Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!
Nach üblichem Rezept, aber mit viel Sorgfalt inszeniert und produziert: Die erste Adaption der beliebten Comicromane.
Bei der elfjährigen Lotta Petermann herrscht zu Hause das Chaos – erst recht, seit ihre Mutter im Meditationsstudio arbeitet und Lotta indische Blockflöte spielen lernen soll. Aber auch schon davor waren die Zwillinge echte Blödbrüder, Lottas Vater grummelig und Schildkröte Heesters eine langweilige Stolperfalle. In der Schule nervt die Klassenlehrerin Frau Kackert mit absoluter Humorlosigkeit, und die „(G)Lämmer Girls“ um die eingebildete Berenike von Bödecker sind einfach nur bescheuert. Nur gut, dass es Cheyenne gibt! Mit ihrer besten Freundin lässt sich alles besser ertragen. Dass Lotta und Cheyenne als einzige nicht zu Berenikes Megaparty eingeladen sind, wurmt sie dann aber doch. Die Freundinnen lassen sich einiges einfallen, um zu einer Einladung zu kommen – und zerstreiten sich darüber ganz furchtbar.
Die deutsche Comicroman-Reihe „Mein Lotta-Leben“ – quasi die Mädchen-Version nach Vorbild von Jeff Kinneys „Gregs Tagebuch“ – ist mit bisher fünfzehn Bänden sowie einem umfangreichen Non-Book-Angebot längst eine etablierte Marke. Da war die Auswertung fürs Kino bloß eine Frage der Zeit. Weil die „Lotta“-Bücher in mittlerweile 33 Länder verkauft worden sind, wurde auch gleich an eine internationale Filmfassung gedacht. Und natürlich wird es zum Kinostart das Buch zum Film geben.
„Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!“ folgt durchaus dem üblichen Rezept für Markenadaptionen, mit einer quietsch-bunten Ästhetik mit animierten Comic-Scribbles (von der Buchillustratorin Daniela Kohl), überzeichneten Charakteren, slapstickartiger Situationskomik, Running Gags und prominenten Gastauftritten. Und doch sticht der Film aus der Masse hervor. In allen Bereichen wurde spürbar mit viel Sorgfalt und Herzblut gearbeitet. Die Produktionsfirma Lieblingsfilm steht nicht erst seit den „Rico, Oskar“-Filmen für Qualität im deutschen Kinder-/Familienfilm. Nach der zweifachen Zusammenarbeit mit Regisseurin Neele Leana Vollmar an den „Jungenfilmen“ „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ (2014) und „Rico, Oskar und der Diebstahlstein“ (2016) folgt nun als dritter Streich des Teams ein Film für Mädchen.
Das Drehbuch von Bettina Börgerding („Bibi & Tina“-Filme 2014/2016/2017, Regie: Detlev Buck) kreiert aus dem Lotta-Universum eine eigenständige Geschichte. Wie in den Büchern erzählt und kommentiert Lotta persönlich den Alltag in der Schule und in ihrer liebenswert-chaotischen Familie.
Vor allem aber geht es um Freundschaft. Dies ist der rote Faden durch die vielen turbulenten, lustigen Schlenker der Handlung, der Identifikations- und Diskussionsraum bietet. Lotta und Cheyenne sind beste Freundinnen seit Kindergartentagen. Man kennt sich auswendig, verzeiht kleine Schwächen, hält zusammen. In der schulüblichen Gruppenhierarchie zählt das Gespann zu den Außenseiter*innen. Das empfinden sie aber nicht so oder jedenfalls nicht als Makel; sie sind selbstbewusst und wollen nicht so sein wie die anderen – und sie haben ja sich. Die beiden sind keine Mobbing-Opfer, sondern sie verspotten die angesagten Lämmergirls („Glamour Girls“). Darüber hinaus haben sie ihre eigene Bande gegründet, die „Wilden Kaninchen“, deren drittes loyales Mitglied Paul ist, Typ braver Streber-Nerd, mit dem Vorzug eines eigenen Baumhauses. Er ist definitiv kein gleichberechtigter Freund, und auf das Motto „alle für einen, einer für alle“ pochen die Mädchen vor allem dann, wenn es ihnen nützt. Der Film fragt auch hier danach, was Freundschaft eigentlich bedeutet.
Das Skript verknüpft frechen Humor mit Emotionalität und kann von ein, zwei Ausrutschern abgesehen den Klamauk umschiffen. Selbst einige Klischees in der Figurenzeichnung sind erträglich, da sie in der gewollten Übertreibung letztlich stimmig sind und keine platten Pointen bedienen. Szenenbild, Maske und Kostüm etablieren mit viel Detailliebe und Mut zur Farbe gekonnt die unterschiedlichen sozialen Milieus.
„Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!“ profitiert vom Gespür der Regisseurin für die kindliche Erfahrungs- und Wahrnehmungswelt, die sie bei aller Komödie sehr ernst nimmt. Unter ihrer Anleitung überzeugen Meggy Hussong, Yola Streese und Levi Kazmaier in ihren Leinwanddebüts. Dem Castingaufruf im Internet waren rund 1.500 Kinder gefolgt. Darunter die kleine Cara Vondey, die sich ganz selbstbewusst als Cheyennes kleine Schwester Chanell beworben hatte – eine Rolle, die tatsächlich vergessen worden war. Überhaupt ist die Besetzung durchweg gelungen. Laura Tonke und Oliver Mommsen sind als auch mal genervte Eltern mit ganz eigenen Charakterzügen glaubwürdig. Lukas Rieger, Popsänger und Social-Media-Star mit immenser Followerzahl auf Instagram, YouTube & Co. spielt als seine Fans verachtender, eitler Popstar Marlon möglicherweise selbstironisch sich selbst – oder auch nicht. Carolin Kebekus gibt die humorlose Klassenlehrerin Frau Kackert, ähnlich der Kinder hassenden Eisverkäuferin Anke Engelke im ersten „Rico, Oskar“-Film. Milan Peschel ist als entspannter Yogi Heiner Krishna wieder mit an Bord.
Die literarische Vorlage mag nicht so stark sein wie die Ausnahmebücher um Rico und Oskar von Andreas Steinhöfel. Aber das kann man dem Film schwerlich vorhalten; Drehbuch und Inszenierung holen das Beste aus dem „Lotta-Leben“ heraus. Das ist mehr als genug für einen kurzweiligen Kinospaß, nicht nur für Fans der Buchreihe.
Ulrike Seyffarth
Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo! - Deutschland 2019, Regie: Neele Leana Vollmar, Kinostart: 29.08.2019, FSK: ab 0, Empfehlung: ab 7 Jahren, Laufzeit: 90 Min. Buch: Bettina Börgerding, nach der gleichnamigen Kinderbuchreihe von Alice Pantermüller und Daniela Kohl (Illustrationen). Kamera: Daniel Gottschalk. Musik: Oliver Thiede. Schnitt: Bernd Schlegel. Produktion: Dagmar Blume-Niehage, Philipp Budweg, Robert Marciniak. Verleih: Wild Bunch. Darsteller*innen: Meggy Hussong (Lotta), Laura Tonke (Lottas Mutter Sabine Petermann), Oliver Mommsen (Lottas Vater Rainer Petermann), Yola Streese (Cheyenne), Levi Kazmaier (Paul), Milan Peschel (Heiner Krishna), Lukas Rieger (Marlon) u. a.
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