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Dear Future Children

Im Kino: Drei Porträts junger Frauen, die sich selbstlos für die Umwelt, für Demokratie und soziale Gerechtigkeit engagieren.

 

Überall auf der Welt engagieren sich junge Menschen heute für eine bessere Zukunft. Sie protestieren, gehen zum Teil auf die Straße und riskieren mitunter sogar ihr Leben. Sie haben die wortgewandten Hinhaltetechniken und leeren Versprechungen der politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträger*innen satt genauso wie die festgefahrenen gesellschaftlichen Strukturen und halbherzige Handlungsansätze. Sie wollen etwas bewegen, nicht irgendwann einmal, sondern jetzt in der Gegenwart, um für sich und die nachfolgenden Generationen eine bessere und auch sozial gerechtere Zukunft zu gestalten. Eine der populärsten Figuren unter ihnen ist wohl Greta Thunberg. Doch das Engagement der Jugend beschränkt sich keineswegs auf den Klimaschutz und das Artensterben allein. Es umfasst auch den Kampf gegen diktatorische Regimes und für mehr Freiheit und Demokratie und es sind Tausende, die den Beweis antreten, dass die Jugend heute politischer denn je denkt, handelt und fühlt.

Der deutsche Filmemacher Franz Böhm, Jahrgang 1999, hat sich weltweit auf die Suche nach solchen Jugendlichen gemacht und porträtiert in seinem Dokumentarfilm „Dear Future Children‟ drei junge Aktivistinnen aus Chile, Hongkong und Uganda. Die 23-jährige Rayen aus Chile ist fest davon überzeugt, dass der jungen Generation die Aufgabe zukommt, gegen das Erbe von Diktator Pinochet anzukämpfen, denn die älteren Generationen denken zu sehr an sich und werden nichts mehr verändern, schon gar nicht die extreme soziale Ungleichheit, die das Land zu zerreißen droht.

Die 22-jährige Hilda aus Uganda möchte sich für den Klimaschutz engagieren und bekommt bereits in der Schule heftigen Gegenwind von Seiten ihres Lehrers zu spüren. Dieser möchte ihr einreden, der Klimawandel sei eben einfach „Gottes Plan“, den man akzeptieren müsse. Unterdessen sieht Hilda, wie in ihrer unmittelbaren Umgebung viele Menschen Hab und Gut verlieren, weil die Ernten durch den Klimawandel ausfallen, und in den Ruin getrieben werden. Zugleich wird die Lebensader ihrer Region, ein Fluss, immer stärker durch Plastikabfälle verschmutzt. Zumindest für dieses Problem möchte sie mit ihren Aktionen ein Bewusstsein schaffen.

Die gleichaltrige Pepper aus Hongkong wiederum kämpft für die Unabhängigkeit der ehemaligen englischen Kronkolonie von China und bekommt die Repressalien der Machthabenden ganz unmittelbar am eigenen Leib zu spüren. Als Aktivistin arbeitet sie nur noch im Geheimen, führt ein Doppelleben und muss ständig damit rechnen, verhaftet zu werden.

Franz Böhm will vor allem erfahren, welche Motivationen diese drei Aktivistinnen dazu bewegen, für andere den Kopf zu riskieren, und wie sich diese Entscheidung auf ihr Privatleben und ihre eigene Zukunft auswirkt. Er lässt seine Protagonistinnen dabei vor allem selbst zu Wort kommen. Sie alle haben ein ausgeprägtes Bewusstsein von ihren Aktionen und ihren Beweggründen und berichten davon, wie sehr ihr Engagement ihr gesamtes Leben verändert hat. Sie sind sich bewusst, dass es für sie kein Zurück mehr gibt und ihnen der Weg in ihr altes Leben für immer versperrt sein wird. Aber sie sind auch überzeugt davon, dass die Zukunft noch viel stärker in Gefahr geraten würde ohne ihren Protest und ihre Aktionen – wie auch immer man selbst dazu stehen mag. Das gibt ihnen Mut und Kraft, denn nur gemeinsam fühlen sie sich stark. Die Polizei in Chile geht brutal und ohne Rücksicht auf Verluste gegen die Demonstrierenden vor. Schon etliche Mitstreiter*innen von Rayen haben bei den Protesten ihre Gesundheit eingebüßt und manchmal mehr als nur ein Auge verloren. Pepper musste Hongkong inzwischen verlassen, um einer Haftstrafe zu entgehen. Es belastet sie sehr, dass das Ziel der Demonstrierenden nicht erreicht wurde und daher offenbar alles umsonst war. Und selbst wenn Hilda nie so unmittelbar mit ihrem Leben bedroht ist wie die beiden anderen Frauen, bekommt sie hautnah mit, dass viele ihrer Mitmenschen vom Klimawandel in ihrer Existenz bedroht oder an den Folgen bereits gestorben sind.

Die freimütigen und offenen Statements der drei Frauen sind auch ein klarer Beleg dafür, dass die Filmcrew ein großes Vertrauensverhältnis zu ihnen aufbauen konnte. Dieser Faktor dürfte die kleine Auswahl der Protagonistinnen stark beeinflusst haben. Diese Offenheit macht die wesentliche Stärke des Films aus. In Bezug auf die politischen Hintergründe liefert er allerdings nur Momentaufnahmen, die von aktuellen Nachrichten und Krisenherden und nicht zuletzt durch die Covid 19-Pandemie längst überholt sind. Was dennoch bleibt, sind drei spannende Einzelporträts und die Anerkennung des Engagements der Jugendlichen für eine bessere Zukunft.

Holger Twele

© Camino
14+
Dokumentarfilm

Dear Future Children - Deutschland, Österreich, Großbritannien 2021, Regie: Franz Böhm, Kinostart: 14.10.2021, FSK: ab 12, Empfehlung: ab 14 Jahren, Laufzeit: 89 Min. Buch: Franz Böhm. Kamera: Friedemann Leis. Musik: Hannes Bieber, Leonard Küßner. Schnitt: Daniela Schramm, Moura. Produktion: Nightrunner Productions, Schubert Film. Verleih: Camino Filmverleih. Mitwirkende: Rayen, Hilda, Pepper u. a.

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