Ich sehe was 2026-11: Natur im Kinder- und Jugendfilm

Ermitteln für den Umweltschutz

Junge Detektiv*innen decken Umweltskandale auf

von Katrin Hoffmann

Detektivabenteuer sind im Kinderfilmbereich sehr beliebt. Weil die Kinder darin ihre Klugheit und ihren Mut beweisen können, das ganze insgesamt ein großes Abenteuer ist und sie überdies den sonst so übermächtigen Erwachsenen die Stirn bieten können. Manchmal führen ihre Ermittlungen auch zu Umweltskandalen – allerdings trotz zweier beliebter Storyelemente – Detektivarbeit und Umweltschutz – nicht so oft wie erwartet.

Filmstill aus Die Pfefferkörner und der Schatz der Tiefsee
"Die Pfefferkörner und der Schatz der Tiefsee" (c) Wild Bunch

Es ist dunkel in der Tiefsee. Plastikmüll schwimmt im Wasser und verwehrt den Blick auf die Schönheit des Ozeans. Spannungsgeladene Musik unterstreicht die beklemmenden Bilder. Was nach einem Aufklärungsclip für Meeresschutz aussieht, ist der Aufmacher zu „Die Pfefferkörner und der Schatz der Tiefsee“ (Christian Thede, 2020). Und damit ist bereits das Thema gesetzt, um das es in diesem Kinder-Detektivfilm gehen wird: Die Verschmutzung der Meere durch den gigantischen Müll, der durch kriminelle Machenschaften in den Gewässern landet. Aber kein Grund zur Sorge: Die „Pfefferkörner“, die in der gleichnamigen TV-Serie in Hamburg regelmäßig allerlei Kriminalfälle aufklären, werden sich darum kümmern. Schließlich ging es schon in ihrem ersten Kinofilm „Die Pfefferkörner und der Fluch des schwarzen Königs“ (Christian Thede, 2017) um die Bewahrung natürlicher Ressourcen. Damals sollte eine klare Bergquelle in den Südtiroler Alpen von einem Weltkonzern gekauft werden, um das wertvolle Quellwasser gewinnbringend verkaufen zu können. Vorher musste jedoch der Almbesitzer durch verbrecherische Manipulationen zum Verkauf seines Hofs gezwungen werden.

Es ist überraschend, dass die beiden „Pfefferkörner“-Filme die einzigen aktuellen Produktionen im Kinderfilm-Bereich sind, die sich mit globalem Klimaschutz beschäftigen. Seither wurde – mit Ausnahme des Tier-und Waldschutzes – nichts Vergleichbares mehr thematisiert. Vor der Corona-Pandemie, als diese Filme geplant und gedreht wurden, war „Fridays for Future“ eine weltweite, starke Bewegung. Regelmäßig brachten tausende Demonstrant*innen, vor allem Schüler*innen und junge Menschen, das Thema Klimaschutz auf die Straßen und auf die Agenda. Obwohl Umweltkatastrophen seither immer dramatischer werden und die Macht der Konzerne, die sich dem Schutz der Umwelt verweigern, immer weiter wächst, hat die Klimabewegung seit dem Jahr 2020 – vermutlich auch aufgrund zahlreicher weiterer europäischer wie globaler Krisen – wieder an Einfluss verloren. An ihre Bedeutung aber erinnern die beiden „Pfefferkörner“-Filme, die heute in ihrer Aussage noch genauso wegweisend sind wie zu ihrer Entstehungszeit.

Engagiert euch!

