Stranger Things (Staffel 5)
Auf Netflix: Es geht drunter und drüber im Serienfinale, allerdings mehr äußerlich als innerlich.
Schluss mit lustig. Nun gut, schon Staffel 4 der Coming-of-Age-Mystery-Horror-Serie war verdammt ernst. Da wundert es nicht, dass der Humor auf der Strecke bleibt, wenn die Geschichte sich mit großen Schritten auf das epische Finale zubewegt und in zahlreichen Dialogen immer wieder raunend das nahende Ende beschwört wird. Schließlich geht es um alles.
Während ein monströses Wesen erneut Kinder aus Kleinstadt Hawkins in eine andere Dimension entführt, plant eine Gruppe Jugendlicher den Gegenangriff, um dem Grauen ein für allemal ein Ende zu bereiten. Was gar nicht so leicht ist, weil dafür mehrere Dimensionen durchquert werden müssen und sich obendrein das Militär als Gegenspieler erweist, das Hawkins längst von der Außenwelt abgeriegelt und es insbesondere auf ein Mädchen aus der Gruppe mit übernatürlichen Fähigkeiten abgesehen hat.
Gut ist, dass „Stranger Things“ tatsächlich ein Ende findet (auch wenn schon angekündigt wurde, dass mit „Stranger Things – Tales From ’85“ bereits an einem animierten Spin-Off gearbeitet wird). Aber inmitten all der großen Effekte, der nahezu unaufhörlich magenverwirrend tieftönenden Bassspuren und epischen Kämpfe ums Überleben bleibt doch eine Leerstelle. „Stranger Things“, das war einmal eine charmante Retro-Serie, die mit ganz viel Herz und Nerd-Freude die Popkultur und das Aufwachsen in den 1980er-Jahren gefeiert und aus vier zwölfjährigen Jungs und einem Mädchen große Held*innen gemacht hat. Das Schöne daran war die Augenhöhe: Konnten Mike, Dustin, Lucas und Will die übersinnlichen, unheimlichen Ereignisse in ihrem Umfeld nicht einordnen und verstehen, haben sie diese einfach ihrem Erfahrungshorizont untergeordnet. Etwa so: Ein kaum zu fassendes Monster entführt einen ihrer Freunde – und die Kinder machen das Monströse, eigentlich nicht zu Fassende greifbar, indem sie dem Wesen den Namen einer Kreatur aus den Dungeons & Dragons-Kampagnen geben, die sie regelmäßig im Keller spielen. Der Demogorgon, der Mind Flayer und Vecna sind keine „Stranger Things“-Erfindungen. Sie sind etablierte Kreaturen aus dem Pen & Paper-Rollenspiel, mit denen die Kinder sich ihre Welt wieder aneignen. Doch in Staffel 5 hat sich das verselbstständigt. Die Monster sind keine Hilfsbenennungen mehr, sondern reale Gegenspieler. Der Schrecken hat seinen Nerd-Ursprung verloren und ist auf einmal etwas Eigenständiges geworden und es dauert mehr als acht Stunden Serienzeit, bis die mittlerweile zu Jugendlichen gewordenen Kinder von einst – vier Jahre sind seit Beginn der ersten Staffel vergangen – sich wieder mit ihrer Fantasie die Welt erklären, wenn sie noch einmal am Spieltisch im Keller Platz nehmen.
Dazwischen ist es vor allem laut. Und es ist zum Heulen, wie inmitten all der Angriffe, Kämpfe, Explosionen, Verfolgungsjagden und Bedrohungssituationen die Figuren auf der Strecke bleiben, die dem Publikum über so viele Staffeln ans Herz gewachsen sind. Sie sind vor allem Handlungsträger*innen, für leise Momente ist nur noch Zeit auf den kurzen Wegen zwischen A und B. Und wenn es dann mal leise wird, dann meist auch noch ziemlich verkrampft und unnötig redundant. Normalen Alltag gibt es nicht mehr. Keine Partys, keine Treffen, keine Schulsituationen, keine gewöhnlichen Familiensituationen. In „Stranger Things 5“ ist nahezu alles: Krieg.
