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Alles steht Kopf 2

Im Kino: Riley wird ein Teenager und in ihrem Gehirn bleibt nichts, wie es war – sehr zum Leidwesen ihrer personifizierten Gefühle.

Ein paar Jahre sind vergangen seit dem populären Vorgängerfilm „Alles steht Kopf“. Wieder schauen wir in den Kopf des Mädchens Riley und erleben ihn als Steuerzentrale, in der Personifizierungen widerstreitender Gefühle an der Konsole sitzen und Rileys Verhalten steuern.
Ein Alarm verkündet „Achtung, Pubertät!“ und der worst case tritt ein: Die neuen Gefühle Zweifel, Neid, Peinlich und Ennui übernehmen den Laden. Rileys alte Gefühle Freude, Kummer, Angst, Ekel und Wut sind plötzlich abgeschrieben. Während die alte Riley in der Überzeugung ruhte, ein guter Mensch zu sein und mit sich im Reinen war, stören nun neue Töne ihr Selbstbild. Gerade während eines entscheidenden Eishockeycamps tauscht sie Warmherzigkeit und Loyalität gegen rücksichtsloses Mitläufertum ein, um auf keinen Fall uncool und alleine zu enden.

In ihrem Inneren tobt währenddessen ein erbitterter Kampf ihrer verschiedenen Gefühls-Teams um die Macht in der Schaltzentrale.

Die Prämisse, einen Film im Kopf der Protagonistin spielen zu lassen und dabei ihre Gefühle zu den eigentlichen Hauptfiguren zu machen, bleibt einmalig charmant. An diesem überzeugenden Grundkonzept hält „Alles steht Kopf 2“ konsequenter Weise fest und spielt mit diesem erfolgreichen Rahmen nun das große Thema Pubertät durch. Daher ist der Film vermutlich auch für Pre-Teens oder junge Teenager am spannendsten, die sich mit den Wirrungen des Erwachsenwerdens identifizieren können. Aber der Film schafft es tatsächlich auch, die Erwachsenen abzuholen und sie authentisch daran zu erinnern, wie es war, als man unbedingt beliebt sein wollte.

Dazu tragen die vielen äußerst intelligenten kleinen Pointen bei, wie ein Brainstorm oder ein Safe für innere Geheimnisse sowie endlose Sprachspiele. Hier werden neurologische Vorgänge geschickt in filmische Bilder übersetzt und man fühlt sich stets liebevoll ertappt. Manchmal überholt sich „Alles steht Kopf 2“ allerdings in seinem Bemühen nach intelligenter Tiefe. Dann werden Storyfäden angesichts des Tempos und der Erzählvielfalt aus den Augen verloren - zum Beispiel brechen mehrere Figuren zusammen aus dem Safe aus, aber eine kommt danach nie mehr vor.

Vor allem aber machen die sympathisch und komplex gezeichneten Gefühle den Film zu etwas Besonderen, denen man gerne beim Streiten und aneinander Verzweifeln zusieht. Diese innere Welt ist so lebendig und lustig, dass man die durchaus widersprüchlichen Emotionen in all ihrer Unterschiedlichkeit erleben und nachfühlen kann - das allein ist eine große Leistung.

Dass alle Emotionen letztendlich eine Berechtigung haben, wird am Ende des Films fast etwas zu offensiv deutlich. Generell ist der letzte Teil eher etwas schwächer geraten, da sich anscheinend kein Finale ohne Klischees erzählen ließ und hier die Überraschungen fehlen. Bemüht wirkt der Film auch beim Thema Diversität: Es gibt auffällig verschiedene Hautfarben; allerdings gilt das nur für die Nebenfiguren. So bleibt es beim Ansatz, der mangels Mut leider als bloßer Versuch verpufft. Noch deutlich düsterer sieht es beim Thema Gender aus: Es gibt fast nur starke weibliche Figuren, was quotenmäßig natürlich ein Pluspunkt des Film ist. Nur werden leider die Männer - wenn man mal kurz einen Blick in ihre Köpfe werfen darf - ganz klassisch als gefühllos und stumpf charakterisiert. Hier wünscht man sich für den nächsten Teil noch etwas mehr Feinfühligkeit und dramaturgische Konsequenz.

„Alles steht Kopf 2“ beweist, dass eine Fortsetzung dank neuer charmanter Charaktere und einer soliden Prämisse auf jeden Fall funktionieren kann und unterhält (Pre)-Teens wie Erwachsene auf hohem Niveau. Der Film will viel und schafft es größtenteils auch, seinen hohen Anspruch mit leichten Abstrichen einzulösen.

 Esther Kaufmann

© 2023 Disney/Pixar
9+
Animation

Inside out 2 - USA 2024, Regie: Kelsey Mann, Kinostart: 12.06.2024, FSK: ab 0, Empfehlung: ab 9 Jahren, Laufzeit: 96 Min., Buch: Meg LeFauve, Dave Holstein, Kamera: Adam Habib, Jonathan Pytko, Musik: Andrea Datzman, Schnitt: Maurissa Horwitz, Verleih: Walt Disney Germany

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