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Max und die wilde 7

Sympathisch altmodischer Detektivfilm um eine junge und drei alte Spürnasen, die gemeinsam einen kniffligen Fall aufklären.

Als seien die alten Fahrgäste nicht schon genug, die Max dafür anfeinden, dass er sein Fahrrad mit in den Bus genommen hat. Empört beschimpfen ihn die Senior*innen, weil sie dadurch jetzt zu spät zum Frisör kämen, und überhaupt: Früher hätte es solch ungezogene Kinder gar nicht gegeben! Nicht weniger feindselig geht es zur Sache, als Max am letzten Tag vor den Sommerferien seine neue Schule betritt, wo ihn der fiese Ole und seine Freunde sofort auf dem Kieker haben. Zwar ist Max alles andere als mutig, aber was zu viel ist, ist zu viel: Er zeigt Ole den Stinkefinger und macht sich damit gleich einen nachtragenden Feind. Eine wilde Verfolgungsjagd durch die verschlafene Kleinstadt geht gerade noch gut aus, weil Max Unterstützung von Rafael bekommt: „Wir vom Altersheim müssen zusammenhalten“, grinst der Jugendliche verschwörerisch. Womit Rafael die alte Ritterburg Geroldseck meint, in der ein schickes Seniorenheim eingerichtet wurde, das von Rafaels Onkel geleitet wird. Und wo Max ab sofort wohnt, weil seine Mutter Marion dort einen Job als Pflegerin bekommen hat.

Gleich in den ersten, rasant und unterhaltsam erzählten Minuten liegen die Karten auf dem Tisch: Der neunjährige Max ist „der Neue“, den alle anfeinden und herumschubsen, der sich nicht richtig zur Wehr setzen kann, weil er dafür nicht genug Selbstvertrauen hat, der einsam ist, weil seine Mutter nur wenig Zeit für ihn hat und sich sein Vater vor drei Jahren ohne Erklärung davon gemacht hat. Was man in dieser misslichen Lage bräuchte, wären gute Freund*innen, aber nur die gleichaltrige Laura aus seiner Klasse ist freundlich zu Max und gewinnt bald sein Vertrauen. Und wie ist das mit den „Alten“, diesen „Grufties“, denen die Haare aus Nase und Ohren wachsen? Der Film nimmt manchmal kein Blatt vor den Mund, um klar zu machen, wie fern sich junge und alte Menschen sein können, wenn sie nicht gerade Enkelkinder und Großeltern sind. Aber er zeigt ebenso deutlich: Jeder Mensch ist anders, und Freundschaft, Respekt und Zusammenhalt sind grundlegend wichtige Dinge, die man mit Menschen jeden Alters teilen kann.

Wie kann man solche Einsichten besser vermitteln als mit Hilfe einer spannenden Detektivgeschichte? Lisa-Marie Dickreiter und Winfried Oelsner haben bereits drei Kriminalromane für Kinder um „Max und die wilde 7“ geschrieben, der Film adaptiert das erste Buch „Das schwarze Ass“, in dem Max die wilde 7“ kennenlernt. Das sind die Altenheimbewohner*innen Vera, die früher Schauspielerin war, der anfänglich abweisende und strenge Kilian, ein Professor mit Vorliebe für Spinnen, und der frühere Fußballtrainer Horst – drei Rentner*innen, die im Speisesaal stets gemeinsam an Tisch 7 essen und im Seniorenheim ähnlich Außenseiter*innen sind wie Max in der Schule. Nach einigen Startschwierigkeiten und Missverständnissen finden die drei „Alten“ und Max immer enger zusammen und werden ein Detektivgespann, das erfolgreich einen raffiniert vorgehenden Dieb entlarvt. So heißt es am Ende des Abenteuers: „3 plus 1 gleich 7“!

Die Detektivgeschichte um den mysteriösen Einbrecher, der am Tatort stets eine Spielkarte, das schwarze Ass, hinterlässt, kommt auffällig altmodisch daher. Statt auf technischen Firlefanz, auf Handy, Computer oder Internet setzt sie weit mehr auf Stimmungen und besonders auf die kluge Kombinationsgabe des ungleichen Quartetts, das bei seinen Ermittlungen, aber auch bei seiner Freundschaft manchen Rückschlag verkraften muss. Der Fall selbst erinnert an alte Kinderbuch-Klassiker, vor allem an die Abenteuer der „schwarzen hand“, die der Schriftsteller Hans Jürgen Press schon vor 60 Jahren erdachte. Damals entlarvten Felix mit der Trompete, die schlaue Adele, Rollo mit seinem Ringelpulli und Kiki m.E. („mit Eichhörnchen“) als cleveres Detektivteam Gauner und Räuber, nun ist es das alt-junge Team aus Max, Vera, Kilian und Horst, das, verstärkt um die mutige Laura, ähnlich ermittelt und das Publikum zugleich zum Miträtseln einlädt.

So altmodisch sich das anfühlt, so erfrischend komisch und moderat spannend ist die Geschichte vor allem dank der jungen und alten Darsteller*innen, die sympathisch die Ängste und Schwächen, aber auch die liebenswerten Marotten der Figuren einfangen. Uschi Glas spielte schon in den „Fack ju Göhte“-Filmen genüsslich mit ihren früheren Rollen in Schul-Klamotten („Die Lümmel von der ersten Bank“), jetzt nervt sie – ganz im guten Sinne! – als leicht überspannte Vera damit, dass sie jedem von ihrer Rolle als Apanatschi in einem alten Winnetou-Kinofilm („Winnetou und das Halbblut Apanatschi‟, Harald Philipp, 1966) erzählt. Das gefällt wohl eher den erwachsenen Zuschauer*innen, die sich damit auskennen, insgesamt aber bietet „Max und die wilde 7“ flotte Unterhaltung sowohl für ein junges als auch ein altes Publikum, wobei alle ganz nebenbei auch über manches Vorurteil im eigenen Umgang mit der jeweils anderen Generation nachdenken können.

Horst Peter Koll

© Leonine
9+
Spielfilm

Max und die wilde 7 - Deutschland 2020, Regie: Winfried Oelsner, Kinostart: 06.08.2020, FSK: ab 0, Empfehlung: ab 9 Jahren, Laufzeit: 87 Min. Buch: Lisa-Marie Dickreiter, Winfried Oelsner, nach ihrem Roman „Max und die wilde 7: Das schwarze Ass“. Kamera: Andy Löv. Musik: Elke Hosenfeld, Moritz Denis. Schnitt: Thomas Stange, Maja Stieghorst. Produktion: Westside/Rat Pack/Universum/Neopol/Shoot’n’Post/SWR/WDR/HR/rbb. Verleih: Leonine. Darsteller*innen: Jona Eisenblätter (Max), Alwara Höfels (Marion Bergmann, Max‘ Mutter), Uschi Glas (Vera Hasselberg), Günther Maria Halmer (Kilian von Hohenburg), Thomas Thieme (Horst Dobberkau), Nina Petri (Oberschwester Cordula) u. a.

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