Stünde die fünfte Staffel für sich allein – sie wäre eine erzählerische Katastrophe. Sie funktioniert nur, wenn man sie als letztes Kapitel einer Fortsetzungsgeschichte begreift und die Erinnerung und die Entwicklung der Figuren mitdenkt. Denn schließlich war das Besondere an „Stranger Things“ auch, dass die Kern-Protagonist*innen über die Serienlaufzeit nicht in ihrem Alter gefangen waren. Man konnte ihnen zwischen Staffel 1 (2016) und Staffel 5 (2025), ganz ähnlich wie bei der „Harry Potter“-Filmreihe, quasi beim Aufwachsen zusehen. Aus den unschuldigen Kindern sind Jugendliche geworden – und die Schauspieler*innen haben die Figuren zu Charakteren gemacht.
Nebenbei hatte die Serie auch immer viel über die Lebensphasen Kindheit und Jugend zu erzählen. Denn jenseits all des Monströsen ging es eben auch ums Alltägliche und all die zeitlosen Gefühle dieser Lebensphasen. Um Freundschaft vor allen Dingen, aber auch darum, sich das erste Mal zu verlieben, um Konflikte mit den Eltern, die manchmal zu anhänglich sind und keinen Freiraum lassen, um Selbstbehauptungen in schwierigen Situationen, um Trauer, um Ängste und Unsicherheiten, um Konflikte in der Schule und Gruppenzugehörigkeiten.
Weil die Darsteller*innen das Alter ihrer Filmfiguren nun aber durch ungeplante Drehverzögerungen deutlich überschritten haben, hat die Serie ein massives Glaubwürdigkeitsproblem. Die Darsteller*innen von Mike, Lucas, Dustin, Will und Eleven sehen einfach nicht mehr aus wie 16-Jährige. Ihr Spielalter bleibt eine Behauptung. Und wenn in einer bedeutenden Nebenhandlung eine Zwölfjährige durch eine Pferdeschwanzfrisur zu einem Kind verjüngt werden soll, dann wirkt das, nett und neutral formuliert, sehr merkwürdig.
Und doch blitzen dann immer wieder Details auf, die mit den Behauptungen und dem Effektgewitter brechen und sichtbar machen, wie viel den Serienschöpfer*innen an ihren Figuren liegt. Da erzählt ein kleines Bild an der Wand von Wills Zimmer nochmal eine ganz eigene Geschichte und verweist auf eine kleine große Szene aus der vergangenen Staffel. Und dann ist da natürlich noch die finale Verneigung vor den „Goonies“ (Richard Donner, 1985) – und damit jenem Film, der seit jeher eine der wichtigsten Referenzen für „Stranger Things“ war. Ein Abenteuerfilm mit Kindern, ein bisschen in der Realität verwurzelt, ein bisschen fantastisch. Daran haben sich die Duffer-Brüder orientiert und so ist es nur konsequent, wenn „Stranger Things“ wieder mit einem Blick auf Kinder endet.
Stefan Stiletto
USA 2025, Serien-Idee: Matt Duffer, Ross Duffer, Regie: Matt Duffer, Ross Duffer, Frank Darabont, Shawn Levy, Homevideostart: 27.11.2025, FSK: keine FSK-Prüfung, Empfehlung: ab 16 Jahren, Laufzeit: 8 Folgen, 57 bis 128 Min. Buch: Matt Duffer, Ross Duffer, Paul Dichter, Kate Trefry, Caitlin Schneiderhan, Curtis Gwinn. Kamera: Caleb Heymann, Brett Jutkiewicz. Musik: Kyle Dixon, Michael Stein. Schnitt: Dean Zimmerman, Katheryn Naranjo, Casey Cichocki. Produktion: Matt Duffer, Ross Duffer, Rand Geiger, Paul Dichter, Lampton Enochs, Kate Trefry, Hilary Leavitt. Anbieter: Netflix. Besetzung: Winona Ryder (Joyce Byers), Finn Wolfhard (Mike Wheeler), Millie Bobby Brown (Eleven), Gaten Matarazzo (Dustin Henderson), Caleb McLaughlin Lucas (Lucas), Noah Schnapp (Will Byers) u. a.
