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Hintergrund | | von Reinhard Kleber

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Vorbildliche Kinderkinos: Das Kino Thalia in Potsdam

Nach dem Casablanca in Nürnberg und den Lichtspielen Kalk in Köln stellen wir das Thalia in Potsdam vor. Das für seine Kinder- und Jugendprogramme kontinuierlich ausgezeichnete Kino bietet spezielle Filmreihen an und setzt dabei auch auf medienpädagogische Begleitungen. Was die unterschiedlichen Angebote dabei deutlich machen: Kinderkino ist nicht nur Filmezeigen, sondern auch eine Einladung zum Kennenlernen und zur Aneignung des Kinoraums als kulturellem Ort.

Straßenansicht des Thalia Kinos in Potsdam
Ein Kino im Kiez: Das Thalia in Potsdam (c) Thalia

Das Potsdamer Vier-Säle-Haus Thalia wurde bereits 1918 gegründet und kann auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken. In der DDR diente es unter anderem als Premierenkino. Ab den 2000er-Jahren gewann das Thalia durch eine sorgfältige Programmauswahl ein wachsendes Renommee. 2015 wurde das Filmtheater für das beste deutsche Jahresfilmprogramm ausgezeichnet, 2025 erhielt es vom Kulturstaatsminister den Preis für das beste Kinder- und Jugendprogramm in Deutschland. Schon seit mindestens 15 Jahren profiliert sich „Thalia – Das Programmkino“ mit ambitionierten Angeboten als herausragendes Kinderkino. Doch was ist das Besondere an dem Angebotsmix? Wie versucht das Thalia, die jungen Gäste an sich zu binden?

Auch eine Frage des Geldes

Für das Thalia Kino ist ein ansprechendes Programm für Kinder und Jugendliche sehr wichtig. „Wir sind schon seit vielen Jahren unterwegs in dem Bereich und haben täglich bis zu vier Kinderfilme im Programm“, sagt die Geschäftsführerin Daniela Zuklic. „Wir versuchen in dem Bereich auch eine Altersspanne von vier bis 13 Jahren abzudecken, das funktioniert mittlerweile relativ gut.“

Mit der Publikumsresonanz auf die Angebote für das junge Publikum ist die Kinochefin, eine gelernte Kauffrau für audiovisuelle Medien, im Großen und Ganzen zufrieden. „Wir wissen, dass wir einen Anteil von mehr als 20 Prozent von Kindern unter 14 Jahren haben, gemessen an der Gesamtzuschauendenzahl. Das ist nicht so schlecht, auch wenn immer Luft nach oben ist.“ Mit Spannung erwartet sie die Besuchsstatistiken für das laufende Jahr. „Da wir im September 2025 eine neue Ermäßigung für alle unter 25 Jahre eingeführt haben, werden wir erst in naher Zukunft genauer sehen können, was das prozentual ausmacht. Wir merken aber schon, dass sich das Bild im Foyer deutlich verjüngt. Diese Ermäßigung und die Kooperation mit der Fachhochschule hier in Potsdam führen zusammen dazu, dass wir unter der Woche ein sehr viel jüngeres Publikum im Kino haben als davor.“ Man könne daraus schließen, dass günstige Preisangebote einen großen Einfluss auf das Nutzungsverhalten junger Menschen haben.

Das Thalia setzt auch generell auf eher niedrige Eintrittspreise für junge Besucher*innen. Kinder bis 14 Jahre zahlen 6,50 Euro Eintritt, U25 sieben Euro. Dann gibt es noch eine Mini-Ermäßigung für Studierende, die älter sind als 25. Die frühere Preisreduzierung für Rentner*innen wurde abgeschafft, um die U25-Ermäßigung finanzieren zu können.