Dass vier mutige Kinder, alle um die zwölf Jahre alt, trotz großer Gefahren Umweltsünder*innen entlarven, kann als Appell gelesen werden. Auch wenn es aussichtslos erscheint, muss man sich den Mächtigen entgegenstellen. Im „Schatz der Tiefsee“ legen die „Pfefferkörner“ dem korrupten Chef eines international agierenden Recyclingkonzerns das Handwerk, der Plastikmüll einsammelt, um sich nach außen hin vorbildlich umweltschützend zu geben, den Abfall dann jedoch auf dem offenen Meer ablädt. Interessant an dieser Geschichte ist zudem, dass auch die Seite der Fischer*innen gezeigt wird, die vom Meeresschutzgebiet in ihrer Mecklenburgischen Bucht genervt sind. Sie fangen zu wenige Fische, um davon leben zu können. Aber dann schließen sich deren Kinder den „Pfefferkörnern“ an – weil der Plastikmüll im Meer schließlich alle betrifft. Im „Fluch des schwarzen Königs“ wiederum wird darüber erzählt, dass ein Lebensmittelkonzern weltweit Menschen die Wasserressourcen stiehlt, um sie ihnen dann teuer wieder zu verkaufen. Die Story weist auf Nöte hin, die dadurch vor allem für die Menschen im globalen Süden entstehen.

Nicht um lebenswichtige Ressourcen, sondern um die Rettung eines einzelnen Lebewesens geht es in „Thabo – Das Nashorn-Abenteuer“ (Mara Eibl-Eibesfeldt, 2023). Alle Tierarten, aber besonders solche, die vom Aussterben bedroht sind, tragen zur Biodiversität in der Welt bei und jeder Verstoß gegen deren Schutz muss geahndet werden. Der afrikanische Nachwuchsdetektiv Thabo bekommt in seinem Dorf endlich seinen ersten Kriminalfall, als ein Nashorn im Naturschutzreservat tot aufgefunden wird. Dem Tier wurde das Horn abgesägt, auf das es die Wilderer abgesehen haben. Mit seinem Freund Sifiso und der gleichaltrigen Emma aus Deutschland wird Thabo den Fall lösen.

Lediglich ein Film lässt sich finden, der schon vor der „Fridays for Future“- Bewegung Umweltkriminalität thematisiert hat: Kai Wessels „Die Spur der roten Fässer“ aus dem Jahr 1995. Ein Detektivbüro, drei Geschwister und ein Freund ermitteln zum Tod eines Jungen und zu roten Fässern, die offensichtlich daran schuld sind, dass ein ursprünglich klarer Urlaubssee gekippt ist und tote Fische am Ufer schwimmen. Dabei kommen sie einer Giftmüllverschiebung in großem Stil auf die Spur. Aufgrund des eindeutig ökologischen Aspektes hatte sich damals der BUND für den Film und dessen Verbreitung stark gemacht und Kinder dazu aufgerufen, Umwelt-Detektivclubs zu gründen.

Filmstill aus Thabo – Das Nashorn-Abenteuer
"Thabo – Das Nashorn-Abenteuer" (c) Wild Bunch

Bigger than Life

Was „Die Spur der roten Fässer“, „Thabo – Das Nashorn-Abenteuer“ und die „Pfefferkörner“-Filme verbindet, ist die Rolle der Kinder: Sie sind es, die die Umweltskandale aufdecken, während erwachsene Ermittler*innen an den Fällen gescheitert sind – was bei den neueren Produktionen auch an der technischen Expertise und Ausstattung der jungen Ermittler*innen liegt.

Denn die Detektivgeschichten von heute werden mit Computertechnik und deren Möglichkeiten gelöst, ganz besonders deutlich bei den „Pfefferkörner“-Filmen. Da wird mal eben mit Laptops am Strand recherchiert und schon die Jüngste hat ein Kabel dabei, mit dem sie die Daten vom Handy der Verdächtigen auslesen kann, oder ein Abhörgerät wird in einem streng gesicherten Weltkonzern platziert „Bigger than life“ lautet die Maxime, nach der diese Filme gestrickt sind. Thabo unterdessen verfügt lediglich über ein Handy und einen Dietrich, kennt sich aber gut mit DNA-Spuren und Stiefelabdrücken aus und geht der Polizei mit seinen Erkenntnissen auf die Nerven.

