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Shaun das Schaf – Spuk im Kürbisfeld

Im Kino: Ein niedliches Schaf als verrückter Wissenschaftler, ein Bauer als vermeintliches Ungeheuer und jede Menge Chaos – wie großartig!

Ach, es ist schrecklich! All die großen Kürbisse, die die Schafe der kleinen englischen Farm mit so viel Mühe für Halloween gezüchtet, gehegt und gepflegt haben: zerstört vom Bauern, wenngleich auch nicht mit böser Absicht, sondern durch pure Tollpatschigkeit! Und jetzt? Hilft nur noch Zauberei, um schnell wieder neue Kürbisse heranwachsen zu lassen. Oder Wissenschaft. Oder beides.

Das gewitzte Schaf Shaun verwandelt sich in einen verrückten Wissenschaftler und braut einen Trank, um die Kürbisse in Windeseile wieder wachsen zu lassen. Allerdings landet ein wenig von der Tinktur im Haarwasser des Bauern, worauf an diesem die Haare plötzlich haltlos zu sprießen beginnen. So lange, bis er er wie ein zotteliges Ungeheuer aussieht und – auch zu seiner eigenen Sicherheit – das Weite sucht. Das führt zu noch mehr Chaos auf dem Bauernhof, wo die Tiere ihren Bauern vermissen, und in der nahe gelegenen Stadt, wo man durch das vermeintliche Ungeheuer aufgescheucht wurde. Jetzt kann nur noch Shaun helfen. Und eine nette Tierärztin, die sich eigentlich mal mit dem Bauern für eine Halloweenfeier verabreden wollte.

Eine alte Mühle auf einem Berg, unheimliche Gewitternächte, verkannte Wissenschaftler, die im Geheimen die Grenzen des Machbaren ausloten. Und dazu ein paar leuchtend orangefarbene Kürbisse und allerlei extrem charmantes Bauernhof-Getier, das so schön, so niedlich designt ist, dass es einem Publikum jedweden Alters ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Auch der neue „Shaun das Schaf“-Film bewegt sich auf vertrautem Terrain – und beweist, dass sich aus den selbst gesetzten Erzählregeln noch immer eine große Menge Spaß gewinnen lässt.

Gesprochen wird, wie schon in den bisherigen 180 Episoden der „Shaun das Schaf“-Fernsehserie (seit 2007), den beiden mittellangen Kurzfilmen „Die Lamas des Farmers“ (Jay Grace, 2015) und „Es ist ein Schaf entsprungen/Wollige Bescherung“ (Steve Cox, 2021) sowie den zwei Langfilmen „Shaun das Schaf – Der Film“ (Mark Burton, Richard Starzak, 2015) und „UFO-Alarm“ (Will Becher, Richard, Phelan, 2019), wie gewohnt kein Wort. Stattdessen wird gemäht und gebellt, gegrunzt und gemurmelt – wobei die Briten, ebenfalls wie gehabt, besonders Lautspiele mit „baa“ lieben, der englischen Entsprechung für das deutsche „mäh“. Auch „Spuk im Kürbisfeld“ ist ein turbulentes Slapstickabenteuer, das sich auf große Stummfilmkomiker wie Buster Keaton oder Harold Lloyd bezieht und die Handlung immer wieder in aberwitziges Chaos münden lässt – ein Musterbeispiel dafür, wie filmisches Erzählen und Bewegungskomik funktionieren. Neu hingegen ist der Einfluss alter Grusel- und Monsterfilme aus den Hammer- und Universal-Studios, mit denen der mit Hand animierte Puppentrickfilm an das Halloween-Setting anknüpft.

Es wird also ein wenig unheimlich, wenngleich der Film seine Spannungsmomente immer wieder humorvoll bricht und sich sehr sicher auf dem schmalen Grat zwischen Unbehagen und Lachen bewegt. Dabei erweist sich der Film als generationenübergreifendes Entertainment im besten Sinne. Wo erwachsene Zuschauer*innen bei den übermüdeten Schafen, die frühmorgens zombiegleich über den Hof wandeln, an John Landis’ Musikvideo zu „Thriller“ (1983) von Michael Jackson denken oder die haarige Verwandlung des Bauern deutlich auf – nochmal John Landis – „American Werewolf“ (1981) anspielt, funktionieren diese Szenen für Kinder auch ganz ohne Vorwissen, weil das Timing der Szenen und der Bildwitz so toll sind.

Und doch ist „Spuk im Kürbisfeld“ mehr als nur ein Zitatefilm und mehr als nur eine Parodie. Er lebt vor allem von seinen liebevoll gezeichneten Figuren. Schaf Shaun bleibt dabei, trotz kurzer unberechenbarer Ausflüge ins Fach des verrückten Wissenschaftlers, eine schöne Identifikationsfigur, weil er mit seinem Sinn für Schabernack und seiner Neugier den Nerv eines jungen Kinderpublikums perfekt trifft, aber andererseits auch seine Freund*innen nie im Stich lässt. Unterdessen wird der Bauer, eigentlich der große Nullchecker der Serie und Filmreihe, zum ersten Mal etwas genauer charakterisiert. Dass er so unzufrieden ist mit seinem nunmehr schütternen Haar und sich wehmütig an seine Disco-Jugend mit wilder Haarpracht erinnert, wird gar zum Motor der Handlung und setzt das Chaos erst entscheidend in Gang. Zugleich bewahrt das Drehbuch ihn davor, zu einer Witzfigur zu werden, hat die Tierärztin doch ein Auge auf ihn geworfen. Figuren, die nicht perfekt sind und gerade deswegen so viel Sympathie gewinnen – auch „Shaun das Schaf“ ist in seinem Herzen eben klassisches britisches Kino.

Stefan Stiletto

© Studiocanal
7+
Animation

Shaun the Sheep: The Beast of Mossy Bottom - Großbritannien 2026, Regie: Steve Cox, Matthew Walker, Kinostart: 17.09.2026, FSK: ab 0, Empfehlung: ab 7 Jahren, Laufzeit: 81 Min., Buch: Mark Burton, Giles Pilbrow, Kamera: Charles Copping, Schnitt: Dan Hembrey, Musik: Natalie Holt, Produktion: Aardman Animations, Richard Beek, Verleih: Studiocanal.

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