Daniela Zuklic im Thalia Kino
Die Geschäftsführerin des Thalia: Daniela Zuklic (c) Katharina Gehrmann

Keine Angst vor der Dunkelheit

Doch wie schafft man es als Kinobetreiberin, das junge Publikum dazu zu bringen, wiederzukommen? Das Thalia versucht die Publikumsbindung neben dem regulären Programm auch langfristig mit einem bunten Strauß von Formaten zu stärken, die sich an unterschiedliche Alters- und Interessengruppen richten. „Wir haben unsere Angebote über die Jahre ausgebaut und sind so in vielen Leben von jungen kleinen Menschen hier in der Stadt präsent.“ Gleich mehrere Formate sind im Vormittag angesiedelt, so dass Kinder und Jugendliche sie innerhalb ihrer Betreuungseinrichtungen beziehungsweise über die Schule wahrnehmen können.

So bietet das Programmkino für Vorschulkinder seit fünf Jahren sonntags vormittags das Programm „Maxis Kinoabenteuer“. Bis 2025 fand es viermal im Jahr statt, dieses Jahr werden es fünf Veranstaltungen sein. Dafür kuratiert man zusammen mit anderen Kinos jeweils ein Paket mit Kurzfilmen, so Zuklic. „Die jungen Gäste erleben den Ort Kino dann mit einer Plüschpuppe, dem Fuchshörnchen Maxi. Sie können das Kino entdecken und erfahren, wie die Projektionstechnik funktioniert, sie lernen zudem, genau hinzuhören. Anders gesagt: Wir versuchen, sie zu kleinen Kinoexpert*innen zu machen.“

Warum ist die Reihe für die Zielgruppe so bedeutsam? Zuklic meint: „Für eine Kinobindung ist es wichtig, dass Kinder schon relativ zeitig diesen Ort für sich entdecken, und das möglichst in einem angstfreien Setting. Kinder haben ja nicht diese Möglichkeit, den Kopf wegzudrehen oder sich zu verstecken, sondern sitzen gebannt von diesem großen Bild in einem dunklen Raum, so dass sie relativ schnell Angst haben. Wir wollten ihnen diese Angst nehmen, indem wir sie ganz vorsichtig an diesen Raum heranführen und eben aufzeigen: Du bist nicht allein, hier sind viele Menschen. Wir machen das Licht aus, wir können es aber auch wieder anmachen.“

Aus Vorschulkindern werden kleine Kinoexpert*innen

Zuklic fügt hinzu: „Unser Leitgedanke war, dass wir den Kindern schon früh zeigen müssen, was das Kino kann und dass es ein schöner Ort ist. So eine Kinoliebe muss sozusagen trainiert werden. Das gilt auch für etwas ältere Kinder und Jugendliche. Inzwischen läuft das Format in acht Kinos der Bundesrepublik ziemlich erfolgreich.“ Bei „Maxis Kinoabenteuer“ arbeitet das Thalia mit der Pro-Arthouse-Gruppe zusammen. Dem Netzwerk gehören zwölf bundesweit bekannte große Arthouse-Kinos an. Dazu zählen unter anderem das Scala Kino in Lüneburg, der Lichtburg Filmpalast in Oberhausen, das Broadway in Trier und das Casino in Aschaffenburg.

Die Kinoleiterin weist darauf hin, dass viele Familien das Bedürfnis haben, ihre Kinder langsam an das Medium heranzuführen. „Es gibt einige Eltern, denen klar ist, welche Macht so eine Leinwand haben kann, und dass es wichtig ist, die Kinder in kurzen, medial gesunden Dosen an bestimmte Medien heranzuführen.“ In dieser Hinsicht gibt sich das Kino in der brandenburgischen Landeshauptstadt viel Mühe. „Der Moderator oder die Moderatorin begrüßt die Kinder mit einem Leierkasten vor dem Kino und führt durch die Veranstaltung. Danach gibt es seit diesem Jahr erstmals eine Bespaßung im Foyer. Damit wollen wir die Kinder aus diesem statischen Zustand herausholen, still zu sitzen und gemeinsam Filme anzuschauen. Stattdessen machen wir den jungen Gästen ein Bewegungs- oder Kreativangebot.