Ergebnis der erweiterten Suche
» 303
» A Family
» A Good Girl's Guide To Murder
» Alcarràs
» Alfons Zitterbacke – Endlich Klassenfahrt!
» All die verdammt perfekten Tage
» Als Hitler das rosa Kaninchen stahl
» Animal
» Animalia
» Astrid
» A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando!
» Auerhaus
» Der Sommer, als (m)ich meine Geschichte fand
» Ava
» Away – Vom Finden des Glücks
» Baby
» Beans
» Belfast
» Belle
» Bescheidene Helden: Ponoc Short Films Theatre
» Besties
» Bird
» Blitz
» Boarders ‒ Welcome to St. Gilbert's (Staffel 1)
» Boots
» Bori
» Bottoms
» Boy
» Boyz
» Calamity - Martha Jane Cannarys Kindheit
» Capernaum – Stadt der Hoffnung
» Checker Tobi und das Geheimnis unseres Planeten
» Chicken Run: Operation Nugget
» Christy
» Close
» Clouds
» Der Club der hässlichen Kinder
» Club der roten Bänder – Wie alles begann
» CODA
» The Contest – In Geheimer Mission
» The Crossing – Flucht über die Grenze
» Deep Sea
» Dìdi
» DJ Ahmet
» Dounia und die Prinzessin von Aleppo
» Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt
» Dumplin
» Ein bisschen bleiben wir noch
» Ein Kuchen für den Präsidenten
» Ein Weihnachtsfest für Teddy
» Elaha
» Elise und das vergessene Weihnachtsfest
» Ellbogen
» Emily und der vergessene Zauber
» Encanto
» Enzo
» Ernest & Célestine: Die Reise ins Land der Musik
» Euphorie
» Everbody’s Talking About Jamie
» Die fabelhafte Reise der Marona
» Fanfic
» Die fantastische Reise des Dr. Dolittle
» Felix
» Feuerwehrmann Sam – Plötzlich Filmheld!
» Fighter
» Flow
» Forever
» Forever
» Freda
» Der freundliche Spider-Man aus der Nachbarschaft
» Fritzi und Sophie – Grenzenlose Freundschaft
» Fritzi – Eine Wendewundergeschichte
» Fünf Dinge, die ich nicht verstehe
» Furor
» Das Geheimnis des grünen Hügels
» Der geheimnisvolle Blick des Flamingos
» Genesis
» Georgie
» Geschichten aus dem Zaubergarten
» Girl
» Die Götter von Molenbeek – Aatos und die Welt
» Das große Abenteuer des kleinen Vampir
» Guillermo del Toros Pinocchio
» Harajuku
» Die Häschenschule – Der große Eierklau
» Das Haus der geheimnisvollen Uhren
» Die Heinzels – Rückkehr der Heinzelmännchen
» Herr Bachmann und seine Klasse
» Hilda
» Hilfe, ich hab meine Freunde geschrumpft
» Hotel Transsilvanien 3 – Ein Monsterurlaub
» Hungry
» Die Hüterin der blauen Laterne
» Ich habe meinen Körper verloren
» Im Himmel ist auch Platz für Mäuse
» Into the Beat – Dein Herz tanzt
» Invisible Sue – Plötzlich unsichtbar
» Jackie & Oopjen - Kunstdetektivinnen
» Jugend
» Jumbo
» Der Junge muss an die frische Luft
» Jupiter
» Karla
» Kingdom – Die Zeit, die zählt
» Klaus
» Der kleine Drache Kokosnuss – Auf in den Dschungel!
