Club der roten Bänder – Die neue Generation
Auf RTL+: Dem Leben ist egal, was du willst. Das müssen Yannik, Charlie, Nora, Elias & Philipp im Krankenhaus schmerzhaft erfahren.
Was ist dein Traum für die Zukunft? Das ist eine große Frage der Jugend. Aber was ist, wenn du 16 Jahre alt bist und eine schwere Krankheit dein Leben komplett aus der Bahn wirft?
10 Jahre nach dem großen Erfolg der 1. Staffel legt RTL+ eine Fortsetzung auf. Mit neuem Personal und zeitgemäßen Themen. Die 1. Staffel basierte auf der katalanischen Jugendserie „Polseres vermelles“, die auf den Erfahrungen ihres Schöpfers Albert Espinosa beruht. „Die neue Generation“ gibt augenzwinkernde Querverweise zur Vorlage, arbeitet sich ansonsten aber an anderen Themen ab.
Charlie ist bipolar, was ihr Leben zu einer permanenten Achterbahnfahrt macht. Aber sie ist auch hochintelligent und hat hochfliegende Träume: Sie möchte Neurophysiologin werden. Philipp hat Angststörungen, aber wie Elias später feststellt, ein sehr „verkorkstes Männlichkeitsbild“. Immer stark sein, nie die Kontrolle verlieren. Seine größte Angst ist, dass diese Fassade vor seinen Freunden bröckeln könnte. Umso genervter ist er, als er ausgerechnet Yannik, seinem Mobbing-Opfer im Krankenhaus in die Arme läuft. Dem hat er noch vor kurzem mit voller Wucht einen Handball an den Kopf geschleudert. Seitdem ist Yannik blind, aber die eigentliche Ursache ist weitaus schlimmer: Ein Gehirntumor. Nora hingegen versucht ihre Leukämie-Diagnose zu ignorieren. Was nicht benannt wird, kann nicht passieren. Sie versteckt sich hinter Lachen, Oberflächlichkeit und Zukunftsplänen mit ihren beiden Besties. Elias ist da ganz anders, er versteckt sich hinter ironischen Seitenhieben und Unnahbarkeit. Seit er 8 Jahre alt ist, leidet er an einer Niereninsuffizienz. Er ist Stammgast im Krankenhaus.
Krankheiten der Psyche spielen in dieser Staffel also eine größere Rolle. Das wird ebenso sensibel wie eindrucksvoll vom jungen Cast verkörpert. Greta Krämer beeindruckt in ihrer Rolle als innerlich zerrissener Charlie. In einem Moment empathisch, im nächsten sprunghaft und überschäumend, dann wieder depressiv und verschlossen. Sie leidet sehr unter ihrer Krankheit, aber auch darunter, dass die anderen der Meinung sind, es viel schwerer zu haben. Immerhin ist ihr Leben akut gefährdet, Charlie aber auch eine Bedrohung für sich selbst. So kämpfen alle hier nicht nur gegen ihre jeweiligen Diagnosen, sondern auch gegen das, was ihre Umwelt an sie heranträgt. Da sind die übervorsichtigen Eltern bei Yannik, da ist Charlie, die als Heim- und Pflegekind aufgewachsen ist und Angst vor erneuter Ablehnung hat.
Es sind große Fragen und große Entscheidungen, die über alle hereinbrechen. Der Wahrheit ins Auge sehen oder sie ignorieren? Eine OP riskieren, die einen für immer blind macht, oder sich mit der Erblindung abfinden? Fragen und Entscheidungen, bei denen es guttut, nicht alleine zu sein. Freundschaft und Liebe sind daher auch in „Club der roten Bänder – Die neue Generation“ die Antwort, auch wenn diese nicht immer leicht sind.
Wie die Fünf sich mit ihren unterschiedlichen Voraussetzungen und Eigenheiten anfreunden, streiten und wieder zusammenraufen, wird über sechs Folgen unterhaltsam und berührend erzählt. Elias, der seine Träume längst aufgegeben hat, kommentiert hin und wieder aus dem Off. Die existentielle Tragweite wird in diesen kurzen Momenten besonders deutlich.
Erfrischend unaufgeregt bindet die Serie auch Elias' und Philipps Erfahrungen ein. Beide sind schwul, und das ist keine große Sache. Weder müssen sie sich an Vorurteilen abarbeiten, noch hadern sie mit ihrem Coming Out oder ihrem Selbstbild. Liebe, Verliebtsein, Feiern – auch das hat Platz im Leben der Fünf. Da sind die Momente, in denen die Leichtigkeit überwiegt, und dann wieder die Fragen, die nur schwer oder gar nicht zu beantworten sind. Denn was ist eigentlich schlimmer, Hoffnung zu haben und enttäuscht zu werden, oder keine Hoffnung mehr zu haben?
Christiane Radeke
Deutschland 2026, Regie: Adrian Spring, Homevideostart: 25.08.2026, FSK: keine FSK-Prüfung, Empfehlung: ab 13 Jahren, Laufzeit: 6 Episoden à 46 Min., Buch: Adrian Spring, Kirsten Loose, Kamera: Timm Lange, Thomas Schinz, Musik: Jens Oettrich, MS MR, Ton: Oliver Held, Bastian Büßer, Schnitt: Anne-Kathrein Thiele, Produktion: Bantry Bay, Verleih: RTL+, VOX, Besetzung: Voicu Dumitraş (Elias), Greta Krämer (Charlie), Yoran Leicher (Yannik), Mariama Jobe (Nora), Jona Levin Nicolai (Philipp)
