Boarders ‒ Welcome to St. Gilbert's (Staffel 1)
ZDF-Mediathek: Plötzlich unter weißen Rich Kids! Fünf Jugendliche wechseln aufs Elite-Internat und bringen alle dazu, über sich hinauszuwachsen.
Den angeschlagenen Ruf mit fadenscheinigen Diversity-Bemühungen aufpolieren? Keine gute Idee. Das Elite-Internat St. Gilbert’s braucht dringend eine Erfolgsstory, nachdem ein Video öffentlich geworden ist, in dem mehrere Schüler einen Obdachlosen drangsalieren und erniedrigen. Also vergibt Schulleiter Bernard über eine Wohltätigkeitsaktion fünf Stipendien an schwarze Jugendliche „aus benachteiligten Verhältnissen“. Und der Londoner Streetworker und Leiter einer Wohltätigkeitsorganisation Gus ist gerne bereit, bei diesem Spiel mitzuspielen, wenn er dadurch fünf seiner talentiertesten Schützlinge eine Ausbildung verschaffen kann, die sonst nur sehr wohlhabenden Familien vorbehalten ist.
Doch für Jaheim, Leah, Omar, Toby und Femi bedeutet der Schulwechsel nicht nur Chance, sondern auch Bürde: Denn dass sie hier beileibe nicht von allen mit offenen Armen empfangen werden, wird schon am ersten Tag deutlich. Von kritischen Blicken über unangebrachte Kommentare bis hin zu direkter Feindseligkeit ist alles dabei – insbesondere von Rupert, ebenjenem Schüler, der den Übergriff auf den Obdachlosen angeführt und es nun voll auf Jaheim abgesehen hat. Dass zur feierlichen Selbstinszenierung der Schule außerdem ein Gemälde gehört, das den Kolonialismus verherrlicht, ist vor allem Leah ein Dorn im Auge, die sich als leidenschaftliche Aktivistin für die Belange der Black Community einsetzt. Hier aber zunächst kaum Unterstützung bekommt. Zeichentalent Omar begibt sich währenddessen auf die Fährte eines legendären Geheimbunds, weil ein großer Comic-Zeichner hier einst Mitglied war. Femi hält sich bewusst von den anderen fern, um Ärger zu vermeiden und seinen Notendurchschnitt nicht zu gefährden. Doch mit seinen neuen Zimmerkameraden erwartet ihn so manch andere Eskapade – nackt durch die Schule rennen inklusive. Auch Toby ist mit großen Ambitionen hierhergekommen: Mädels beeindrucken und Money machen, indem er den Rich Kids gefakte Sneaker verkauft. Nur, dass das nicht wie erwartet funktioniert und er stattdessen von allen nach Drogen gefragt wird.
Damit bewegen wir uns dann auch schon in gängigen Klischees, die „Boarders“ gleichermaßen bedient wie durcheinanderwirbelt – und das auf beiden Seiten. Unter neuen Voraussetzungen funktioniert bewährtes Verhalten nämlich nicht mehr: Geld und Einfluss lösen längst nicht alle Probleme, ebenso wenig wie der Anruf bei den Gang-Kollegen, um sich am neuen Erzfeind zu rächen. Deshalb müssen die Schüler*innen plötzlich neue Seiten von sich zeigen und lernen sich dabei selbst besser kennen – was beim Zuschauen richtig Spaß macht!
Das etablierte Prinzip des Milieu-Clashs an der Privatschule kennen wir vor allem aus der spanischen Serie „Élite“. Der Einstieg in die Story ist hier etwas härter, wirkt aber insgesamt leichtfüßig, da „Boarders“ eine gute Balance zwischen (gemäßigtem) Klassenkampf und dem üblichen Highschool-Wahnsinn gelingt. Nachdem sich unsere fünf Held*innen erstmal akklimatisiert haben, zeigen sie in mitunter abstrusen Abenteuern wie einer groß aufgezogen Paintball-Jagd im Wald, bei Roboter-Wettkämpfen oder eben beim nackten Wettlauf durch die ganze Schule, dass sie unglaublich smart sind – und es nicht wie einige andere nötig haben, sich die guten Noten quasi aus dem Internet zu kaufen. Sie erfahren nach und nach, dass sie nicht die einzigen sind, die hier um ihren Platz fürchten müssen, wenn Dinge nicht wie gewollt laufen. Und dass Geld noch lange nicht vor schlechten Eltern schützt. Vor allem aber erkennen sie, dass es für alle an der Schule noch jede Menge zu lernen gibt – auch außerhalb des Unterrichts. Dass die fünf bei all dem Struggle und ständigen Streitereien untereinander doch immer aufeinander zählen können, macht das Abenteuer zumindest ein wenig leichter. Zumal sich im Verlauf der Serie noch ein paar weitere wundervolle Menschen dazugesellen, die vielleicht anfangs etwas nerven, aber überraschend schnell ins Herz geschlossen werden.
Zwar macht es sich „Boarders“ stellenweise ein bisschen einfach, die gesellschaftskritischen Ansätze wirken mitunter romantisiert und zurechtgebogen. Aber warum auch nicht? Die Message kommt gut rüber, wir sind schnell drin und die Serie hat einen schönen Sinn für Humor. Es ist einfach wohltuend, dabei zuzusehen, wie alle über sich hinauswachsen und allmählich den Platz einnehmen, der wirklich zu ihnen passt.
Marius Hanke
Großbritannien 2024, Serien-Idee: Daniel Lawrence Taylor, Regie: Ethosheia Hylton, Sarmad Masud, Homevideostart: 16.05.2025, FSK: ab 12, Empfehlung: ab 14 Jahren, Laufzeit: 6 Episoden à 45 bis 47 Min., Buch: Daniel Lawrence Taylor, Emma Dennis-Edwards, Ryan Calais Cameron, Yemi Oyefuwa, Verleih: Studio Lambert, BBC Three, Besetzung: Josh Tedeku (Jaheim), Jodie Campbell (Leah), Myles Kamwendo (Omar), Aruna Jalloh (Femi), Sekou Diaby (Gus), Daniel Lawrence Taylor (Gus), Derek Riddell (Bernard), Harry Gilby (Rupert) u. a.
Altersempfehlung 14-18 Jahre
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» Wednesday (Staffel 2, Teil 1 & 2)
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