Beautiful Boy
Auf Amazon Prime: Tatsachendrama um die Beziehung zwischen einem drogensüchtigen jungen Mann und seinem fürsorglichen Vater.
Noch bevor er durch die Science-Fiction-Epen „Dune“ (Denis Villeneuve, 2021) und „Dune: Part Two“ (Denis Villeneuve, 2024) zu einem der gefragtesten Hollywood-Stars avancierte, stellte Timothée Chalamet sein Können in einigen „kleineren“ Filmen unter Beweis. Für seine starke Darbietung in der queeren Romanze „Call Me by Your Name“ (Luca Guadagnino, 2017) erhielt er unter anderem eine Oscar-Nominierung. Sein Talent, besonders sensible, verletzliche Figuren zum Leben zu erwecken, demonstrierte der gebürtige New Yorker auch in „Beautiful Boy“.
Basierend auf den beiden Erlebnisberichten von Nic und David Sheff schildert das Tatsachendrama den jahrelangen Kampf eines jungen Mannes gegen seine Drogenabhängigkeit und die kräftezehrende Unterstützung durch seinen Vater. Im Gegensatz zu vielen anderen Geschichten aus der Suchthölle spielt dieser Film nicht in prekären Verhältnissen, sondern in einem liberalen, finanziell abgesicherten Umfeld: David Sheff arbeitet als Autor für die New York Times und lebt mit seiner zweiten Gattin Karen, ihren gemeinsamen Kindern Jasper und Daisy sowie Nic, seinem Sohn aus erster Ehe, in einem schicken Eigenheim. Materieller Wohlstand schützt jedoch keineswegs vor familiären Sorgen. Schon früh experimentiert der kreativ veranlagte Nic mit unterschiedlichen Rauschmitteln, darunter dem hochgefährlichen Crystal Meth. Obwohl er sich immer wieder zu Entzugstherapien durchringt, bleiben die Drogen ständige Begleiter.
In seiner ersten englischsprachigen Regiearbeit, die immer wieder zwischen den Zeiten wechselt und episodisch erzählt ist, legt der Belgier Felix Van Groeningen sein Augenmerk vor allem darauf, den Teufelskreis zu illustrieren. Anders als in der klassischen Hollywood-Dramaturgie, die eine klare Entwicklung anstrebt, kommt „Beautiful Boy“ häufig nicht vom Fleck beziehungsweise kehrt an Punkte zurück, die Nic eigentlich überwunden zu haben glaubt.
Gerade dieser Wiederholungscharakter unterstreicht, wie viel Kraft es braucht, sich erfolgreich gegen eine jahrelange Abhängigkeit zu stemmen. Trotz familiärer Hilfe erleidet Nic Rückfälle, die immer stärker an seinen engsten Vertrauten, allen voran seinem Vater, nagen. Der Wille, den eigenen Sohn nicht fallen zu lassen, mag noch so groß sein. Mit jedem neuen Drogenexzess schwindet ein weiteres Stück Hoffnung. Auch für Angehörige ist das Ringen mit der Abstinenz ein aufreibendes Wechselbad der Gefühle – das stellt der Film deutlich heraus.
Intensität entwickelt „Beautiful Boy“ besonders durch das Zusammenspiel der Hauptdarsteller. Timothée Chalamet verleiht dem jungen Protagonisten, obschon dessen Innenleben manchmal etwas undurchsichtig bleibt, eine unter die Haut gehende Fragilität. Steve Carell, den man eher mit komödiantischen Stoffen verbindet, gibt den sich sorgenden, langsam verzweifelnden Vater mit großem Gespür für Nuancen. Aus den vielen gemeinsamen Szenen setzt sich das Bild einer komplexen Vater-Sohn-Beziehung zusammen, die den Film bis zum Ende trägt. Schönheitsfehler wie ein etwas aufdringlicher Musikeinsatz lassen sich da leicht verschmerzen.
Christopher Diekhaus
USA 2018, Regie: Felix Van Groeningen, Homevideostart: 05.06.2025, FSK: ab 12, Empfehlung: ab 15 Jahren, Laufzeit: 120 Min., Buch: Felix Van Groeningen, Luke Davies, Kamera: Ruben Impens, Musik: keine Angaben, Ton: Ulrika Akander, Schnitt: Nico Leunen, Produktion: Brad Pitt, Dede Gardner, Jeremy Kleiner, Verleih: EuroVideo, Besetzung: Timothée Chalamet (Nic Sheff), Steve Carell (David Sheff), Maura Tierney (Karen Barbour-Sheff), Christian Convery (Jasper Sheff), Kaitlyn Dever (Lauren) u. a.
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