Ich sehe was 2026-10: Religion im Kinderfilm

Heilige Buddys

Wenn Heilige in Kinderfilmen zu imaginären Freund*innen werden

von Christian Exner

Imaginäre Freund*innen kommen häufiger in der Kinderliteratur und in Kinderfilmen vor. Sie sind unsichtbare Helfer*innen, die ganz exklusiv für die Protagonist*innen da sind und ihnen Trost spenden oder Gesellschaft leisten können. Auf die Spitze haben dieses Konzept mehrere Kinderfilme zu Beginn der 2000er-Jahre getrieben. Denn die imaginären Freund*innen entstammen darin nicht dem Fundus realer oder real möglicher Figuren. Nein, es sind Heilige, manchmal auch Jesus oder gar Gott höchstpersönlich, die den Kindern erscheinen und mit ihnen interagieren.

Filmbild aus Millions
"Millions" (c) 20th Century Fox

Zu Beginn der 2000er-Jahre schien es fast so, als könne die Erscheinung religiöser Geister und Figuren zum festen Topos in der Szenerie von Kinderfilmen werden. Die Heiligen, Götter, guten Geister und Engel, sie erscheinen besonders in vier Filmen als weitläufige Interpretation von Kinderglauben und magischem Denken. In ihnen verwoben sich charmante Ausgeburten kindlicher Fantasie mit religiösen Motiven, die frei und assoziativ über konkreten Religions-Mythen schwebten.

Himmlisch alltagsnah und leicht

Sehr vertraut mit der Welt der Heiligen des Christentums ist Damian, Protagonist in Danny Boyles Film „Millions“ (2004). Seine Familie zieht in ein schickes Neubauviertel, wo das Leben sich bessern soll, nachdem Mutter Maureen gestorben ist. So hat es sich der Vater zumindest gedacht. Ein Panorama-Shot zeigt, dass hinter den sterilen und gleichförmigen Häusern eine Galerie von Kraftwerksmeilern den nicht minder eintönigen Horizont bildet. Surrealismus, Absurdität und ein Hauch von Scheitern – das kennt man vom Regisseur von „Trainspotting“ (1995) bereits. Auch der vom Schicksal gebeutelte junge Mensch mit eigenartiger Attitüde ist kein Unbekannter in Boyles Erzählwelten. So wirkt der neunjährige Damian in „Millions“ auf den ersten Blick etwas sonderlich mit seinem übergroßen Interesse für die Heiligen des Christentums. Doch dahinter verbirgt sich ein sehnliches Bedürfnis nach Trauerbewältigung. Kaum überraschend, dass der Junge die Nähe zu christlichen Idolen sucht, denn Religion verspricht traditionell Antworten auf die Fragen von Leben und Tod. Ungewöhnlich ist nur, wie präsent die Heiligen in Damians Wahrnehmung tatsächlich sind.

In seinem Refugium aus Pappkartons in der Nähe eines Bahndamms erscheint Damian eine Nonne aus dem Mittelalter und hält rauchend ein Plauderstündchen mit ihm. Der Junge hat ein zweites Auge für die mystischen Figuren. In die Szenerie des Films werden sie fast bruchlos eingefügt. Trüge Sankt Petrus, der sich als Experte für die Sicherheit von Türen und Schlössern vorstellt, nicht einen kleinen Heiligenschein, könnte er auch als jovialer älterer Nachbar durchgehen. Ein Typ mit sehr geerdeter Lebensweisheit, die dem Jungen aber zunächst rätselhaft bleibt. Szenen wie diese bergen in ihrer Alltäglichkeit Ironie, sie unterlaufen die religiöse Überhöhung und holen die Welt der Heiligen ganz nah heran an das Wahrnehmen und Fühlen des Kindes. Sie machen durch die Brille des Kindes vielleicht auch Religion generell ein Stück greifbarer und empathischer. Boyle fokussiert im Lauf des Films zunehmend die Sehnsucht nach der Mutter und den Schmerz ihres Verlustes. Religion verspricht Trost und Heilung. Dieses Versprechen wird für Damian ein Stück weit eingelöst. Aber dafür braucht er am Ende seine Heiligen gar nicht mehr so sehr.