» Knerten und das große Weihnachtsabenteuer
» Oink
» Kokon
» Lassie - Eine abenteuerliche Reise
» Latte Igel und der magische Wasserstein
» Leben ist jetzt – Die Real Life Guys
» Lene und die Geister des Waldes
» Letztendlich sind wir dem Universum egal
» Lionhearted – Aus der Deckung
» Lotte und die verschwundenen Drachen
» Lovecut
» Luca
» L‘amour du monde – Sehnsucht nach der Welt
» Madison – Ungebremste Girlpower
» Maleficent: Mächte der Finsternis
» Mario
» Martin und das Geheimnis des Waldes
» Mary und die Blume der Hexen
» Maya, schenkst du mir einen Titel?
» Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot
» Meine Freundin Conni – Geheimnis um Kater Mau
» Mein etwas anderer Florida Sommer
» Meine wunderbar seltsame Woche mit Tess
» Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!
» Mein Lotta-Leben – Alles Tschaka mit Alpaka
» Mica
» mid90s
» Mirai – Das Mädchen aus der Zukunft
» Die Mitchells gegen die Maschinen
» Mit der Faust in die Welt schlagen
» Momo
» Monos – Zwischen Himmel und Hölle
» Moxie. Zeit, zurückzuschlagen
» Die Mucklas … und wie sie zu Pettersson und Findus kamen
» Mustang
» Nevrland
» Nico
» Niemals Selten Manchmal Immer
» Nimona
» Nina und das Geheimnis des Igels
» Noch nie in meinem Leben ... – Staffel 2
» Der Nussknacker und die vier Reiche
» Paranza: Der Clan der Kinder
» Pariah
» Petite Maman - Als wir Kinder waren
» Pettersson und Findus – Findus zieht um
» Der Pfad
» Die Pfefferkörner und der Schatz der Tiefsee
» Platzspitzbaby – Meine Mutter, ihre Drogen und ich
» Power to the Children – Kinder an die Macht
» Pumuckl und das große Missverständnis
» Raus
» Warum ich euch nicht in die Augen schauen kann
» Roads
» Romería – Das Tagebuch meiner Mutter
» Rot
» Samia
» Samuel
» Sara Mardini – Gegen den Strom
» Scarlet
» Die Schatzsuche im Blaumeisental
» Schmeißt die Schlampe in den Fluss
» Die Schnecke und der Buckelwal
» Die Schule der magischen Tiere
» Die Schule der magischen Tiere 2
» Schwestern – Der Sommer, in dem wir allein waren
» Shaun das Schaf: Es ist ein Schaf entsprungen
» Sing – Die Show deines Lebens
» Sketch
» Soft
» Solan und Ludvig – Auf zum Mond
» Der Sommer, als ich fliegen lernte
» Sonne
» Sorcery
» Soul
» Spider-Man: Across the Spider-Verse
» Stabil
» Stichtag
» Suzume
» Tandem – In welcher Sprache träumst du?
» Thilda & die beste Band der Welt
» Tiger
» Tito, der Professor und die Aliens
» TKKG – Jede Legende hat ihren Anfang
» To All The Boys I’ve Loved Before
» Tony, Shelly und das magische Licht
» Toxic
» T・P Bon
» Uferpark – Gute Zeiten, wilde Zeiten
» Die unglaubliche Reise von der Riesenbirne
» Die unlangweiligste Schule der Welt
» Wallace & Gromit: Vergeltung mit Flügeln
» Wann wird es endlich wieder so wie es nie war
» Weathering With You – Das Mädchen, das die Sonne berührte
» Wednesday (Staffel 2, Teil 1 & 2)
» Weihnachten im Zaubereulenwald
» Weihnachten in der Schustergasse
» Wendy - Ein Leben zwischen den Zeiten
» Wenn du Angst hast, nimmst du dein Herz in den Mund und lächelst
» Wilde
» Wildherz – Auf der Reise zu mir selbst
» Wildhexe
» Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (2021)
» Wonderland – Das Königreich im Keller
» Wonka
» Yalda
» Yes, God, Yes – Böse Mädchen beichten nicht
» Youth Unstoppable – Der Aufstieg der globalen Jugend-Klimabewegung
» Yuli
» Yurt
