Aya und die Hexe
Auf DVD/Blu-ray: Die erste vollständige CGI-Animation aus dem Studio Ghibli. Leider sehr ernüchternd.
Am Anfang: Die Ahnung einer Verfolgungsjagd, eine Prise Horror und ein Hauch von Magie. Eine Frau mit wildem, rotem Lockenschopf flitzt auf einem Motorrad durch die Nacht, ein kleines Baby hat sie sich in einem Tuch vor den Körper geschlungen. Ein gelber Citroën 2CV nähert sich unwahrscheinlich flott, sein Kühlergrill scheint sich zu metallenen Reißzähnen zu öffnen – aber die Frau reißt sich eine Haarsträhne heraus, macht etwas Magisches und wirft sie auf das Auto, die Strähne wird zu Würmern und die Gefahr ist gebannt. „Aya und die Hexe“ wird das Tempo dieser ersten Minuten nie wieder aufnehmen, aber die Mischung aus Gewöhnlichem und Magischem wird weitergehen, und sie ist natürlich auch ein gewisses Versprechen: Filme aus dem Studio Ghibli sind schließlich bekannt dafür, dass sie die Grenze zwischen der bekannten Welt und einer fantastischen Welt voller Magie zum Schillern und Verschwinden bringen.
Earwig, das kleine Baby, wird vor der Tür des Kinderheim St. Morwalds abgelegt, mit einer kurzen Notiz: Sie sei auf der Flucht vor den anderen zwölf Hexen und werde das Kind wieder abholen, sobald sie sie abgehängt habe. Aber Earwig, Ohrwurm, das ist doch kein Name für ein Kind, beschließt die Heimleiterin am nächsten Morgen. Und kurzerhand heißt das Kind fortan Erica Wigg. („Âya Tsûru“ ist wohl eine Übersetzung des Namens in der japanischen Fassung des Romans von Diana Wynne Jones, auf dem das Drehbuch beruht.)
Zehn Jahre später ist das Kind zu einer sehr selbstbewussten Person herangewachsen, die nur ungern adoptiert werden möchte, so gut hat sie alles und vor allem alle im Waisenhaus im Griff, von der Leiterin bis zum Koch. Ihren besten Freund Pudding sowieso. Sie ist deshalb wenig begeistert, als sie von der seltsamen Bella Yaga und ihrem Begleiter Mandrakus vom Fleck weg adoptiert wird – und schmiedet sofort Pläne, wieder wegzulaufen. Das klappt allerdings nicht, denn Bella Yaga ist eine Hexe, Mandrakus beschwört Dämonen (schreibt aber vor allem Bücher höchst mittlerer Qualität), und gemeinsam sorgen sie dafür, dass Erica das Haus nicht wirklich verlassen kann. Also sucht sie sich im sprechenden Kater Thomas einen Verbündeten und beschließt, selbst das Zaubern zu erlernen.
An der Magie, der Ambivalenz der Figuren, die nie einfach gut oder einfach böse sind, sondern stets kompliziert und komplex, bedrohlich und zärtlich, ehrlich und verschlagen zugleich, merkt man dem Drehbuch noch die Spuren von Hayao Miyazaki an, der Ghibli groß gemacht hat. Leider überträgt sich die Magie nicht auf den Bildschirm: Man erahnt die Weltentiefe, aber man erlebt sie nicht.
Goro Miyazaki, Hayaos Sohn, hat sich in seinem dritten Film nach „Die Chroniken von Erdsee“ (2006) und „Der Mohnblumenberg“ (2011) die Aufgabe vorgenommen, für das Studio den ersten rein computeranimierten Film zu drehen. Dass das schon handwerklich keine leichte Aufgabe ist, sieht man zum Beispiel an der Entwicklung, die Pixar seit dem schon exzellenten „Toy Story“ (John Lasseter, 1995) gemacht hat. In „Aya und die Hexe“ aber wirken die Figuren und ihre Bewegungen oft noch starr und ungelenk, die Gesichter vor allem – wie so oft im CGI-Kino – wenig lebendig, oft wie Plastikfiguren. Das mag zum Teil dem eher geringen Budget geschuldet sein (der Film entstand als TV-Projekt), ist aber fatal, wenn der Film vor allem von seinen Emotionen und Figuren lebt.
Denn Handlung im klassischen Sinne hat das Drehbuch von Keiko Niwa und Emi Gunji nicht zu bieten: Zwei Drittel des Films geht es darum, wie Erica sich mit ihren Ersatzeltern arrangiert, wie sie in der Magieküche arbeitet (Bella Yaga nimmt kleine Aufträge von den Menschen ihrer Kleinstadt entgegen) und Mandrakus ärgert, bis der wortwörtlich Flammen aus seinen Augen ausstößt. Zwischendurch erkundet sie das rätselhafte Haus, dessen Türen auftauchen und verschwinden, von den Räumen zu schweigen. Das hat Charme, wird aber nie emotional gefüllt und bleibt so ein weitgehend unverbundenes Hin-und-Her, das unter seiner Oberfläche einen besseren Film erahnen und immer wieder erhoffen lässt, der dann nicht kommt. Bis hin zu einem Plot-Twist in den allerletzten Sekunden des Films, der sich anfühlt wie ein Cliffhanger für Abenteuer, die man womöglich lieber sehen möchte als diese doch sehr erratisch dahinwankende, wenig mitreißende Einführung in eine noch viel zu kleine Welt.
Rochus Wolff
Aya to majo - Japan 2020, Regie: Goro Miyazaki, Homevideostart: 16.09.2021, FSK: ab 6, Empfehlung: ab 9 Jahren, Laufzeit: 82 Min. Buch: Keiko Niwa, Emi Gunji. nach dem Roman „Earwig and the Witch‟ von Diana Wynne Jones. Musik: Satoshi Takebe. Produzent: Toshio Suzuki. Produktion: Studio Ghibli, NHK Enterprises. Verleih: Leonine.
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