Hola Frida!
Im Kino: Fantasievoller Animationsfilm über die Kindheit der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo und ihren Kampf für das Leben.
Wenn die kleine Frida ihre Vorstellungskraft anknipst, dann sprüht sie vor Begeisterung – und die ganze Leinwand funkelt und leuchtet. Der Animationsfilm „Hola Frida“ erzählt nicht nur aus der Kindheit der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo, er beschreibt auch ihre ersten kreativen Gehversuche, ihre Sicht auf die Welt und die Entwicklung ihrer Kunst, die sie berühmt gemacht hat. Das ist für Kinder wie Erwachsene gleichermaßen spannend wie bezaubernd. Frida Kahlos Kunst wird im Film zur animierten Kunst, die Lust macht, selbst zu Farben und Stiften zu greifen.
Die kleine Frida lebt zusammen mit ihrer Familie in Mexikostadt. Sie hat ein freudvolles und unbeschwertes Leben, ist ein neugieriges Kind und liebt es, hinter die Kulturen ihres Landes zu blicken: So erklärt ihr die Mutter auf dem Markt ausführlich, woran ihre Vorfahren, die Zapoteken, geglaubt haben, oder das Mädchen hinterfragt Traditionen wie die des Totentags. Als Frida mit sechs Jahren an Kinderlähmung erkrankt, muss sie viele Tage und Wochen im isolierten Krankenbett verbringen und kämpft offensichtlich gegen die Krankheit. Sie wird zwar wieder gesund, bleibt jedoch lange Zeit geschwächt. Dies soll jedoch nicht das einzige schicksalhafte Ereignis in ihrem Leben bleiben.
Ausgehend von einer Rahmenhandlung, in der die erwachsene Frida Kahlo ihr altes Tagebuch wiederfindet, fokussiert der Film auf die Kindheit der Künstlerin. Mit Hilfe ihrer Kinderzeichnungen erinnert sich die Frau, die bereits eine berühmte Künstlerin ist, vor einer Staffelei sitzt und an einem großformatigen Bild malt, an die Ereignisse von früher, als sie sechs Jahre alt war und in einer liebevollen Familie aufwuchs, aber auch schwere Herausforderungen zu meistern hatte. Das Kennenlernen ihres späteren Ehemanns Diego Rivera sowie der Unfall, der sie als 18-Jährige erneut lange ans Bett fesselte, werden am Ende des Films in aller Kürze erwähnt, der Schwerpunkt des Films liegt auf der Erkrankung in Kindertagen und deren Folgen.
Frida wird über mehrere Wochen ins Bett gesteckt, sie darf nicht einmal mit ihrer Schwester Cristina spielen, um sie nicht mit Kinderlähmung anzustecken, sondern lediglich am Fenster mit ihr sprechen. Die Krankheit schwächt das Kind sehr, Frida schläft viel und träumt, so erzählt es der Film, intensiv. In ihren Träumen begegnet sie einer imaginären Freundin, die ein Abbild von ihr selbst ist (und den erwachsenen Zuschauer sofort an „Die zwei Fridas“ erinnert, eines ihrer berühmteren Gemälde, das später auch im Film angedeutet wird) und sie bei ihrem Kampf gegen die Erkrankung unterstützt. Es ist diese imaginierte Figur einer starken Frida, die ihr Mut zuspricht, sie aber auch erleben lässt, wie sie Blumen zum Wachsen und zur Verschönerung ihres Lebens einsetzen kann. Im Traum erscheint Frida auch die Totenschädel-Dame, La Catrina, die in Mexiko die Menschen vom Leben in den Tod führt und nun auch Frida zu sich in die Welt der Toten holen möchte. Immer wieder taucht diese furchteinflößend gestaltete Frau in Fridas Vorstellung auf, doch immer wieder schafft sie es, sich gegen sie zur Wehr zu setzen.
