Quergedacht > Junge Held*innen

| von Katrin Hoffmann

Eine weise alte Kröte als Mentor und Vaterersatz

Die Kröte Gordon aus „Kommissar Gordon und Buffy“ (Linda Hambäck, 2017)

Kommissar Gordon und Buffa (c) eksystent

Eine alte, müde Kröte als Titelheld in einem Kinderfilm? Ja, das funktioniert! Weil sie so liebenswert gezeichnet ist und ihre Rolle für Kinder durchaus vertraut ist: In dem animierten schwedischen Kriminalfilm ist sie sowohl einfühlsamer Lehrer als auch Bezugsperson für eine kleine verwaiste Maus.

Mit nur wenigen klaren Pinselstrichen ist die Zeichentrickfigur vollkommen: Eine grüne Kröte als sanfter Polizeichef Gordon. Eigentlich halten Kröten in der kalten Jahreszeit ihre Winterruhe, vielleicht ist Kommissar Gordon deshalb so träge, als ihm im Winterwald ein Nussdiebstahl angezeigt wird. Trotz Müdigkeit und sein fortgeschrittenes Alter ignorierend, nimmt er sofort die Observierung des Tatorts auf und wird erst mal eingeschneit, da er, stoisch wie er nun mal ist, sich während der Beobachtung nicht vom Fleck rührt. Offensichtlich kann diesen erfolgreichen Ermittler nichts aus der Ruhe bringen.

Für die Tiere in seinem Revier ist Gordon der ruhende Fels in der Brandung, der zu allen ein freundschaftliches Verhältnis pflegt und lieber pädagogisch auf die Diebe einwirkt anstatt sie festzunehmen. Seine einzige Schwäche ist sein Fuchstrauma, denn der Feind der kleinen Tiere hätte ihn einst beinahe verspeist. Aber diese Angst versucht die Kröte tapfer zu bekämpfen.

Gordons Tage werden strukturiert durch drei unterschiedlich gefärbte Keksdosen. Er findet das clever, „denn so weiß man immer, wie spät es ist“. Sein Verantwortungsgefühl lässt ihn auch in hohem Alter noch immer in seinem Büro sitzen, das er eigentlich gern gegen sein Häuschen am See tauschen würde. Erst als eine kleine mutige Maus im Wald auftaucht, sieht er seine Chance gekommen, endlich in Rente gehen zu können. Die heimat- und namenlose Maus hat er gleich in sein großes Herz geschlossen und seine umsichtigen Charakterzüge kommen ihm nun zugute. Gordon tauft seine junge Kollegin auf den Namen Buffy und bringt ihr alles bei, was man für die Polizeiarbeit wissen muss. Als Vorbild und Mentor schult er Buffy mit wachsender Begeisterung in Observierung, Verfolgung und anderen kriminalistischen Fähigkeiten.

Wahrlich, es ist ein humorvoller und kluger Lehrer an Gordon verloren gegangen, denn er kann sich intuitiv in seine Schülerin einfühlen und übernimmt bei ihr zunächst die Vaterfunktion, bis sich ihr Verhältnis bald in eine tiefe Freundschaft wandelt.

Kongenial erweckt Linda Hambäck die Figur aus den Büchern von Ulf Nilsson auch in ihrer Verfilmung zum Leben. Eine verschrobene, ungemein liebenswerte alte Kröte, von der man viel lernen kann. So ruhig und in sich ruhend wie Gordon sind nur wenige Hauptfiguren im Kinderkino.

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