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Sing a Bit of Harmony

Im Kino: Fünf Freunde und eine singende KI in einem Anime über Glück.

Shion ist wirklich außergewöhnlich. Erst verdreht die neue Mitschülerin den Jungen in der Klasse den Kopf, dann stellt sie sich vor Satomi, fragt sie frei heraus, ob sie gerade glücklich ist – und fängt dann einfach an, ein Lied über Glück zu singen. Irgendwie peinlich ist das. Aber auch irgendwie lustig. Wer ist dieses Mädchen?

Während ihre Mitschüler noch unschlüssig sind, was sie von der Neuen halten sollen, hat Satomi bereits eine Ahnung. Am Morgen hatte sie zufällig einen Blick in den Kalender ihrer Mutter geworfen, die als Entwicklerin Künstlicher Intelligenzen in einem nahe gelegenen Labor arbeitet, und dabei gesehen, dass ein geheimer Feldtest mit einer humanoiden KI an ihrer Schule geplant ist. Einerseits ist Satomi beeindruckt, was ihre Mutter da wieder geleistet hat. Aber andererseits fürchtet sie auch, dass das Experiment auffliegt und Shion als KI enttarnt wird. Erst recht, wenn sie sich weiter so seltsam benimmt. Schon um ihre Mutter zu schützen, hat Satomi nun eine schwere Aufgabe. Sie muss alles geben, damit niemand merkt, wer Shion wirklich ist. Aber eine versehentliche Notabschaltung durchkreuzt Satomis Plan. Nun wissen ein paar Klassenkameraden von dem Experiment. Doch der IT-Nerd Tomo, ein Sandkastenfreund von Satomi und ihre heimliche große Liebe, der Judoka Thunder, der immer mit einem Roboter trainiert und von seinem ersten Sieg träumt, der coole und beliebte Gocchan, der aber mit sich selbst unzufrieden ist, und dessen arrogante, aber treue Freundin Aya, die die Einzelgängerin Satomi eigentlich nicht leiden kann, lassen sich auf Satomis Bitte ein, das Geheimnis zu wahren. Und bald ist es ausgerechnet die KI, die die unterschiedlichen Klassenkameraden einander näher bringt.

Mit „Patema Inverted‟ hat Yasuhiro Yoshiura 2013 schon einmal einen außergewöhnlichen Science Fiction-Anime gedreht, der spielerisch Grenzen aufgelöst und in eine faszinierende Welt geführt hat. Ging es damals vor allem um die Schwerkraft und das Zusammentreffen zweier junger Menschen unterschiedlicher Herkunft, so ist „Sing a Bit of Harmony‟ eine überraschende Mischung aus Schulfilm, Slice-of-Life, Musical und Cyberpunk, in der die Science-Fiction-Technik den Beziehungen zwischen den Figuren und ihren Gefühlen untergeordnet wird. So verzichtet der Anime weitgehend auf dramatische Szenen oder auch philosophisch-technische Fragen, wie sie etwa in „Ghost in the Shell‟ (1995) von Mamoru Oshii abgehandelt wurden, und bleibt stattdessen ganz nah bei den fünf Jugendlichen, die sich allesamt durch die Begegnung mit Shion verändern, oder beobachtet einfühlsam, wie Satomi und ihre allein erziehende Mutter miteinander umgehen.

Stilistisch schwankt „Sing a Bit of Harmony‟ zwischen Übertreibung und Realismus, zwischen Slapstick und feinem Humor, zwischen Ruhe und großem Pathos in einigen bildgewaltigen Sequenzen. Immer wieder streift der Anime dabei die Frage, was Glück bedeutet. „Ich will dich glücklich machen‟, sagt Shion oft zu Satomi – aber kann ein künstliches Lebewesen, das lediglich einer Programmierung folgt, eine echte Vorstellung davon haben, was Glück oder Freundschaft eigentlich sind? Manchmal blitzt eine überraschende Menschlichkeit in Shion auf, wenn sie zu singen beginnt. Und es gehört zu den großen Szenen dieses Films, wenn er der Geschichte der KI folgt und aufdeckt, unter welchen Umständen diese tatsächlich entstanden ist und welche Absicht mit ihr verbunden war. Letztendlich führt die Geschichte dann eben doch zu den Menschen zurück – und wie sie manchmal durch technische Hilfsmittel eine Möglichkeit finden, das auszudrücken, was ihnen ansonsten nicht gelingt.

Stefan Stiletto

 

© YB,SBHPC
14+
Animation

Japan 2021, Regie: Yasuhiro Yoshiura, Kinostart: 26.07.2022, FSK: ab 6, Empfehlung: ab 14 Jahren, Laufzeit: 108 Min. Buch: Yasuhiro Yoshiura, Ichiro Okouchi. Musik: Ryo Takahashi. Produktion: J.C.Staff. Verleih: Crunchyroll

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