Übrigens: Wer mit Maxi auf Kinoreise geht, erhält nach drei Besuchen eine Urkunde, die den jungen Gast als Kinoexpert*in auszeichnet. „Am Ende eines Jahres haben wir schon mal 20 Urkunden ausgestellt. Man sieht daran: Es gibt junge Zuschauende, die regelmäßig kommen und sich für jeden Besuch einen Stempel geben lassen“, berichtet Zuklic.

Kino mit Spatz

Zu den Vormittagsprogrammen für die Jüngsten zählt auch das Spatzenkino, ein 45-minütiges Angebot, bei dem das Thalia mit dem Kinder- und Jugendbüro in Berlin zusammenarbeitet, wie Zuklic erläutert. „Das machen wir seit 17 Jahren sehr erfolgreich. Da kommen alle Potsdamer Kitas und Betreuungseinrichtungen für kleine Kinder zu uns, um kuratierte Kurzfilme zu sehen. Moderiert wird das Ganze von einer Plüschpuppe, einem kleinen Spatz. Das sorgt für einen erlebnisreichen Erstkontakt mit dem Medium Kino.“

Gegründet wurde das Spatzenkino 1990 in Berlin, seit 2000 ist es ein Projekt der JugendKulturService gGmbH. Jährlich begrüßt die Einrichtung etwa 50.000 Kinder und Begleitpersonen in den Kinos. Seit 2007 gastiert das Spatzenkino auch in Brandenburg, dort inzwischen in 13 Städten. Es ist nach Angaben der Veranstalter die einzige Kinderkinoinitiative in Europa, die sich kontinuierlich das ganze Jahr speziell um die jüngsten Kinogänger*innen kümmert: um die Vier- bis Achtjährigen.

Jedes monatlich stattfindende Filmprogramm hat ein Thema und besteht aus zwei bis drei Kurzfilmen. Im März war „Bunte Ostern“ das Thema, im April „Gerne groß“ und im Mai „Zusammen unterwegs“, beim letztgenannten Paket stehen die Zeichentrickfilme „Lars der kleine Eisbär im Dschungel“ (Thilo Graf Rothkirch, 2003) und „Ringelgasse 19: Als sie auf einer einsamen Insel waren“ (Susanne Seidel, Andreas Strozyk, 2023) auf dem Programm.

Auch durch diese Reihe führt auf spielerische Weise eine Moderatorin oder ein Moderator, die oder der eine orangefarbene Spatzenhandpuppe dabei hat. „Zwischen den Kurzfilmen gibt es ein bisschen Action, dann dürfen die Kinder aufstehen, sich drehen, klatschen und mit den Füßen stampfen.“

Das Kino 1 im Thalia in Potsdam
Das Kino 1 im Thalia in Potsdam (c) Thalia

Schulkino und die Sache mit dem Popcorn

Eine große Rolle spielt im Thalia das Schulkino. „Wir machen multiple Schulvorführungen für Grundschulen, für Gesamtschulen, für Gymnasien. Dabei unterstützen wir oft den Lehrplan mit Filmen, die unterrichtsrelevant sind. Wir werden oft auch angefragt von Lehrenden, die zu einem bestimmten Thema einen geeigneten Kinofilm suchen“, berichtet die Geschäftsführerin. „Wir haben kooperative Vereinbarungen mit zwei Grundschulen und einem Gymnasium hier im Kiez. Die kommen zu uns mehrfach übers Jahr verteilt in unterschiedlichen Settings, etwa zu den englischen Filmtagen im Januar oder zum Gesundheitstag im April.“ Auch bei der brandenburgischen Schulkinowoche macht das Thalia mit. Außerdem gibt es weitere Angebote für das junge Publikum im Frühling und Herbst über die brandenburgische Schulfilmagentur Filmernst.