„Manchmal sieht man Sachen“

Sehr ironisch ist auch eine Szene in der Schule. Als Damians neuer Lehrer vorschlägt, über bewundernswerte Menschen zu sprechen, fallen allen Schüler*innen nur angesagte Fußballstars ein. Damian jedoch trumpft mit seiner persönlichen Liste von Heiligen auf. Er beginnt mit Sankt Rochus, der 20 Jahre nicht gesprochen hat, aus Angst, er könnte etwas Schlechtes sagen. An zweiter Stelle kommt Agatha; sie hat sich selbst die Augen ausgerissen, weil sie nicht heiraten wollte. Dann geht er über zur Katharina von Alexandria und ihrem Martyrium auf dem Feuerrad. Die nicht sehr kindgemäßen Grausamkeiten eskalieren in seinen Schilderungen, was den Lehrer verstört das Thema wechseln lässt. Diesen Vortrag hält Damian nicht, um eine gute Note in Religion zu bekommen. Damian erzählt darin von sich und seinen Begegnungen. Die Kunst des Films ist es, die Zuschauer*innen mit durch das zweite Auge des Jungen schauen zu lassen, wenn er seine mystischen Erscheinungen hat.

Wie ein Geschenk vom Himmel fällt Damian eines Tages eine Reisetasche mit einem Batzen Geld vor die Füße. Jetzt braucht er seinen drei Jahre älteren Bruder, der ihm bezeugt, dass dies nicht wieder eine gespensterhafte Vision ist. Denn wie Damian sagt: „Manchmal sieht man Sachen, manch andere Menschen sehen sie aber nicht.“

Das Geld stammt, wie sich schließlich herausstellt, aus einem groß angelegten Raubüberfall. Und einer der Gangster kommt Damian immer näher. Eigentlich könnte der Fremde – milde und zugewandt, wie er auf den ersten Blick erscheint – zum Reigen von Damians Heiligen gehören. Doch sehr bald wird klar, dass der Typ bedrohlich real ist und seine Freundlichkeit nur listige Maskerade. Er will sein Geld zurück, koste es, was es wolle. Die Geschichte durchläuft einige aberwitzige Szenen, um schließlich wieder bei den magischen Figuren als Helfer*innen in der Not zu landen. Diesmal erscheint Mutter Maureen aus dem Reich der Toten. Brennend interessiert Damian nun die Frage, ob sie Aussichten hat, heilig gesprochen zu werden. Hier kommt die Geschichte zu ihrem emotionalen und spirituellen Höhepunkt. Der handfeste Vorteil an der Heiligsprechung von Mutter Maureen wäre, dass Damian sie dann öfter in seinen Visionen sehen könnte. Maureens Antwort kommt für ihn anders als erhofft. Sie ist eine bewegende Liebesbezeugung, die ihm als einsamem Sohn ganz viel Trost und Mut für sein weiteres Leben spendet. Hier fügt der Film das Fantastische, das Religiöse und das Reale zusammen und bringt die Reifung des Jungen auf eine höhere Ebene – ein Erzählelement, auf das wir bei einem anderen Film nochmal zurückkommen.

Was ist Glück? Welche Werte sind bedeutend und beständig? Wonach sehnen sich Menschen? Bei aller Ironie und aller Absurdität ist die Antwort des Films auf diese Fragen tatsächlich kein bisschen zynisch und schon gar nicht materiell. Sie wird sehr aus dem Herzen des gläubigen Kindes Damian gegeben. „Millions“ hat im Laufe der Jahre durch seine smarte Inszenierung und den Grundton einer auch tiefgründigen und ernsten, aber nicht versüßlichten Erzählung wenig an Unterhaltungsqualität verloren. Etwas mehr spürt man den Zahn der Zeit in den weiteren drei Filmen mit religiösen Erscheinungen, deren Ansätze in der Figurenzeichnung sich ein wenig überlebt haben. Sympathisch bleiben sie dennoch, weil sie ein lässiges – und im besten Sinne kindliches Verhältnis zu Gott und der Welt aufzeigen.

