Fine young men
Im Kino: Was als zarte Annäherung beginnt, mündet in einer Spirale aus toxischen Männlichkeiten und Gewalt. Ein Film, der schmerzt und nachhallt.
Nach einem Austauschjahr in den USA kehrt Teenager Alf in seine mexikanische Heimat zurück, um seine Laufbahn an seiner alten Schule, einer katholischen Privatschule für Mexikos Eliten, zu beenden. Zunächst sehnt er sich in die USA zurück, weil er seine Homosexualität dort frei(er) leben konnte, während er sich zu Hause verstecken muss. Doch dann lernt er den neuen Schüler Oliver kennen; der sensible junge Mann, der Gitarre spielt und singt, hat es Alf sofort angetan. Und auch Oliver ist sichtlich interessiert daran, Alf besser kennenzulernen. Im Verlauf mehrerer Treffen, bei denen auch Olivers unkonventionelle Cousine Diana oft mit von der Partie ist, entsteht eine zarte Freundschaft, die sich von Anfang an aber auch gegen Anfeindungen wehren muss. Alfs alte Clique um Laker, Borja und Pero – allesamt junge Männer aus guten Häusern – kann mit Oliver nämlich so gar nichts anfangen. Ihre Witze über seinen neuen Freund wechseln in schwindelerregender Weise zwischen ausgesprochener Homofeindlichkeit und der etwas verblüffenden Aussage, es sei schon okay, Männer zu küssen, solange Alf auch weiterhin Frauen küsst.
Davon ab haben die jungen Männer vor allem Party im Sinn, wovon auch Alf sich immer mehr mitreißen lässt. In einer ebensolchen, alkoholdurchtränkten Nacht schaukeln sich die verschiedenen Dynamiken hoch, bis es zu einem fürchterlichen Verbrechen kommt. Alf und seine Freunde kommen zwar ungeschoren davon, aber die Beziehung zu Oliver wird durch das Ereignis zerstört. Zurück bleibt Alf, der einsam und verbittert in eine rosige Zukunft blickt.
„Fine Young Men“ ist ein unbequemer, unangenehmer Film, der es sich und seinem Publikum nicht leicht macht. Was wie ein geläufiges Melodrama über Erwachsenwerden und die erste Liebe beginnt, entwickelt sich im Verlauf zu einer schonungslos inszenierten Abwärtsspirale toxischer Männlichkeiten und misogyner Gewalt. Gedreht in gedeckten Farben und einer ruhigen Hand an der Kamera, passieren viele Interaktionen über Blicke, die nicht zu Worten werden. Auch dies symptomatisch für die dysfunktionalen Verhältnisse, die die Katastrophe am Ende ermöglicht haben. Die erschreckend hohen Zahlen an Frauenmorden in Mexiko (und überall) kommen immer wieder durch Radio- und Fernsehbeiträge zur Sprache und geben so die letzte Eskalationsstufe einer Dynamik vor, die auch der Film bis zu ihrem bitteren Ende durchexerzieren wird.
Diese Geschichte aus der Sicht eines schwulen Teenagers zu erzählen, schmerzt besonders, denn während Alfs Entscheidungen durchaus Verachtung erzeugen, ist seine Situation gleichzeitig mitleiderregend. In einer von heteronormativen Männerbünden regierten Welt kann Alf nur so lange sicher sein, wie er sein wahres Ich hinter einer Mauer aus Lügen versteckt, wo er wie eine Pflanze ohne Sonnenlicht verkümmern und verwelken wird. „Fine Young Men“ ist wahrlich keine ‚Heldenreise‘, sondern eine ausgemachte Tragödie. Hier gab es von Anfang an nur Opfer und Täter, keine Held*innen. Ein schwerer Stoff – und ein wichtiger Film, der viel zu sagen hat.
Len Klapdor
Hombres íntegros - Frankreich, Mexiko, Spanien 2024, Regie: Alejandro Andrade Pease, Kinostart: 09.10.2025, FSK: ab 16, Empfehlung: ab 16 Jahren, Laufzeit: 90 Min., Buch: Alejandro Andrade Pease, Armando López Muñoz, Kamera: César Gutíerrez Miranda, Musik: Christina Rosenvinge, Schnitt: Alejandro Andrade, David Montoro, Martha Poly Vil, Produktion: Pisito Trece Producciones, Verleih: Cinemien, Besetzung: Andrés Revo (Alf), Joaquín Emanuel (Oliver), Arianna Hermosilla (Diana), Emilio Puente (Laker), Hector Kuri Hernández (Borja) u.a.
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