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Die Insel der Formen - 2. Staffel

Drei aus Formen bestehende Figuren, drei ganz unterschiedliche Charaktere. Und die Frage: Wie können wir zusammenleben?

Eine Insel weit draußen auf dem Meer, mit nur drei Bewohner*innen: Dreieck, Quadrat und Kreis. Und die sehen fast genauso aus, wie sie heißen, und leben in Häusern, die ihren zugrunde liegenden Formen (die natürlich ihre Lieblingsformen sind) entsprechen. Ihr Charakter passt auch gut zu ihrer äußerlichen Form. Quadrat ist ein bisschen behäbig und sehr regeltreu, Dreieck fordert gerne mal heraus und Kreis ist die Versöhnlichste der drei ungleichen Freund*innen.

Nach den Abenteuern aus Staffel 1 geht es nun in die nächste Runde. Es kann also spannend werden – denkt sich zumindest die Erzählerin, die immer bedächtig aus dem Off durch die Geschichten führt und den Rahmen setzt. Doch dann passiert: nichts. Kreis gießt die Blumen. Quadrat liest ein Buch. Dreieck schläft und will einfach nicht aufwachen. Die Erzählerin verzweifelt. Ob man diese langweiligen Alltagsbeobachtungen vielleicht mit den richtigen Worten ein wenig aufpeppen kann? Indem man Spannung erzeugt und anteasert, was gleich passieren könnte? Indem man erzählt, dass die dramatischen Entwicklungen ja eigentlich immer im Inneren geschehen? Doch es nützt nichts. Es passiert weiter: nichts.

Die charmante Serie, die auf den Figuren der drei ästhetisch so reduzierten wie hintersinnigen Bilderbücher „Dreieck“, „Quadrat“ und „Kreis“ von Marc Barnett und Jon Klassen beruht, setzt gleich zu Beginn der Staffel nochmal ordentlich eins drauf. Die Geschichten über das Zusammenleben trotz Unterschieden weichen einer selbstreflexiven Ebene, die junge Zuschauer*innen ganz schön herausfordern kann und ihnen dabei spielerisch vermittelt, wie Filme mitsamt ihren Erwartungshaltungen und Konventionen funktionieren. Das Zusammenspiel von Text und Bild in der ersten Episode – oder besser: die demonstrative Verweigerung eines Zusammenspiels – und das Eigenleben des Kommentars sind so grandios, dass es eine Freude ist. Was hier noch auf die Spitze getrieben wird, indem sich die Erzählerin schließlich frustriert eine Geschichte jenseits der Protagonist*innen sucht und sich alsbald dermaßen in diese vertieft, dass die Held*innen nur noch im Hintergrund durchs Bild flitzen.

Mit der Pilotfolge der zweiten Staffel greift die Serie sogleich den Witz der Kinderbuchautoren auf und wagt etwas Neues. Im Vergleich dazu wirken die folgenden Episoden dann wieder erzählerisch eher konventionell. Mal geht es um den Versuch, zu meditieren und einmal zur Ruhe zu kommen (eine Folge über das Nichtstun und Innehalten, ebenso provokant wie lustig), mal um das Springen über den eigenen Schatten, mal über das Problem, wie man ehrlich bleibt und doch niemanden verletzt, mal um egoistisches Verhalten, mal um das Verlierenkönnen. Ja, die Geschichten sind im Kern sehr pädagogisch. Aber sie kommen dabei nicht mit dem Holzhammer daher und finden immer wieder einen schönen Humor. Das liegt auch an der Aufteilung der Perspektiven auf drei Figuren: So geht es nie nur um Entweder/Oder-Fragen, sondern um gleich drei unterschiedliche Sichtweisen, die betrachtet werden können und alle vielleicht richtig oder falsch sind. Hinter der einfachen Optik verbirgt sich dann doch eine Vielzahl komplexer Themen und Geschichten – ganz so wie in den Bilderbüchern von Barnett und Klassen, die bewusst Leerstellen lassen oder auf diese zuarbeiten und aus dem Nicht-Erzählten ihren Reiz beziehen.

Neben der bewussten Reduktion von Schauplatz und Figuren besticht die Serie auch durch ihre Animationstechnik. „Insel der Formen“ wurde klassisch per Hand als Puppentrick animiert. Das verleiht der Serie eine wunderbare Haptik. Die Figuren wirken greifbar und echt, ihre Welt ist mit viel Liebe zum Detail ausgestaltet, atmet und hat eine Wärme, die vielen CGI-Animationen fehlt. Dass für die nunmehr dreidimensionalen Objekte Pyramide, Würfel und Kugel dennoch die flächigen Bezeichnungen Dreieck, Quadrat und Kreis beibehalten wurden, kann man falsch finden – oder bereits als einen Ausdruck jener vielen bewussten Brüche, die auf humorvolle Art für Irritation sorgen.

„Insel der Formen“ ist eine der besten Vorschulserien, die es gerade gibt. Sie setzt auf eine ruhige Erzählweise, ohne dabei den Raum für eigene Beobachtungen einzuschränken, braucht keine äußere Spannung und Action und keinen Krawall, übersetzt für das Zielpublikum relevante Themen in eingängige Situationen und bietet dabei noch gute Identifikationsfiguren. Zu bedauern ist eigentlich nur, dass sie exklusiv beim Streamingdienst von Apple quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet – und damit das Schicksal des ebenfalls großartigen Animationsfilms „WolfWalkers“ oder der spannenden Zeichentrickserie „Mein Bruder, der Minotaurus“ teilt.

Stefan Stiletto

 

© Apple
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Shape Island – Season 2 - USA 2025, Serien-Idee: Drew Hodges, Homevideostart: 29.08.2025, FSK: keine FSK-Prüfung, Empfehlung: ab 5 Jahren, Laufzeit: 10 Doppelfolgen x 26 Min., Buch: Amanda Gotera, Ryan Pequin, Niki Yang, Toby Jones, Madeline Queripel, Shane Portman, Shakira Pressley, Taneka Stotts, nach den Bilderbüchern „Dreieck“, „Quadrat“ und „Kreis“ von Marc Barnett und Jon Klassen, Kamera: Eric Adkins, Musik: Andrew Carroll, Schnitt: Guy Handelman, Produktion: Matthew Cuny

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