Emotionale Verstrickungen

Allerdings kommen die Detektivteams dem ganz großen Ding eher zufällig auf die Spur. Denn die Umweltfrevel sind in den Filmen nie abstrakt, sondern betreffen die Kinder und deren Alltag immer ganz konkret: die Wissenschaftlerin und Mutter des „Pfefferkorns“ Tarun wird gekidnappt, der Almhirt und Vater von Luca, einem Freund der „Pfefferkörner“ wird festgenommen, ein Freund stirbt, ein vertrauter See wird vergiftet. Durch diese Ereignisse werden die Fälle für die jungen Filmheld*innen ebenso wie für das Publikum emotional zusätzlich dringlich.

Und es lassen sich noch weitere dramaturgische Gemeinsamkeiten festmachen. Erstens sind die Kinder immer schlauer als die Polizei, die sie noch dazu behindert und meist als Gegnerin agiert. Dabei gehen die jungen Detektiv*innen – zweite Regel – kriminalistisch geschickter vor und verfügen meist über eine unglaubliche technische Ausrüstung. Drittens glauben die Erwachsenen den jungen Detektiv*innen nicht und wollen sie unter allen Umständen davon abhalten, ihre Fälle weiter zu verfolgen. Viertens gibt es zunächst immer einen falschen Beschuldigten. Und fünftens werden die Kinder in allen Kriminalfällen auf dem Höhepunkt der Geschichte von den Gangstern eingesperrt.

Filmstill aus Die Pfefferkörner und der Fluch des Schwarzen Königs
"Die Pfefferkörner und der Fluch des Schwarzen Königs" (c) Wild Bunch

Eine Nummer zu groß

Ein Grund, weshalb es nur so wenige Öko-Krimis im Kinderfilmbereich gibt, liegt womöglich am Handlungsrahmen: Die großen Skandale sind einfach eine Nummer zu groß, um von Kindern glaubhaft aufgedeckt und gelöst zu werden. Ein wenig Trost bieten da ähnlich gelagerte Filme, in denen Kinder sich engagieren und verbünden, um Tiere oder Wälder zu retten.

In „Der Sommers des Falken“ (Arend Agthe, 1988) , „Mein Freund Poly“ (Nicolas Vanier, 2020) oder „Prinzen der Wüste“ (Eric Barbier, 2023) geht es um die Ausbeutung der Tiere. Falkeneier werden gestohlen, ein Pony brutal zu absurden Kunststücken im Zirkus angetrieben oder ein Dromedar im Wettrennen zu Höchstleistungen gezwungen. Das sind ganz individuelle Geschichten, in denen ein Kind um „sein“ Tier kämpft und alles daran setzt, sich gegen die Macht und das verbrecherische Handeln der Erwachsenen zur Wehr zu setzen.

Ein weiterer sehr beliebter Topos im Kampf um den Naturschutz und gleichzeitig gegen skrupellose Erwachsenen ist der Wald, wie etwa in „Der blaue Tiger“ (Petr Oukropec, 2011) – wobei der „Wald“ hier ein Gewächshausdschungel ist –, „Weihnachten im Zaubereulenwald“ (Anu Aun, 2018), „Woodwalkers“ (Damian John Harper, 2024), „Die Schule der magischen Tiere 3“ (Sven Unterwaldt, 2024) oder „Ein Mädchen namens Willow“ (Mike Marzuk, 2025). Ein Stück Wald soll gerodet werden, um dort ein Wellnessrresort zu bauen, einen neuen Stadtteil aus dem Boden zu stampfen oder ähnliche Bauprojekte. Der Forst steht hier immer für Geborgenheit und ist ein Rückzugsort für die Kinder. Im Gegensatz zu den bisher vorgestellten Filmen ist in diesen Filmen jedoch eine offenbar regelkonforme Lobby am Werk, die offensichtlich rechtmäßig ihre Gewinnmaximierung durchsetzen will und den Wald abholzen will. Doch die Kinder und Jugendlichen mobilisieren Unterstützer*innen und demonstrieren damit Stärke und Zusammenhalt. So kann Naturerhalt immer über Geldgier siegen.

Die Aufgabe, die ganz großen Klimakatastrophen lösen zu müssen, überfordert junge Filmheld*innen. Aber das ist kein Grund für Pessimismus. Denn erfolgreich bewahrt und beschützt werden kann, was viel näher ist: das einzelne Tier oder der Wald vor der Haustür.

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