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Catweazle

Im Kino: Nix geht? Von wegen. Die Adaption der britischen Serie ist überraschend frisch erzählt. Und Otto ist eigentlich nur eine Nebenfigur.

Es beginnt stilecht im düsteren Mittelalter-Ambiente des Jahres 1020. Von Ferne grüßt „Der Herr der Ringe“, wenn ein unterwürfiger Hofmarschall wie Grima Schlangenzunge seinem Fürsten schmeichelt, bevor sogar ein Hauch „Krieg der Sterne“ durch das Burggemäuer weht: „Bringt mir den Magier, ich will ihn mir zu eigen machen!“, befiehlt der Fürst, und der erscheint wie Jedi-Ritter Luke Skywalker in einer ihn geheimnisvoll verhüllenden Mönchskutte. Dann gibt er sich zu erkennen: Er heiße Catweazle und sei der Letzte seiner Zunft, der sich Menschen mit seinem magischen Blick gefügig machen könne – was ihm dann aber leider nicht allzu überzeugend gelingt. Der magere alte Mann ist eher tollpatschig, und schnell erkennt der Fürst, dass Catweazle wohl doch kein Licht aus dem Nichts erschaffen kann. Catweazle flüchtet und springt von der hohen Burgzinne, wobei ihm unvermutet ein riesiger Zeitsprung glückt. 1000 Jahre später landet er in unserer Gegenwart, die ihm schnell äußerst fremd vorkommt.

Auch der zwölfjährige Benny staunt nicht schlecht. Zunächst bekommt er gar nicht mit, dass mitten im nächtlichen Wald, in dem er mit seinem Vater Robert ein verirrtes Tier sucht, etwas „abgestürzt“ ist – ähnlich wie einst der Außerirdische E.T. Immerhin aber findet Benny Catweazles Zauberkristallstab Anawandur, den er ahnungslos im Internet zum Verkauf anbietet. Catweazle wiederum begibt sich mit seiner geliebten Kröte Kühlwalda auf die Suche nach Anawandur, die ihn zum idyllisch am Waldrand gelegenen Haus führt, in dem Benny nach dem Tod seiner Mutter mit Robert wohnt. Unverhofft stehen sich Benny und Catweazle im Keller gegenüber. Zuvor war der Magier noch gegen eine Glasscheibe gestoßen und hatte vermutet, dass die vermeintliche Bestie, die er verfolgt, einen unsichtbaren Schutzwall um seine Behausung errichtet habe. Dass Benny jetzt mit einem „Elektrik-Trick“ das Kellerlicht an- und ausschaltet, versetzt ihn in ehrfürchtiges Staunen: Der Junge hat die Sonne in ein Glas gebannt!

Catweazle, den verschrobenen Alten mit Ziegenbart und zerzausten Haaren, gab es schon vor 50 Jahren in einer berühmten Fernsehserie aus England. Die machte sich mit hintergründigem, typisch britischem Humor über Fortschritte und Auswüchse der modernen Zivilisation des Jahres 1970 lustig, der sie den wortwörtlich aus der Zeit gefallenen Sonderling mit all seinen Schrullen pointiert entgegenstellte. Jetzt spielt den mittelalterlichen Magier Blödel-Komiker Otto Waalkes, und tatsächlich sind die Ähnlichkeiten zwischen ihm und dem früheren, von Geoffrey Bayldon gespielten Catweazle verblüffend. Otto verkörpert Catweazle als sanften, unbedarften und fast kindlichen Einzelgänger, der gar nicht richtig zaubern kann. Lediglich bei einigen Blödeleien „Marke Otto“ reizt seine Erscheinung zum lauten Lachen, ansonsten lädt sie eher zum freundlichen Schmunzeln ein.

Eigentlich ist der grundsympathische Otto-Catweazle ohnehin eher eine Nebenfigur, der selbst Kröte Kühlwalda öfters die Schau stiehlt. Vor allem geht es um Benny, der seine verstorbene Mutter schmerzlich vermisst und um das Vertrauen seines Vaters kämpft. In Catweazle findet er endlich einen ersehnten Freund, um den er sich kümmern darf, während sich sein Vater ein Stück weit von ihm zurückgezogen hat und Benny nicht sonderlich ernstzunehmen scheint. Catweazle wiederum braucht Benny, um heil durch die Gegenwart der „kleinen Eisendrachen“ (Autos), „wohlig warmen Quellen“ (Badewanne) und der „unheilverkündenden Runen“ (Ampeln) zu kommen.

All dies wird als eingängig-vertraute, gleichwohl überraschend frisch erzählte Familienunterhaltung serviert. Mit Katja Riemann als böser Auktionshaus- Agentin Frau Metzler bekommen Benny und seine Verbündeten eine prächtig fiese Gegenspielerin, und immer dann verdichtet sich der Film zu besonders schönen (Slapstick-)Momenten, wenn sich das Duo Benny/Catweazle erfolgreich gegen verschiedene Formen des Scheiterns wehrt. Dabei wird einer von Catweazles Lieblingssprüchen zum roten Faden: „Nix geht“, sagt er oft leicht melancholisch, was am Ende dann aber doch nicht immer stimmt. Denn schließlich wird Catweazle doch noch zum Magier, der Licht aus dem Nichts erschaffen kann. Zumindest solange die Batterien halten.

Horst Peter Koll

© Tobis
8+
Spielfilm

Catweazle - Deutschland 2021, Regie: Sven Unterwaldt, Kinostart: 01.07.2021, FSK: ab 0, Empfehlung: ab 8 Jahren, Laufzeit: 96 Min. Buch: Otto Waalkes, Bernd Eilert, Claudius Pläging, Sven Unterwaldt, nach der gleichnamigen englischen Fernsehserie von Richard Carpenter. Kamera: Bernhard Jasper. Musik: Philipp Moll. Schnitt: Zaz Montana. Produktion: Tobis/Watt Film. Verleih: Tobis. Darsteller*innen: Otto Waalkes (Catweazle), Julius Weckauf (Benny Lenz), Katja Riemann (Dr. Katharina Metzler), Henning Baum (Robert Lenz, Bennys Vater), Gloria Terzic (Lisa Trautmann), Milan Peschel (Hofmarschall) u. a.

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