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Solan und Ludvig – Auf zum Mond

Entdeckt bei der Berlinale (Generation): Das dritte Kinoabenteuer um eine angeberische Elster und einen ängstlichen Igel.

Gerade feierte das dritte Puppentrick-Abenteuer mit Solan und Ludvig in der Reihe Generation Kplus der Berlinale seine Premiere. Bei uns sind die beiden ungleichen Freunde vor allem unter dem Namen „Louis & Luca“ bekannt.

Die Elster Louis und der Igel Luca leben zusammen mit dem genialen Erfinder Alfie in einer kleinen Hütte auf einem Hügel in dem abgelegenen Ort Flåklypa. Alfie, der in seiner Scheune in „Louis & Luca und die Schneemaschine“ (2013) die gigantische titelgebende Maschine und in „Louis & Luca und das große Käserennen“ (2015) ein ungewöhnliches Flugmodell konstruiert hat, baut dieses Mal eine Rakete, die tatsächlich zum Mond fliegt. Obwohl in allen Filmen der norwegischen Filmreihe hanebüchene Erfindungen eine wichtige Rolle spielen, ist Alfie nie die treibende Kraft hinter diesen. Immer sind es äußere Umstände, die ihn zum Konstruieren drängen – wie nun etwa der etwas eitle und prahlerische Louis, der unbedingt die Mondmission erfüllen will und dafür Sponsoren auftreibt. Diese bauen dem verblüfften Alfie ruckzuck eine Raketenstartbahn in den Garten, und natürlich ist sein Forscher-und Ingenieurgeist bei einem derart gut durchfinanzierten Projekt geweckt. Die kleine Modell-Rakete LaPollo 0 stand sowieso schon startklar auf der Werkbank in seiner Werkstatt. Nun baut er eben die LaPollo1 als große flugstarke Rakete.

Als perfekt eingespieltes Team wohnen die drei Freunde in einer anachronistischen, liebenswert ausgestatteten Puppenstubenwelt, angefangen beim alten Schnurtelefon über Röhrenfernseher und Plumpsklo im Hof bis zu Alfies Erfindung der Kanne, die selbstständig Kaffee ausgießen kann. Ist die Elster ziemlich extrovertiert, so ist der Igel deren genaues Gegenteil: ein furchtsamer Zeitgenosse, der Angst hat, im Dunkeln zum Plumpsklo über den Hof zu gehen – für einen Igel wahrlich eine verkehrte Welt. Dass er sich überhaupt an Bord der Rakete befindet, ist einem Zufall geschuldet. Darum ist es umso bemerkenswerter, dass immer der Igel Luca die Katastrophe am Ende abwendet und seine Umsicht und manische Vorsicht schließlich in tatkräftige Konsequenz umschlagen.

Zum 50. Jubiläum der Mondlandung kommt der erneut unter der Regie von Rasmus A. Sivertsen entstandene Animationsfilm genau zur richtigen Zeit und versorgt uns mit nostalgischen Bildern, die jungen Zuschauer*innen viel von der damaligen Begeisterung um die Apollo 11-Mission vermitteln und bei älteren Zuschauer*innen eigene Erinnerung an die Apollo-Landung wecken. Mit zahlreichen Filmzitaten, die als Puppenanimation grandios skurril wirken, werden die großen Weltraumfilme zitiert, allen voran „2001 – Odyssee im Weltall“ (Stanley Kubrick, 1968). Auch hier spielt ein Gorilla mit, der im Gegensatz zu Elster und Igel nicht sprechen kann, aber hoch über seinem Kopf einen Gegenstand schwenkt, der in dieser Geschichte seine Kumpane rettet. Zum Walzer von Johann Strauß gleitet die LaPollo1 durchs All und auf dem Rückweg verglüht sie beinahe, was uns an den James Bond-Film „Moonraker“ (Lewis Gilbert, 1979) denken lässt. Es macht nichts, wenn Kinder diese Verweise nicht erkennen; die Referenzfilme sind so präsent, dass der Regisseur gar nicht umhin kam, sich an ihnen abzuarbeiten.

Gleichzeitig aber gelingt es Sivertsen, den Blick auch auf die kleinen Dinge des Lebens zu lenken, und zwar nicht nur, wenn die Astronauten am Rand eines Mondkraters sitzen und über das Ende des Lebens nachdenken. Als Louis seinen Igel-Freund aus einer gefährlichen Situation retten muss, denkt er auch noch daran, dessen grünen Hut nicht im All verschwinden zu lassen – denn auch der ist eine Rettung wert, weil er zu Luca gehört wie der Mond zur Erde.

All die sympathischen wie unsympathischen Figuren aus den ersten beiden Filmen tauchen auch hier wieder auf. Man hat sie bereits richtig ins Herz geschlossen, auch wenn sie für so manches Unbill in den früheren Geschichten zuständig waren. So macht der aktuelle „Louis & Luca“-Film dank der Detailversessenheit der Filmmacher*innen, die jedes einzelne Bild in kuriosen Settings entwerfen und auch noch jeder Nebenrolle wahren Charakter einhauchen, wieder großen Spaß.

Katrin Hoffmann

© Maipo Films/Berlinale
6+

Månelyst i Flåklypa - Norwegen 2018, Regie: Rasmus A. Sivertsen, Festivalstart: 09.02.2019, FSK: ab , Empfehlung: ab 6 Jahren, Laufzeit: 80 Min., Buch: Karsten Fullu, Kamera: Morten Skallerud, Janne K. Hansen, Musik: Knut Avenstroup Haugen, Produktion: Cornelia Boysen

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