Filmbild aus Millions
"Millions" (c) 20th Century Fox

Telefonieren mit Gott

Die spirituellen Freund*innen, Mentor*innen, Helfer*innen und Begleiter*innen füllen Lücken im Gefühlsleben der Kinder. Sie füllen auch eine Lücke, die erstarrte, rückständige, alltagsferne und unfreundliche Religionsauslegungen hinterlassen haben. Entsprechend entschließt sich auch Danielle Proskar in ihrem Film „Karo und der liebe Gott“ (2006) zu einer ironischen Prämisse und zu einem leichthändigen Erzählduktus, der aber das Wirken der guten Kräfte nicht negiert.

Ein Kind, dessen Eltern sich gerade getrennt haben, sieht Gott in einem Menschen, der vordergründig durch Schwächen und Verfehlungen heraussticht. Für den Dialog mit Gott erfindet Proskar einen einfachen Kanal: Ein Funkgerät, das ihre Protagonistin Karo vom Vater bekommen hat, damit sie mit ihm in Kontakt bleiben kann. Entstanden ist der Film im Jahr 2006, einer Zeit, zu der nicht jedes Kind ein Handy hatte und Datingshows im Fernsehen sehr populär waren. Eine solche Show moderiert der prominente und oft abwesende Vater. Leider datet er selbst auch jemanden – nämlich die Maskenbildnerin in seinem Studio. Als das herauskommt, macht die Mutter kurzen Prozess und zieht mit Karo in eine neue Wohnung.

Karo ist verzweifelt und sucht Hilfe bei Gott, den sie über ihr Walkie Talkie anfunkt. Auf dem Gegengerät meldet sich tatsächlich die Stimme eines Herrn. Ein grantiger älterer Mann aus der Nachbarschaft, sehr unflätig in seiner Sprache. Karo versteift sich sehr darauf, dass ausgerechnet dieser Mensch Gott persönlich sei. Bestärkt wird sie darin durch ein heraufbeschworenes Wunder, das zufällig auch eintritt.

Der alte Mann, der eine Etage tiefer wohnt und hauptsächlich an Wein und Schnaps interessiert ist, bleibt nicht ungerührt von der Verzweiflung des Mädchens. Er legt sich richtig ins Zeug, um ihr zu helfen. Doch seine Ideen zünden nicht. Zunehmend wichtiger wird aber, dass zwei einsame Menschen verschiedener Generationen ihre Barrieren überbrücken und füreinander da sind. Das ist gelebte Mitmenschlichkeit und in dem Sinn ganz gewiss auch christlich. Doch der konkrete Religionsbezug hält sich sehr in Grenzen. Karo muss einsehen, dass ihre Eltern sich zwar verzeihen können, doch einen Weg zurück in eine Familienharmonie wird es nicht geben. Karo wird lernen, an ihrer neuen Lebenssituation zu wachsen. Der alte Mann, dem in dem österreichischen Film das Etikett „Sandler“ (Obdachloser) angehängt wird, hilft ihr dabei, ihre Wut und Enttäuschung nach und nach zu überwinden.

Karos Sehnsucht nach der helfenden Hand Gottes manifestiert sich in einem Außenseiter. Dieser fühlt sich herausgefordert. Es entsteht insgesamt ein leicht schelmischer Blick auf christliche Fürsorge, auf Kinderglauben und auf das magische Denken in Karos kindlicher Wahrnehmung. Auch in diesem Film gibt es so einen „Manchmal erlebt man Sachen“-Moment. Die defekte Uhr ihrer Freundin Lizzy beginnt wieder zu laufen, nachdem der Sandler ihr die Hand gereicht hat. Und noch ein weiteres Wunder geschieht, als bei der Scheidung vor Gericht ein freundlicher Gerichtsdiener erscheint, der exakt wie die Wiedergeburt des inzwischen verstorbenen Nachbarn aussieht. Wie in „Millions“ laufen zum Schluss Ebenen zusammen. Die Protagonistin ist gereift an ihrer neuen Realität und zugleich behält sich die Inszenierung symbolisch das zweite Auge. (Filmische) Wunder können und dürfen geschehen, egal woran man nun wirklich glaubt.