In der Regel gibt es im Thalia alle drei Tage eine Schulvorstellung. „Es gibt auch mal eine Woche ohne Schulkino, in der wir dann durchatmen können. Aber in der Woche vor den Osterferien hatten wir jeden Tag eine Schulvorstellung. Und in der Schulkinowoche davor waren in fünf Tagen an die 1000 Kinder zu Gast. Man kann also sagen, dass wir im Jahr zwischen 130 und 150 Schulvorstellungen bieten.“

Die Preise sind beim Schulkino nach der Gruppengröße gestaffelt. Je mehr Kinder kommen, umso größer ist der Mengenrabatt. Bei einer Gruppe von 20 bis 34 Schüler*innen kostet ein Ticket 6,50 Euro pro Person, ab 200 Schüler*innen liegt der Eintrittspreis nur noch bei 3,50 Euro pro Person. Zudem hat pro zehn Schüler*innen eine Lehrperson freien Eintritt.

Ein besonderes Ereignis organisiert das Thalia kurz vor Weihnachten. Fast eine Woche lang ist es für drei Grundschulen geblockt. „An einem Tag kommt eine komplette Grundschule von der ersten bis zur sechsten Klasse zu uns. Wir bieten dann unterschiedliche Filme an, denn Erstklässler*innen bevorzugen nun mal andere Filme als Sechstklässler*innen“, berichtet Zuklic.

Diese Schulen halten auch über das Jahr den Kontakt. Sie schicken zum Beispiel für die Projektwoche Medien auch Kinder ins Thalia. „Dann stelle ich unser Kino vor“, sagt Zuklic, „und erzähle zu Fragen wie: Wie funktioniert überhaupt Kino? Von wem bekommen wir die Filme? Wie funktioniert so ein Marketing? Warum sind Trailer wichtig für uns?“ Und schmunzelnd fügt die Kinochefin hinzu: „Und warum ist es wichtig, dass die Gäste im Kino viel Popcorn essen?“

Ferienkino und ein eigenes kleines Festival

In den Schulferien wiederum gibt es das Ferienkino. Dann laufen mittwochs vormittags bis zu vier Filme für die Kleinen und die etwas Älteren in den vier Kinosälen. Dabei kooperiert das Thalia eng mit den örtlichen Horten. „Hier in Brandenburg bieten die Horte in der Regel eine Ferienbetreuung an. Zumindest in den Grundschulen, bis ungefähr zur 5. Klasse, gehen die Kinder auch in den sogenannten Ferienhort. Wir bieten dann für diese Horte oder auch für Kinder aus Familien mit Oma und Opa oder Mama und Papa eben dieses Format in den Ferien an. Da kommen viele Hortgruppen, aber auch große Gruppen von Kindern, die sich aus der Schule kennen. Der Eintritt ist immer niedrigschwellig, es kostet nur vier Euro. Diesen Preis halten wir seit über zehn Jahren stabil.“

Seit drei Jahren organisierte das Thalia sein eigenes kleines Filmfestival für die junge Zielgruppe: die Kinderfilmtage. Jeweils im Oktober laufen dann an vier Tagen etwa zwölf aktuelle Filme. Dazu kommen oft Filmschaffende und Kinderstars, die Fragen zu ihrer Arbeit und den Filmen beantworten, so Zuklic. „In der Regel konzentrieren wir uns auf Langfilme. Im vorigen Jahr waren auch mal zwei Episoden der TV-Serie ‚Belle und Sebastian‘ dabei. Da war die Synchronsprecherin Josefine Hagen zu Besuch. Im gleichen Jahr kam auch Jonathan Kühn, der Hauptdarsteller aus ‚Ab morgen bin ich mutig‘ (Bernd Sahling, 2025) in unser Kino. In den beiden ersten Jahren waren der junge Cast der Filmreihe ‚Die Schule der magischen Tiere‘ (seit 2021) zu Gast. Zuletzt hat uns eine Filmtierschule besucht, die bei der gleichen Filmreihe mitgewirkt hat. Da kamen ein Schaf und ein Rabe ins Kino, das fanden die Kinder sehr lustig.“

