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Zodi und Tehu, Brüder der Wüste

Entdeckt beim „Schlingel“: Eine ungewöhnlicher Tierfreundschaft – zwischen einem Jungen und einem Dromedar.

Die Freundschaft zwischen Mensch und Tier hat gerade im Bereich des Kinderfilms eine lange Tradition. Bei den Jungen sind es überwiegend Hunde („Lassie“), bei den Mädchen vorwiegend Pferde („Ostwind“, „Ponyherz“), die solchen Beziehungen immer Entdeckt beim „Schlingel“: Eine ungewöhnlicher Tierfreundschaft – zwischen einem Jungen und einem Dromedar.wieder neue Facetten und Abenteuergeschichten hinzufügen. Filme über den westeuropäischen Tellerrand hinaus gestatten auch schon mal Einblicke in andere Kulturen und Lebensweisen – und dann darf es gar ein skandinavischer Wolf oder ein mongolisches Kamel sein. Dromedare wie Tehu hingegen besitzen im Kinderfilmbereich noch Seltenheitswert – und die Dromedar-Rennen in Abu Dhabi, die ganz ohne Reiter ausgetragen werden, haben bislang sicher nur wenige Eingeweihte gehört und gesehen. Das könnte sich durch den französischen Film „Zodi & Tehu“ von Eric Barbier ändern, der zunächst in der Wüste von Marokko angesiedelt ist.

Der Nomadenjunge Zodi von einem Stamm der Berber wächst nach dem Tod des Vaters allein bei seiner Mutter auf. Eines Tages entdeckt Zodi in der Wüste ein verwaistes Dromedar-Fohlen. Das Muttertier wurde kurz zuvor von Wilderern getötet, aber das erfährt das Publikum nur aus dem Off durch einen Schuss. Zodi möchte sich um das Jungtier kümmern, das ein weißes Fell besitzt und eine unverwechselbare dunkle Stelle rund um das linke Auge. Er schließt es sofort in sein Herz, nennt es Tehu und versteckt es über Nacht im Zelt der Mutter. Diese ist davon alles andere als begeistert und da Tehu ziemlich eigenwillig ist und lautstark nach dem Muttertier ruft, entscheidet der Stammesführer, dass es in einiger Entfernung von den Behausungen des Stammes untergebracht werden muss. Letztlich ein großes Glück für Zodi und Tehu, denn die Dromedarherde des Stammes erkrankt an einer für Mensch und Tier lebensgefährlichen Seuche und muss getötet werden. Nur Tehu ist aufgrund seiner Separation davon nicht betroffen. Mit dem Verlust der Herde ist die Lebensgrundlage der Berber verloren gegangen. Daher verkaufen sie für das dringend benötigte Geld Tehu ausgerechnet an den Wilderer, der auch schon das Muttertier auf dem Gewissen hat. Da sich zuvor herausgestellt hat, dass Tehu so schnell rennen kann wie kaum ein anderes Dromedar, will der Wilderer mit dem Tier ein großes Geschäft machen. Zodi gelingt es allerdings, mit Tehu zu fliehen. Er macht sich auf den weiten Weg von Marokko nach Abu Dhabi, denn er hat gelesen, dass dort das größte Dromedar-Rennen der Welt stattfindet. Um seinem Stamm zu helfen, möchte Zodi bei diesem Rennen mitmachen und das hohe Preisgeld einstreichen. Nur, wie schafft es ein kleiner Junge wie er mit einem so großen Tier, über tausende Kilometer hinweg unbemerkt dorthin zu kommen, zumal auch der Wilderer ihm dicht auf den Fersen bleibt? Das geht natürlich nur mit einer riesigen Portion Glück und der Hilfe von guten Freund*innen, insbesondere einer französischen Tierärztin.

„Zodi und Tehur“ ist eine wahrhaft „verrückte“ Geschichte voller Spannung, die so nur im Kino möglich ist und voll auf die Konventionen und Regeln des Genre-Kinos setzt. Nach rein logischen Gesichtspunkten ist die Story in vielen Details völlig unglaubwürdig, was den Unterhaltungswert für Jung und Alt und die ungeteilte Empathie für Zodi und Tehu jedoch in keiner Weise schmälert. Eingebettet in eine grandiose und teils unberührt wirkende Naturlandschaft, die auf der großen Leinwand besonders stark zur Geltung kommt, entfaltet der Film seine Magie wie in einem Märchen aus „Tausendundeine Nacht“. Diese märchenhaften Elemente bedeuten jedoch nicht, dass die Geschichte völlig losgelöst von der Realität wäre. Im Detail wurde sehr darauf geachtet, dass das Leben der Nomad*innen in Marokko möglichst unverfälscht dargestellt wird. Es handelt sich um echte Berberfamilien aus der Region von Quarzazate, die bereit waren, am Film mitzuwirken und die mitsamt der Tiere während der Dreharbeiten in den Filmkulissen lebten und dort schliefen. Yassir Drief, der Darsteller des kleinen Zodi, wurde allerdings in Belgien gecasted. Er hatte bisher gerade mal ein Pferd geritten und nur fünf Tage Zeit, sich mit Tehu anzufreunden. Alexandra Lamy als Tierärztin und Dromedar-Expertin ist eine bekannte französische Theater- und Filmschauspielerin.

Auch wenn offenbar einige Szenen des Films mit dem jungen Dromedar digital nachbearbeitet worden sind, handelt es sich um ein echtes weißes Dromedar, beziehungsweise um zwei ähnliche Tiere, die nach langer Suche in der Nähe von Mauretanien gefunden wurden. Lediglich der schwarze Fleck um das linke Auge wurde mit schwarzer Farbe aufgemalt, um den Kindern auf diese Weise ein unverwechselbares Merkmal anzubieten, mit dem sie Tehu auf den ersten Blick erkennen konnten. Und natürlich finden in Abu Dhabi und in anderen arabischen Emiraten auch solche Kamelrennen statt. Früher wurden die Tiere bei diesen Rennen von Kindern überwiegend aus armen sozialen Schichten geritten. Nach heftigen internationalen Protesten ging man dazu über, sie durch ferngesteuerte Jockey-Roboter zu ersetzen, genauso wie es der Film zeigt.

Wie stark der Film vor allem ein junges Publikum anspricht und sogar kommerzielles Potenzial hat, zeigte sich beim „Schlingel“ 2023. Dort erhielt er den Preis der (deutschen) Kinderjury und eine Lobende Erwähnung der Europäischen Kinderjury.

Holger Twele

Diese Kritik entstand anlässlich der Aufführung von „Zodi und Tehu“ beim „Schlingel“ 2023.

© IFF Schlingel, Sife Elamine
10+
Spielfilm

Zodi & Téhu, frères du désert - Frankreich 2023, Regie: Eric Barbier, Festivalstart: 25.09.2023, FSK: keine FSK-Prüfung, Empfehlung: ab 10 Jahren, Laufzeit: 110 Min. Buch: Eric Barbier, Jennifer Devoldère. Kamera: Thierry Arbogast. Musik: Mika. Schnitt: Jennifer Augé. Produktion: Vertigo Productions, (Société Nouvelle de Distribution) (SND), M6 Films. Verleih: offen. Darsteller*innen: Yassir Drief (Zodi), Alexandra Lamy (Julia), Youssef Hajdi (Tarek), Nadia Benzakour (Amina), Said Bey (Abdallah) u. a.

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