Filmbild aus Karo und der liebe Gott
"Karo und der liebe Gott" (c) Alpha Medienkontor

Marcello, Jesus und der Erwartungsdruck

In „Zwei kleine Helden“ (Ulf Malmrös, 2002) wird kein Mensch zum Erlöser erkoren. Marcello richtet sich in seinem Seelenschmerz direkt an eine liegende Jesus-Statue. Und siehe da: Jesus spricht mit ihm. Der Film braucht nicht viel, um vom Ernst konkreter Religionsausübung und von rückständigen religiösen Prägungen Abstand zu nehmen. Er lässt die Jesus-Figur gleichsam zum imaginären Freund des Protagonisten werden. Beistand kann Marcello gebrauchen, denn er hat wahrlich kein leichtes Leben. Sein Vater erdrückt ihn mit seinem Männlichkeitswahn. Marcello soll mutig sein und ein Held des Fußballplatzes. Seine Mutter hingegen möchte, dass er ihrem religiösen Eifer folgt und im Kirchenchor reüssiert. Und als wären die überzogenen Erwartungen seiner Eltern nicht schon genug, hat Marcello auch noch Trouble mit dem fiesen Mitschüler Oskar und dessen mobbenden Freunden. Marcellos Leben besteht aus Notlügen, einem geplagten Gewissen, Versagensängsten und aus entsprechenden Alpträumen. Einziger Lichtblick ist die neue Mitschülerin und Freundin Fatima.

Anders als Marcello hat Fatima, die mit ihrer Familie aus einem Kriegsgebiet geflohen ist, wirklich Fußball-Talent. Doch sie darf den Sport nicht ausüben, weil ihre rückständigen Brüder etwas dagegen haben. Die spielen sich als Bewacher auf und lassen sie nicht aus den Augen. In den Brüdern werden klischeehaft Geschlechterbilder reproduziert. Deutlich erkennbar ist die dramaturgische Absicht, solche kulturellen Klischees und religiös geprägte Normen zu überspitzen, bis sie sich ins Komische wenden. Das gelingt der etwas steifen Inszenierung aber nur mäßig. Sehr originell hingegen sind Marcellos Begegnungen mit dem leibhaftigen Jesus.

Jesus ist ganz anders, als man denkt, und er hat es auch nicht leicht. Der Erlöser wird genauso wie Marcello von Erwartungshaltungen erdrückt. Bei ihm sind es die Heilserwartungen der ganzen Menschheit. Jesus‘ Ausweg besteht darin, die Probleme auf sehr menschliche Art zu lösen. Wenn Marcello gerade Geld braucht, dann lässt er es halt vom Himmel regnen. Aber nur als Kredit, den der Junge als Erwachsener wieder zurückzahlen soll. Ein Wunder zweiter Klasse, wie es auch ähnlich in „Mirakel – Ein Engel für Dennis P.“ (Natasha Arthy, 2000) vorkommt. Doch der wahre Spirit dieses Films ist nicht die Spiritualität im lässig kindlichen Spiel mit einer Jesus-Fantasie-Figur. Der wahre Geist ist die Ermutigung des jungen Helden und die Bekräftigung eines Glaubens an sich selbst. Dieser Glaube kann nur gestärkt werden, wenn man sich selbst zu akzeptieren und anzunehmen lernt.

Ein Rocker-Engel, der dem Vater ähnlich sieht

„Es gibt nie so viele Probleme, dass man Gott nicht um Hilfe bitten kann“ – weise Worte eines Imbiss-Inhabers, die Dennis Petersen sich zu Herzen nimmt und so in dem dänischen Film „Mirakel – Ein Engel für Dennis P.“ von Natasha Arthy die Begegnung mit einem Engel heraufbeschwört. Auch Dennis hat es nicht leicht. Sein Vater ist vor Jahren gestorben. Seine Mutter, eine Tanzlehrerin, verknöchert seitdem zusehends. In der Schule herrscht das Regiment eines fiesen Lehrers. Und das Mädchen Karen Elise, das Dennis anbetet, gibt seinem besten Freund Mick den Vorzug. Aber Dennis größtes Problem ist eigentlich, dass seine Schamhaare noch auf sich warten lassen.

