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Das Haus der geheimnisvollen Uhren

Was hat es mit der Uhr auf sich, die unablässig in dem alten Haus tickt? Eli Roth hat einen britischen Kinderbuchklassiker adaptiert.

Alte Häuser sind geradezu prädestiniert für Schauermärchen – und dafür muss man gar nicht an Filmklassiker wie „Shining“ (1980) von Stanley Kubrick denken. Auch Kinderfilme wie „Das Haus der Krokodile“ (Cyrill Boss, Philipp Stennert, 2012), „Das magische Haus“ (Ben Stassen, Jérémie Degruson, 2013) oder „Gespensterjäger – Auf eisiger Spur“ (Tobi Baumann, 2015) bieten immer wieder dieselben Topoi wie Geheimgänge, Gegenstände, die sich selbständig machen, unerklärliche Geräusche, klappernde Türen, flackerndes Licht, knarzende Decken. Nicht zuletzt weiß man häufig nicht, ob die Bewohner*innen der Häuser gut oder böse sind. Auch Eli Roth, der sich mit schockierenden und provozierenden Horrorfilmen wie „Hostel“ (2005) einen Namen gemacht hat, schöpft nun in seiner Adaption des in angelsächsischen Ländern bekannten Kinderbuchklassikers „Das Geheimnis der Zauberuhr“ von John Bellairs aus dem Jahr 1973 virtuos aus dieser Reservatenkammer der Spukeffekte.

Als der zehnjährige Lewis im Jahr 1948 seine Eltern bei einem Unfall verliert, zieht er zu seinem Onkel Jonathan, der in einer riesigen Villa in der kleinen Stadt Zebeedee in Michigan lebt, um die sich, wie auch um Jonathan, unzählige Legenden und Spukgeschichten ranken. Auch dem Neffen kommen bald Zweifel, ob sein Onkel noch ganz bei Sinnen ist. Aber natürlich ist er das. Denn Jonathan wird dargestellt von Jack Black, dessen komödiantisches Talent schon per se für Komik und Sympathie sorgt, Cate Blanchett wiederum spielt Jonathans Nachbarin Mrs. Florence Zimmermann – eine hochkarätige Besetzung also, die Owen Vaccaro als Lewis ein wenig in den Schatten stellt.

Jonathan und Mrs. Zimmermann entpuppen sich als Hexenmeister und Hexe, die auf der guten Seite der Magie stehen. Erstaunlich schnell lernt Lewis von seinem Onkel das Handwerk der Zauberei, sodass er nur noch mit dem Finger schnippen muss, um sein Bett zu machen oder die passende Kleidung aus der Kommode heranschweben zu lassen. Bald bilden die drei das perfekte Team, um den geheimnisvollen Uhrenschlägen auf den Grund zu gehen, die in dem Haus immerzu zu hören sind. Einst bewohnte das Haus der große Zauberer Isaac Izard, der nach seiner Rückkehr aus dem Krieg auf die dunkle Seite der Magie wechselte. Die Uhr schlägt die Sekunden bis zur Vernichtung der Welt. Nichts weniger steht auf dem Spiel, als Lewis unwissentlich den bösen Zauberer aus dessen Gruft zum Leben erweckt.

Spätestens, wenn ineiner nächtlichen Friedhofszene mit allen Horroreffekten gespielt wird, die filmtechnisch zur Verfügung stehen, fragt man sich, welches sechsjährige Kind diese Bilder verkraften kann, hat Roths Film doch überraschend eine FSK Freigabe ab 6 Jahren erhalten. War die erste Hälfte des Films noch davon bestimmt, dass der Junge sich im Haus zurecht findet, in der Schule versucht, Freunde zu finden, und sich vor allem darum bemüht, mit seinen Ersatzeltern seine Trauer um die verstorbenen Eltern zu lindern, wird es in der zweiten Hälfte zunehmend düsterer und richtig gruselig. Da helfen auch die lustigen Streitigkeiten nicht mehr viel, die sich Mrs. Zimmermann und Jonathan ständig liefern. Kaum ein Dialog vergeht, ohne dass sie sich liebevoll Unflätigkeiten um die Ohren hauen.

Die weitere Entwicklung der Story hat denn auch nicht mehr viel mit der Buchvorlage zu tun, sondern verselbstständigt sich zu einem durchaus spannenden und effektvoll inszenierten Showdown, der nichts auslässt, was in der Zauberkiste der Computeranimation steckt. Kein Film kommt bei diesem Sujet darum herum, sich an den „Harry Potter“-Verfilmungen zu orientieren (die ab dem 2. Teil in der ungeschnittenen Fassung übrigens eine FSK-Freigabe ab 12 Jahren erhielten) und ihnen in diversen Anleihen Referenz zu zollen, was den schalen Eindruck hinterlässt, die meisten Effekte schon mal irgendwo gesehen zu haben.

Auch wenn die Geschichte um den jungen Zauberschüler Lewis viel älter als die Bücher von J.K. Rowling ist, haben die „Harry Potter“-Adaptionen den filmästhetischen und erzählerischen Standard gesetzt. „Das Haus der geheimnisvollen Uhren“ will zwischen Familiendrama, Komödie und Historienfilm zu viel abdecken. Das Drama der Mrs. Zimmermann, die im Konzentrationslager Tochter und Mann verloren hat, ist da geradezu verstörend. Man erkennt auf ihrem Arm die Nummer, die sie als Lagergefangene kennzeichnet, nichtsdestotrotz wird sie sich gegen angreifende Spielzeugautomaten mit einer Gaswolke zur Wehr setzen und diese damit zur Strecke bringen. Diese Nuance erschließt sich nur den begleitenden Erwachsenen, die unbedingt ihre Kinder begleiten sollten, um diesen Horrorfilm gemeinsam anzusehen.

Katrin Hoffmann

 

 

 

 

© Universal
12+
Spielfilm

The House with a Clock in Its Walls - USA 2018, Regie: Eli Roth, Kinostart: 20.09.2018, FSK: ab 6, Empfehlung: ab 12 Jahren, Laufzeit: 106 Min., Buch: Eric Kripke, nach dem Roman „Das Geheimnis der Zauberuhr“ von John Bellairs, Kamera: Rogier Stoffers, Schnitt: Andrew S. Eisen, Fred Raskin, Musik: Nathan Barr, Produktion: Bradley J. Fischer, Eric Kripke, James Vanderbilt, Verleih: Universal, Besetzung: Owen Vaccaro (Lewis Barnavelt), Jack Black (Jonathan Barnavelt) , Cate Blanchett (Mrs. Florence Zimmerman), Kyle MacLachlan (Isaac Izard), Sunny Suljic (Tarby Corrigan) u. a

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