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Die Wolf-Gäng

Die unterhaltsame fantastische Geschichte dreier junger Fabelwesen, die alle ihre besonderen Schwächen haben.

Dass Wolfgang Hohlbeins Name auf dem Filmplakat nur der Vermarktung dient und der Film mit dessen gleichnamiger Kinderbuchreihe wenig zu tun hat: geschenkt und offen gestanden nicht sehr zu bedauern. Dass die drei Außenseiter*innen, die bei einer Zeremonie zu Beginn des siebten Schuljahres eine ziemliche Blamage erleben – Jungvampir Vlad stellt fest, dass er kein Blut sehen kann, Fee Faye hat Flugangst und Werwolf Wolf eine Tierhaarallergie –, sich gemeinsam zu den Held*innen der Geschichte mausern: erwartbar. Ebenso erwartbar und trotzdem enttäuschend ist hingegen, dass ihnen das nicht nur durch Teamarbeit gelingt, sondern vor allem dadurch, ihre Schwächen in den entscheidenden Momenten dann doch irgendwie zu überwinden. So hält der kleine Wolf tapfer einen tierischen Wächter in Schach und wird wutentbrannt kurzzeitig selbst zum (Fabel-)Tier. In der Not muss die Allergie halt mal pausieren. Das Problem ist hier nicht die fehlende Originalität, sondern dass die Chance verpasst wird, jenes löbliche Versprechen des Werbetextes einzulösen, der da behauptet, die Protagonist*innen würden lernen, sich so zu akzeptieren, wie sie sind. Auch dass Vlad und seine Freund*innen ihre fabelhaften Verwandlungsfähigkeiten erst mit dem Eintritt in die Pubertät erlangen, bleibt ein genreübliches Versatzstück, aus dem erzählerisch keine Funken geschlagen werden.

Gelungen und sehr kindgerecht ist die Balance zwischen leichtem Grusel und ganz viel Comic Relief, auch wenn ausgerechnet die bemüht komische Hausmeisterfigur ein humoristischer Rohrkrepierer ist, während sich Hans-Jochen Wagner als temperamentvoller Werwolfpapa bei jedem seiner kurzen und seltenen Auftritte als wahrer Szenendieb erweist. Sein Filmsohn Arsseni Bultmann gibt ein hinreißend quirliges „Wölfchen“ ab und Sonja Gerhardt macht als Assistentin des teuflischen Antagonisten das Beste aus einer eher undankbaren Rolle. Für magische Stimmung sorgen neben den visuellen Effekten die pittoresken Originaldrehorte in Hessen, aus denen sich das fiktive Crailsfelden zusammensetzt, ein Zufluchtsort für Fabelwesen aller Art. Der emotionale Tiefgang mag fehlen, aber den Unterhaltungswert für jüngere Kinder kann man der flott erzählten Abenteuerkomödie mit leichtem Gruseleinschlag durchaus nicht absprechen.

Natália Wiedmann

 

© Sony
8+
Spielfilm

Die Wolf-Gäng - Deutschland 2020, Regie: Tim Trageser, Kinostart: 23.01.2020, FSK: ab , Empfehlung: ab 8 Jahren, Laufzeit: 96 Min. Buch: Marc Hillefeld, frei nach der Kinderbuchreihe von Wolfgang Hohlbein. Kamera: Felix Poplawsky. Musik: Andreas Weidinger. Schnitt: Marco Pav D’Auria. Produktion: Christian Becker. Verleih: Sony. Darsteller*innen: Aaron Kissiov (Vlad), Johanna Schraml (Faye), Arsseni Bultmann (Wolf), Rick Kavanian (Barnabas), Christian Berkel (Louis Ziffer) u.a.

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