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Harajuku

Entdeckt bei Lucas: Eine eigenwillige Teenagerin träumt sich ins Tokioter Bahnhofsviertel, bleibt aber doch in der Tristesse ihres Alltags gefangen.

Bahnhofsviertel gelten nicht selten als Problemquartiere, haben aber ihre ganz eigene Faszination. Etwa das Tokioter Viertel Harajuku rund um den gleichnamigen Bahnhof, das als hippe Einkaufsgegend bekannt und auch der Sehnsuchtsort der 15-jährigen Norwegerin Vilde ist. Vilde liebt japanische Comics, hat sich deshalb die Haare blau gefärbt und träumt sich in ihrer Fantasie ganz weit weg nach Japan. Bis sie ihren Traum verwirklichen kann, hängt sie aber mit ihren Freund*innen am Osloer Bahnhof herum, als sei er das Tor zur Welt. Auch an Heiligabend ist sie dort. Obwohl ihre Mutter diesmal sogar einen Weihnachtsbaum gekauft hat, ist Vilde gegangen. Als ihre Mutter sich umbringt, muss Vilde ihren Vater kontaktieren, den sie nicht kennt.

Regisseur Eirik Svensson springt mitten hinein ins Drama. Wir sehen nur zu Beginn eine kurze harmonische Sequenz zwischen Mutter und Tochter und können nicht beurteilen, was den Suizid ausgelöst haben mag. Vilde jedenfalls scheint nicht sehr überrascht. Aber natürlich stürzen trotzdem Chaos und Einsamkeit über sie herein. Ihre Fantasien werden visualisiert durch Animeszenen, die furios Vildes Entschlossenheit zeigen, endlich aus dieser Stadt herauszukommen. Eine Comic-Figur mit blauen Haaren gibt ihr in diesen animierten Szenen ihre Stimme und schwebt über der Stadt wie eine Rächerin. Die Farbatmosphäre der Filmbilder ist sowohl in den Real- als auch in den Animeszenen sehr dezidiert gesetzt, mal ganz in blau getaucht, mal düster, oder in einer verwirrenden Buntheit. Vildes Orientierungslosigkeit spiegelt sich sinnbildlich nicht nur im Kolorit der Bilder, sondern auch in der Unrast der Kamera. Zur Ruhe kommt diese erst, als Vater und Tochter sich in einem Bistro treffen und versuchen, miteinander zu reden. Es ist unmöglich, 15 verlorene Jahre in diesem Gespräch aufzuarbeiten. Aber wir spüren die emotionale Verzweiflung auf beiden Seiten. Und vielleicht gibt es ja doch noch eine Lösung an diesem Weihnachtsabend.

Katrin Hoffmann

Entdeckt bei Lucas 2019 sowie im Kinder- und Jugendprogramm der Nordischen Filmtage 2019

© Maipo Film AS/Norwegian Film Institute
15+
Spielfilm

Harajuku - Norwegen 2018, Regie: Eirik Svensson, Festivalstart: 20.09.2019, FSK: ab , Empfehlung: ab 15 Jahren, Laufzeit: 82 Min. Buch: Sebastian Torngren Wartin. Kamera: Karl Erik Brøndbo. Musik: Fay Wildhagen, Øyvind Mathisen. Schnitt: Karsten Meinich, Elise Solberg. Produktion: Cornelia Boysen. Verleih: offen. Darsteller*innen: Ines Høysæter Asserson (Vilde), Nicolai Cleve Broch (Einar), Ingrid Olava (Marianne), André Sørum (Tormod), Kjærsti Odden Skjeldal (Agnes), Olea J.M. Sæter (Natalie) u. a.

Harajuku - Harajuku -

Altersempfehlung 14-18 Jahre

» Dear Future Children

» Everbody’s Talking About Jamie

» Je suis Karl

» Ein nasser Hund

» Räuberhände

» CODA

» Sommer 85

» Frühling in Paris

» Sweet Tooth

» Shadow Game

» Things We Dare Not Do

» Invincible

» Fighter

» Ninjababy

» Une colonie

» We are who we are

» Moxie. Zeit, zurückzuschlagen

» Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (2021)

» Jugend

» Port Authority

» Stichtag

» Sechzehn Stunden Ewigkeit

» Eighth Grade

» Yes, God, Yes – Böse Mädchen beichten nicht

» Wildherz – Auf der Reise zu mir selbst

» Und morgen die ganze Welt

» Lovecut

» Grand Army

» Zombi Child

» Mein etwas anderer Florida Sommer

» Milla Meets Moses

» Niemals Selten Manchmal Immer

» Futur Drei

» Nackte Tiere

» Mulan (2020)

» Yalda

» Normal People

» Gretel & Hänsel

» All die verdammt perfekten Tage

» Sunburned

» Weathering With You – Das Mädchen, das die Sonne berührte

» I’m no longer here

» Home Before Dark

» Monos – Zwischen Himmel und Hölle

» Away – Vom Finden des Glücks

» Sommerkrieg

» Acasă, My Home

» Scheme Birds

» All Day and a Night

» Children Of The Sea

» Giant Little Ones

» I Am Not Okay With This

» Sweet Thing

» Jumbo

» Notre-Dame du Nil

» Little Women

» Crescendo

» Auerhaus

» Ich habe meinen Körper verloren

» Liz und der blaue Vogel

» Nevrland

» Zwischen uns die Mauer

» Harajuku

» Systemsprenger

» Ein leichtes Mädchen

» Paranza: Der Clan der Kinder

» Don’t Give a Fox

» Stranger Things 3

» Drei Schritte zu dir

» Orangentage

» Roads

» The Sun is also a Star

» mid90s

» The Hate U Give

» Stupid Young Heart

» Der verlorene Sohn

» Rekonstruktion Utøya

» Club der roten Bänder – Wie alles begann

» Raus

» Verlorene

» Yuli

» Mary Shelley

» Mellow Mud

» Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot

» Fünf Dinge, die ich nicht verstehe

» Schwimmen

» Blue My Mind

» Girl

» Schmeißt die Schlampe in den Fluss

» Winterfliegen

» Ava

» Der wilde Planet

» I Kill Giants

» Genesis

» Letztendlich sind wir dem Universum egal

» 303

» Love, Simon

» Your Name