Programmprämien stützen den Kinobetrieb

Im Lauf der Jahre ist das Thalia immer wieder für seine Filmprogramme ausgezeichnet worden, wie Zuklic berichtet. „Wir bekommen vom Kulturstaatsminister regelmäßig eine der kleineren Auszeichnungen für das Kinder- und Jugendprogramm. Im letzten Jahr wurden wir sogar zum besten Kinder- und Jugendkino gekürt. Beim Medienboard Berlin-Brandenburg gibt es leider keine Auszeichnungen, die sich auf Angebote für Kinder und Jugendliche beziehen, da erhalten wir aber regelmäßig einen von vier Hauptpreisen für Kinos in Brandenburg.“

Diese Programmprämien leisten einen wichtigen Beitrag zur Finanzierung des Kinos. Insgesamt macht sich Zuklic daher keine Sorgen um den Fortbestand des Hauses. „Unsere Zuschauendenzahlen wachsen, derzeit liegen wir über dem Niveau der Vor-Corona-Zeit. Kino war ja schon immer von mehreren Faktoren abhängig, die man nur schwer beeinflussen kann. Grundsätzlich bin ich optimistisch, dass der Ort Kino überleben wird, wenn man gute Arbeit macht und darauf achtet, was die Menschen interessiert. Es gilt, Räume zu öffnen und soziale Interaktion zu ermöglichen. Ich glaube an die Kraft des Kinos.“

Arthouse-Kinderfilme bewerben

Doch wie macht das Thalia auf sehenswerte Kinderfilme aufmerksam, insbesondere solche aus dem Arthouse-Bereich? „Wir bewerben die wie alle anderen auch“, sagt Zuklic. „Natürlich spielen wir Trailer, die sind nach wie vor ein dankbares Instrument für alle Kinobetreiber*innen. Auch vor großen Disney-Produktionen laufen bei uns Trailer für kleine deutsche oder europäische Kinderfilme. Dann plakatieren wir in den Schaukästen und dekorieren die Wände im Foyer mit Hinweise auf Kinderfilme.“ Ansonsten erstelle man einen Newsletter und sei in Social Media aktiv. „Wir sind viel auf Instagram unterwegs. Das ist für die Zielgruppe wichtiger als etwa Facebook. Die Erfahrung zeigt, dass Formate wie das neue Kiez-Kino, das an Jugendliche adressiert ist, praktisch nur über Soziale Medien funktionieren.“

Die digitale Zielgruppenansprache profitiert davon, dass das Thalia viele junge Mitarbeiter*innen hat. Zuklic: „Wir haben tatsächlich ein sehr junges Team. Im Kino arbeiten ja auch sonst viele jüngere Personen wie Studierende, die eben Geld verdienen möchten. In unserem Team gibt es vier Leute, die etwa so alt sind wie ich, aber alle anderen sind eine Generation jünger.“

Foto, das das Foyer im Thalia Kino in Potsdam zeigt
Im Foyer des Thalia (c) Thalia

Die Kinderfilmuni – ein einzigartiges Angebot

Neben den vielfältigen Programmformaten kann das Thalia noch eine außergewöhnliche Kooperation vorweisen: Es arbeitet mit der Kinderfilmuniversität Babelsberg zusammen, die zum größten Teil kostenfrei Medien- und speziell Filmbildung für Kinder ab acht Jahre und für Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren anbietet. Das nichtkommerzielle Angebot wird getragen von der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf und dem gemeinnützigen Verein Kinderfilmuniversität e.V. in Kooperation mit diversen Partner*innen. Dazu gehören etwa interaktive Vorlesungen, Workshops, Sommerklassen und Exkursionen sowie ein medienpädagogisches Projektseminar für Medienwissenschaftler*innen.

