Magische Momente | | von Stefan Stiletto
Ich spüre, was du fühlst
Eine Szene aus Martin Tischners „Checker Tobi und das Geheimnis unseres Planeten“ (2019).
Manchmal passiert etwas auf der Leinwand und es klickt. Im ersten „Checker Tobi“-Kinofilm fängt die Kamera einen nächtlichen Vulkanausbruch ein. Es ist überwältigend, ganz offensichtlich auch für den Protagonisten vor Ort. Und dessen ehrfurchtsvolles Staunen überträgt sich auf das Publikum.
Ein Rätsel führt Checker Tobi in seinem ersten Kinofilm nach Vanuatu, wo er mit einer Forscherin einen Vulkan erklimmen soll. Gut, eine Naturdoku eben, schöne Bilder, ein bisschen Erklärkommentar. Denkste! Was hier gezeigt wird, ist ein Gänsehauterlebnis, ganz offensichtlich für den Protagonisten auf der Leinwand, aber eben auch für das Publikum davor.
Die Schönheit eines brodelnden Vulkans
Beim beschwerlichen Aufstieg durch die Aschefelder fliegt die Kamera bereits um die beiden Protagonist*innen herum und macht sichtbar, wie klein sie inmitten dieser Naturkulisse sind. Wenn die Drohne dann über den Kamm des Kraters in den Abgrund lugt und krachende Geräusche den Raum füllen, dann wird allmählich die Naturgewalt erahnbar, die hier zugange ist. Rauch, Asche, Donnergrummeln, dazwischen nur zwei Menschen. Die Bilder atmen die Elemente der Natur. Und dann wird es Nacht. Tobi und die Forscherin sind nur noch Schemen vor einem rötlichen Licht. Die Funken sprühen. Und es kracht. Ein gigantisches Feuerwerk der Natur, das ganz um seiner selbst willen stattfindet und nur zufällig ein Publikum findet. Die Aufnahmen sind unglaublich, vor allem, wenn man sie auf einer Leinwand sieht. Ein brodelnder Vulkan, aus nächster Nähe. Und noch dazu einer, der nicht bedrohlich, sondern einfach nur schön aussieht.
Staunen und Begeisterung als Erzählmittel
Aber mindestens ebenso beeindruckend, ja berührend, ist der Blick der Kamera zwischendurch auf Tobi. Wie er nach Worten ringt, wie er versucht, das, was er da gerade sieht und fühlt, zu beschreiben. Man könnte sagen: Die Bilder sprechen doch für sich! Schneidet das raus! Aber hier passt beides wunderbar zusammen: Das Naturschauspiel. Und was das mit Menschen macht, die es unmittelbar erleben. Das hier ist keine abgeklärte Szene. Kein nüchterner dokumentarischer Blick. Was hier zum Ausdruck kommt, ist tief empfundene Ehrfurcht. Und Staunen. Und Ehrlichkeit.
Genau dieses Staunen, das sich immer wieder im Gesicht von Tobi spiegelt, macht diesen Film insgesamt so besonders. Denn das Staunen von Tobi überträgt sich auf das Publikum. Da passiert etwas, was die teils phänomenalen Landschafts- und Tieraufnahmen – Der leuchtende Seedrache in Tasmanien! Die beeindruckenden Schneeberge Grönlands! – wirklich sinnvoll ergänzt und erzählerisch absolut relevant ist. Auf mehreren Ebenen vermittelt der Film sein Thema. Er zeigt. Er erklärt. Er beobachtet den Beobachter. Begeisterung als Erzählmittel, um etwas über die Welt und die Schönheit der Natur zu erzählen und diese spür- und erfahrbar zu machen. Und am Ende zeigt er auch einmal in Tobis Blick stille, tiefe, aufrichtige Betroffenheit: Wenn Tobi in einem Slum in Mumbai Kinder beobachtet, die für lebenswichtiges Trinkwasser aus einem Lkw anstehen und viel zu wenig Wasser für alle da ist.
