Copper Notes of a Dream
Entdeckt beim DOK.fest München: Ein zehnjähriger syrischer Junge träumt davon, in einer vom Krieg zerstörten Stadt ein Konzert zu veranstalten.
Seitdem der erste Zug der Filmgeschichte vor laufender Kamera unter der Regie von Auguste und Louis Lumière im Jahr 1895 in den Bahnhof von La Ciotat einrollte, streitet man sich darüber, ob dies der erste Dokumentarfilm gewesen sei. Später stellte sich heraus, dass diese Szenen komplett inszeniert waren. Als Spielfilm klassifiziert und mit dem cineastischen Attribut „Neorealismus“ versehen war dagegen der 1948 im zerbombten Berlin gedrehte Film des italienischen Regisseurs Roberto Rossellini „Deutschland im Jahre Null“. Dort kümmert sich ein zwölfjähriger Junge im Nachkriegsdeutschland um den Lebensunterhalt seiner Familie. Man muss beide Filmklassiker nicht kennen, um dennoch sofort zu spüren, das dem iranischen Regisseur Reza Farahmand mit seinem Film „Copper Notes of a Dream“ etwas Außergewöhnliches gelungen ist, wobei er sich mehr oder weniger bewusst beide Filme zum Vorbild genommen hat.
In seinem inszenierten Dokumentarfilm steht der zehnjährige Malook im Mittelpunkt, der zusammen mit der 14-jährigen Schwester Ghofran, der Mutter und einigen Freund*innen den Bürgerkrieg in Syrien im völlig zerbombten Stadtteil Jarmuk unweit von Damaskus überlebt hat. Einst lebten dort über 150.000 Menschen, seit der Zerstörung durch den IS ist die Zahl der Bewohner*innen nach inoffiziellen Angaben auf weniger als 200 gesunken. Malook und seine Schwester möchten später einmal Musiker*innen werden. Um ihrem Traum ein Stück näher zu kommen, planen sie ein Konzert für die wenigen Überlebenden inmitten der Ruinen. Ein musikalisches Großereignis kann das vor dem Hintergrund der anhaltenden Flüchtlingswelle nicht einmal im besten Fall werden. Sie träumen dennoch, auch wenn die Chancen auf Realisierung denkbar gering sind.
Es bleibt lange im Unklaren, ob und in welcher Form dieser Traum dennoch Realität werden könnte. Sehr real und dokumentarisch hingegen wirken die umfassenden Zerstörungen des Ortes. Sie sind in nahezu jeder Kameraeinstellung präsent, in Fahrtaufnahmen entlang ganzer Straßenzüge mit baufälligen Ruinen und abgestürzten Hausfassaden genauso wie in verwüsteten Innenräumen oder von Kugel- und Granateinschlägen übersäten Wänden im Hintergrund. All das ruft Erstaunen und Bewunderung hervor, dass ein würdevolles Überleben unter diesen Bedingungen überhaupt möglich sein kann. Viele Szenen aus dem Alltag der Kinder zeigen aber genau das, etwa wenn sie an einer schwer beschädigten Tafel „Schule“ spielen.
Da der Film ganz auf Augenhöhe der Kinder gedreht ist, entsteht zunächst der Eindruck, sie wären allein auf sich gestellt und würden alle Entscheidungen alleine fällen. Malook fühlt sich als Anführer der Gruppe, der bestimmen möchte, wie er und seine Freund*innen das Geld für das Konzert auftreiben können. Dafür ziehen sie die Kupferleitungen aus den vom Krieg zerstörten und verlassenen Wohnungen und verkaufen die wertvollen Metalle, nicht ohne sich für diesen Diebstahl schriftlich und mit aufgemalten bunten Bildern an den Wänden zu entschuldigen, falls die einstigen Besitzer*innen jemals in ihre Wohnungen zurückkehren sollten. Spätestens in diesen Szenen wird deutlich, dass vieles im Film inszeniert wurde, Erwachsene tauchen jetzt verstärkt auch im Bild auf und die großen Farbtöpfe für die Wandzeichnungen mussten ohnehin erst einmal besorgt werden. Doch das soll kein Vorwurf sein.
Vielmehr kommt es auf die Bildaussagen und die Zeichen der Hoffnung auf eine bessere Zukunft an, die der Film den Kindern vor Ort und uns als Zuschauenden gibt. Auf unaufdringliche und doch sehr eindrückliche Weise zeigt er, dass Kinder selbst in dieser lebensfeindlichen Umgebung nicht nur überleben können, sondern ihr Schicksal mutig und bewusst selbst in die Hand nehmen. Sie lassen sich nicht unterkriegen und haben nichts von ihrer Menschlichkeit und Würde verloren, ganz im Gegenteil. Selbst wenn die verbrieften Kinderrechte auf Schutz, Unversehrtheit und Bildung mit Füßen getreten wurden, kann ihnen wenigstens niemand das Recht nehmen, zu träumen, Hoffnungen auf eine bessere Zukunft zu entwickeln und dafür einzutreten.
Holger Twele
Diese Kritik wurde anlässlich der Aufführung von „Copper Notes of a Dream“im Rahmen des DOK.fest München 2020 verfasst.
Nothaye mesi yek roya - Kanada/Iran 2019, Regie: Reza Farahmand, Festivalstart: 07.05.2020, FSK: keine FSK-Prüfung, Empfehlung: ab 12 Jahren, Laufzeit: 90 Min. Buch: Reza Farahmand. Kamera: Mehrad Amin, Reza Farahmand. Musik: Christoph Rezaie. Schnitt: Fatemeh Bonyadi, Reza Farahmand. Produktion: Morteza Shabani. Verleih: offen. Mitwirkende: Malook, Ghofran und andere Kinder und Erwachsene aus Jarmuk
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