In Dennis‘ Misere schickt Gott einen weiß erstrahlenden Engel auf einem Motorrad, der dessen Vater ziemlich ähnlich sieht und einen Auftritt hinlegt wie Gary Glitter in „The Rocky Horror Picture Show“ (Jim Sharman, 1975). Auf den Spuren jenes Kultfilms wandelt auch Natasha Arthy, die ihr Werk mit einigen knallbunt überdrehten Musicaleinlagen und mit einigem Camp spickt. Die weiße Engelsgestalt ist ein Bote des Himmels. Er stattet Dennis mit einer kleinen Engelslizenz für Wunder der Mittelklasse aus. Von da an kriegt der Junge alles, worauf er mit zwei Fingern zeigt. Alle Träume werden wahr – aber sie schlagen schnell um in Maßlosigkeit und Chaos. Es ist ein wenig, wie bei Timm Thaler, wo der Segen zum Fluch wird. Am Ende lernt Dennis: Dinge aus eigener Kraft zu schaffen, ist das größere Glück.

Filmbild aus Mirakel - Ein Engel für Dennis P.
"Mirakel - Ein Engel für Dennis P." (c) AFM

Die große Show der himmlischen Heerscharen

Bemerkenswert ist die Wiederkehr des Vaters in Engelsgestalt. Eines Vaters, der wegen seines Leichtsinns beim Tanz auf dem Dach den Tod gefunden hat. Daran muss es wohl liegen, dass auch eine gehörige Portion Übermut und Leichtsinn im Wunsch-Erfüllungszauber liegt. Das Wunderwirken wird zum Religions-Hokuspokus, der den bedürftigen Menschen auf seine eigenen Fähigkeiten zurückwirft.

Zum Schluss wünscht sich Dennis nur noch sein profanes Leben zurück. Mit einer „Ausnahme von der Ausnahmelizenz“ wird ihm dieser letzte Wunsch sogar erfüllt. Was dann passiert, ist der Lauf der Dinge. Die Haare wachsen von allein und auf der Bildfläche erscheint Jule, ein Mädchen, das Dennis auf Anhieb sympathisch findet. Es geht auch ohne Hilfe von ganz oben. Und es geht auch ohne einen Vater, der auf Erden und im Himmel derselbe Leichtfuß ist.

Natasha Arthys Film genügen Puzzlestücke religiöser Mythen und Lebensweisheiten, um die Nöte eines Heranwachsenden mit sanften, spielerischen und auch heiter-ironischen Anstößen aufzufangen und zu mildern. Die Bildgewalt und die Inszenierungskraft der Kirchen nutzt sie als Kulisse für überdrehte und leichtfüßige Musicaleinlagen. Zu sehen sind Tempel guter Laune mit Heerscharen tanzender Engel. Selbst das ist unter der Hand sogar ein wenig Werbung für einen beschwingteren und unernsteren Glauben, der die Mühen des Menschseins im profanen Alltagsleben aber nicht vergessen machen will. Dass man seine Probleme auch aus eigener Kraft lösen kann, ist auch ein Glaube – darin wird Dennis bestärkt.

Magisch und doch geerdet

All die imaginären Heiligen, Jesus und Gott sind in diesen Filmen für die Kinder in ihren Krisen Partner*innen, Verbündete, Mutmacher*innen, Ratgeber*innen, Leidensgenoss*innen und manchmal auch einfach nur Gefährt*innen. Was sie glücklicherweise nicht sind: moralische Instanzen. Die spürbare Leichtigkeit und die Losgelöstheit, mit der die himmlischen Mächte in die Kinderfilmplots vor Jahren Einzug hielten, war durchaus sympathisch und dürfte gerne ein Update in aktuellen Produktionen erfahren.

Auffällig ist aber auch, dass die spirituellen Sehnsüchte der kindlichen Protagonist*innen und ihre Hilferufe nicht so erfüllt und erhört werden, wie es sich Kinder wünschen. Warum das so ist? Darauf hat Petrus in „Millions“ die passende Antwort: „Wegen dieses freien Willens des Menschen.“

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