Fast alle Vorlesungen finden im Thalia statt, das zu den Mitinitiator*innen des Projekts gehört. Die Geschäftsführerin steuert zum Programm alle zwei Jahre eine Vorlesung zum Thema „Kino – Dafür werden Filme gemacht“ bei. Zuklic ergänzt: „Es gibt zwar diverse Kinderuniversitätsangebote etwa für Medizin oder die MINT-Fächer, aber meines Wissens ist die Kinderfilmuniversität zumindest europaweit das einzige derartige Angebot im Bereich Film.“

Zuhören und programmieren

Obwohl das Angebot für junge Kinogänger*innen schon so reizvoll und vielfältig ist, legt das Thalia-Team keineswegs die Hände in den Schoß. „Wir sehen uns immer um und sondieren: Gibt es neue Bedürfnisse, Impulse, Trends, wo man etwas Neues für Kinder und Jugendliche machen kann? Wie kann man interessante Ansätze kinoprogrammatisch unterstützen? Wir sind da, muss ich zugeben, ruhelos“, sagt Zuklic.

Eine solches zartes Pflänzchen ist die Jugendreihe „Dein Kiez, dein Kino“. Sie ist das Resultat neuer Idee und Bestrebungen zum Jugendkino. Obwohl das als schwieriges Feld bekannt ist, will das Team trotzdem versuchen, Jugendliche ins Kino zu holen. „Viele Kinobetreibende beklagen seit langem, dass sie Schwierigkeiten haben, an die Altersgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen von 15 bis 25 Jahren heranzukommen. Dieses Problem hat sich durch die COVID-Pandemie noch verstärkt.“

Die Kinobetreiberin verfügt über einschlägige Erfahrung, hat sie doch selbst einen Sohn im Teenager-Alter. „Daher weiß ich aus erster Hand, dass die Jugendlichen einen Platz brauchen, wo sie sich treffen und aufhalten können, einen Raum, in dem man ihnen zuhört und das aufgreift, was sie beschäftigt. Deshalb haben wir im Kino eine Reihe entwickelt, mit denen wir signalisieren: Wir schauen, was eure Themen sind und was für euch wichtig ist. Wir bieten euch Filme an, die versuchen, eure Themen filmisch darzustellen.“ Auf der Homepage heißt es dazu: „Wir starten eine Filmreihe, die Subkultur feiert: Von Graffiti und Fußball-Fankultur bis hin zu Skate-Vibes und echten Klassikern.“

Der Startschuss fiel im Februar in den Winterferien. Die thematische Bandbreite der ausgewählten zwei Spielfilme und drei Dokumentarfilme reichte von Graffiti über Queer-Sein bis zum Drogenkonsum. „Wir waren überwältigt vom Zuspruch, wir waren fünf Tage in Folge ausverkauft“, so Zuklic. Wobei sicher auch eine Rolle gespielt habe, dass der Eintrittspreis mit 2,50 Euro sehr niedrigschwellig gewesen sei, damit die Jugendliche sich das leisten konnten. „Wir haben dafür etwas Geld vom BKM-Preis aus dem Vorjahr investiert und einen Deal mit den Verleihen ausgehandelt. Es war eine absolute Win-Win-Situation.“

Für die neue Reihe hat das Kinoteam eigene Grafiken entwickelt, die beim Zielpublikum gut ankommen. „Es rufen sogar Jugendliche an und fragen, ob sie noch Plakate davon haben können. Ist das nicht sehr süß? Und die kommen eben auch so, halten sich eine Weile auf, zapfen etwas Strom und gehen wieder. Zuletzt hatten wir im Foyer eine Tischtennisplatte wegen des Films ‚Marty Supreme‘ (Josh Safdie, 2025) aufgestellt, da spielten sie gerne mal eine Runde Tischtennis. Sie nehmen uns also als Ort wahr, wo sie willkommen sind. Das wollte ich erreichen.“

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