishaw (Michael Banks), Emily Mortimer (Jane), Julie Walters (Ellen), Colin Firth (Mr. Wilkins jr.), Meryl Streep (Topsy), Dick van Dyke (Mr. Wilkins sr.) u. a.

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