Der Film von André Kadi und Karine Vézina basiert einerseits auf der biografischen Geschichte Frida Kahlos und andererseits auf den Geschichten und Volksweisheiten der mexikanischen Kultur. Damit bringt er dem einheimischen wie dem internationalen Kinderpublikum kulturelles Wissen über Mexiko und Symbolfiguren wie La Catrina bei: So zeigt er auch zum Beispiel, wie Fridas Familie am 2. November den sogenannten „Dia de los Muertos“ (dt. Tag der Toten) feiert, der inhaltlich vergleichbar mit dem deutschen Gedenktag Allerseelen ist, in der mexikanischen Ausprägung jedoch weitaus lebendiger und ritualreicher gefeiert wird.
Neben den wahren Begebenheiten integriert der Film auch fiktive Elemente in seine Geschichte, etwa die Episoden um den streunenden Hund oder Nebenhandlungen wie die um Mitschüler Rafael, der Frida nach ihrer Rückkehr in die Schule wegen ihres „Hühnerbeinchens“ hänselt. Gerade diese Nebenhandlung erklärt dem Kinderpublikum jedoch sehr gut Fridas Wesenszüge: Wie sie sich mit ihrer Fantasie ein Schutzschild gegen Mobbing schafft, wie sie mit hartem Training ihre von der Krankheit geschwächten Beine fit macht, so dass sie sogar an einem Rollschuhrennen teilnehmen kann, wie sie sich mit dem Jungen versöhnt, als sie erkennt, was hinter seinen Gemeinheiten steckt.
Immer dann, wenn Fridas Fantasie ihr in schwierigen oder leidvollen Momenten hilft, beginnen die Farben im Film zu leuchten: Die Blumen, die sie im Dunkel ihres Alptraums erblühen lässt, oder die Flügel, die ihr auf dem Schulhof wachsen, wirken überbelichtet und erscheinen wie die Zutaten einer fantastischen Ebene des Films, deuten aber eben auf ihre künstlerische Fantasie und verdeutlichen die Kunstwerdung von Frida Kahlo. Diese ist für Kinder allerdings in den Momenten verständlicher, in denen Frida ihrem Vater, einem Fotografen, hilft, Schwarzweißbilder zu kolorieren. Zunächst malt Frida die Fotografien lediglich bunt aus, dann jedoch überdeckt sie die Realbilder mit Blumen und Ornamenten, um sie über die reine Kolorierung zu verschönern – ein Gestaltungselement, das später ihre Kunst ebenso prägen wird wie die vielen Selbstportraits, die Frida malt, wenn sie im Bett liegt und sich in einem Spiegel, der an der Decke hängt, betrachten und abmalen kann. Stilistisch deutet der Film die Kunst von Frida Kahlo nur an und hält sich vielmehr an die Vorlage des Kinderbuchs C’est Moi von Sophie Faucher und die Illustrationen von Cara Carmina, die das Mädchen mit großen, mandelförmigen Augen malt, die mit sich kreuzenden Linien gefüllt sind und auf das träumerische Wesen von Frida deuten. Auch im Film hat die Figur einen übergroßen Kopf und große Augen, sie bleibt im Kopf wie die Wucht der Farben und Stimmungen.
Verena Schmöller
Hola Frida - Frankreich, Kanada 2024, Regie: André Kadi, Karine Vézina, Kinostart: 19.03.2026, FSK: ab 6, Empfehlung: ab 8 Jahren, Laufzeit: 86 Min., Buch: Anne Bryan, Sophie Faucher, Emilie Gabrielle, André Kadi, nach dem Kinderbuch Frida, C’est Moi von Sophie Faucher (und Illustrationen von Cara Carmina), Kamera: Karine Vézina, Musik: Laetitia Pansanel-Garric, Olivia Ruizimd, Ton: Yan Volsy, Produktion: Florence Roche, André Kadi, Tobo Media, Du Coup & Haut et Court Distribution, Verleih: eksystent kids, Besetzung: Synchronisation - Julia Bautz (Frida), Carolina Vera (Mutter Matilde), Thomas Schmuckert (Vater Guillermo), Maria Karaaslan (Schwester Cristina), Melina Witez (Tonito), Anna Dramski (Frida erwachsen), Samuel Kellner (Rafael)
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