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Wildherz – Auf der Reise zu mir selbst

Zwischen Zweifeln und Abenteuerlust: Eine junge Frau auf der Suche nach sich selbst in einem dokumentarischen Road Movie.

„Freiheit bringt eine Menge an Unklarheiten mit sich“, erkennt die 18-jährige Simone Hage auf ihrer Wanderung nach Dänemark. Im April 2018 hat sie sich zusammen mit ihrer Freundin, ihren beiden Konik-Wildpferden und dem Hund Jack auf den Weg gemacht. An der Nordsee trennen sich die jungen Frauen, Simone geht ihren Weg mit den Tieren allein weiter. Der führt sie nach Dänemark, wo sie ihr Winterquartier auf einem Pferdehof aufschlägt und dort als Praktikantin für Kost und Logis arbeitet. Nach sechs Monaten kehrt sie zu ihren Eltern zurück, nach Aichach, in die Nähe von Augsburg. Im Herbst 2019 geht es wieder auf eine längere Reise. Diesmal nach Spanien, in die Finka der Auswanderin Natalie Kraft. Wieder hilft sie auf dem Hof für Kost und Logis. Und doch ist ihr Glück zweigeteilt, fühlt sie sich zerrissen. Auf der einen Seite ist da der unbändige Drang nach Freiheit und Natur, auf der anderen bewegt sie immer wieder die Frage nach dem Sinn ihres Lebens. Wer bin ich, wer möchte ich sein und was ist meine Aufgabe in dieser Welt?

Zwei Jahre lang, vom Frühjahr 2018 bis zum Sommer 2020, haben die Dokumentarfilmregisseurin Caro Lobig und der Kameramann Timo Lendzion die junge Fotografin und Pferdetrainerin auf ihrer Reise begleitet. Eines ihrer Herzensthemen sind Wildpferde. 2017 entstand der Pferde-Dokumentarfilm „Aus der Liebe zum Mustang“, 2019 brachten sie den Film „Magie der Wildpferde“ ins Kino, in dem es um das besondere Verhältnis von Mensch und Tier geht. „Wildherz“ ist genau genommen ein Spin-off dieses Films. Neben Pferdetrainer*innen und Züchter*innen aus vielen Teilen der Welt waren hier bereits Simone Hage und ihre beiden polnischen Konik-Pferde zu erleben. Nun in „Wildherz‟ geht es weniger um Simones Beziehung zu den Tieren, sondern hauptsächlich um ihre Sehnsucht nach Freiheit und die Suche nach sich selbst. Auf ihrer Reise besucht sie einen spanischen Schamanen und auf Ibiza die moderne Medizinfrau Karen Sailer. Später, während des Corona-Lockdowns, skypet sie mit der bekannten Autorin und „Stimme der neuen Spiritualität“ Bahar Yilmaz.

Zu sehen ist eine starke, immer strahlende junge Frau voller Abenteuerlust und mit unbändiger Liebe zur Natur. Zu hören dagegen ist eine Zweiflerin voller Fragen und Unsicherheiten und manchmal auch eine tieftraurige Person. Denn Simone Hage kommentiert den ganzen Film über ihre Geschichte, spricht offen von ihren Ängsten, ihren Zweifeln, wie aber auch von ihren Wünschen und Träumen. Sie, die behütet aufgewachsen ist, möchte aus ihrer Komfortzone heraus und der Welt etwas geben. Aber bevor sie genau weiß, was sie in der Gesellschaft bewegen will, will sie erst einmal herausfinden, wer sie wirklich ist.

Unter diesem Druck der Selbstverwirklichung scheinen viele „Millennials“ zu stehen. Ähnliche Zweifel bewegen auch die 20-jährige Elsa in dem kurzen Dokumentarfilm „Dazwischen Elsa“ von Katharina Pethke und Christoph Rohrscheidt, der im vergangenen Jahr bei doxs! in Duisburg lief. So wie Elsa findet auch Simone Hage am Schluss als mittlerweile 20-Jährige keine endgültigen Antworten. Aber wie ein Roadmovie nimmt der Film das Publikum mit – auf eine spannende Pferdewanderung wie auch eine „Gedankenreise“.

Barbara Felsmann

© catamaranfilms
14+
Dokumentarfilm

Wildherz – Auf der Reise zu mir selbst - Deutschland 2020, Regie: Caro Lobig, Homevideostart: 06.11.2020, FSK: ab 0, Empfehlung: ab 14 Jahren, Laufzeit: 97 Min. Kamera: Timo Lendzion. Musik: Tobias Bartsch. Schnitt: Timo Lendzion. Produktion: Timo Lendzion, Caro Lobig. Verleih: catamaranfilms. Mitwirkende: Simone Hage, Karen Sailer, Bahar Yilmaz, Natalie Kraft, Nina Schmitz u. a.

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