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Niñxs - Das Leben glitzert

Im Kino: Acht Jahre mit Karla. Lapuertas Dokumentarfilm zeichnet durch starke Gespräche und Momente ein differenziertes Bild von Karlas Aufwachsen.

Die meisten Spiel- und Dokumentarfilme, die sich mit trans* Menschen beschäftigen, bebildern eine bedrückende Realität, die geprägt ist von Diskriminierungserfahrungen und harten Kämpfen um Selbstbestimmung und Würde. Kani Lapuertas „Niñxs – Das Leben glitzert“ ist ein dringend benötigtes, farbenfrohes Gegengewicht dazu. Denn sein Dokumentarfilm fällt dankbar angenehm aus dem Rahmen erschütternder trans*-Schicksale heraus. Der Regisseur, der selbst trans* ist, porträtiert das trans* Mädchen Karla aus der mexikanischen Stadt Tepoztlán und begleitet sie über einen Zeitraum von acht Jahren hinweg bis ins junge Erwachsenenalter hinein.

Das Ermutigende seines dokumentarischen Porträts ist, dass Ausgrenzung und Anfeindungen in einer Welt, die trans* Menschen leider häufig ablehnt, zwar thematisiert werden, jedoch weitestgehend positive Erfahrungen im Fokus stehen. Etwa Karlas liebende Eltern, die sie von Beginn an in ihrer Transition (Übergang von einem Geschlecht in ein anderes) begleiten. Oder ihre Freund*innen, mit denen sie sich verkleidet und manchmal auch über (doofe) Lehrer*innen und Jungs austauscht. Eine Psychologin, mit der Karla und ihre Eltern zoomen, stimmt Karla auf mögliche Schwierigkeiten im späteren Schulalltag wie soziale Ausgrenzung ein. Sie betont jedoch, dass Karlas Existenz durch die Antidiskriminierungsgesetze in Mexiko geschützt sei und fügt augenzwinkernd hinzu, dass sich in der Schule hinsichtlich Freundschaften die Spreu vom Weizen trennt und sie den Wert echter Freundschaften erfahren würde. Denn mit Menschen, die andere abwerten würden, wolle im Grunde sowieso keiner etwas zu tun haben.

Ausgeklammert werden negative Erfahrungen jedoch nicht. Wenn Karla rausgeht, ob zur Schule oder einfach nur, um Freund*innen zu besuchen, muss sie nicht selten gemeine Kommentare über sich erdulden. Um dem zu entfliehen, taucht sie in ihre Fantasiewelt ein, die auch filmisch nachgeahmt wird: So stellt sie sich beispielsweise vor, wie sie eine Gruppe Männer, die sie vom Straßenrand aus belästigt, mit Geodreiecken und Linealen den Garaus macht. Durch diese sich immer wieder auftuenden Brücken zwischen Realität und Imagination verschwimmen auch dramaturgisch die Grenzen zwischen dokumentarischer Beobachtung und Fantasie.

Ob der erste Schultag, die erste CSD-Parade oder das erste Treffen mit einer Gruppe anderer trans* Jugendlicher und ihrer Eltern – Kani Lapuerta ist bei den prägendsten Stationen von Karlas Jugend dabei. Viele Szenen werden überlagert von dem Dialog zwischen ihm und Karla, die aus dem Off auf die gemeinsame Filmerfahrung und die eingefangenen Momente zurückschauen. Wie die späteren Zuschauenden ihres Films am besten reagieren sollten, fragt Kani Karla an einer Stelle. Karla antwortet: „Ich wünsche mir, dass sie lachen.

Dass das gelingt, ist neben dem lebensbejahenden Tonfall auch der allgemeinen Unaufgeregtheit zu verdanken, mit der Transgeschlechtlichkeit dargestellt wird: nämlich nicht als Kuriosum, sondern als ganz selbstverständlicher Teil eines weiten Spektrums, das über die Kategorien männlich und weiblich hinausgeht. „Niñxs – Das Leben glitzert“ plädiert damit nicht nur für eine Welt, in der alle sie selbst sein dürfen und sollen, sondern ist darüber hinaus auch ein echter filmischer Safe Space für alle nicht-binären, trans* und genderfluiden Kids.

Nathan Di Battista

Übrigens: Der Filmtitel leitet sich ab aus dem spanischen Begriff „niños“ (Kinder), den er geschlechtsneutral umformt.

© Missing Films
13+
Dokumentarfilm

Mexiko, Deutschland 2025, Regie: Kani Lapuerta, Kinostart: 14.05.2026, FSK: ab 12, Empfehlung: ab 13 Jahren, Laufzeit: 84 Min., Buch: Kani Lapuerta, Kamera: Quetzalli Malagón, Musik: Boris Skalsky, Jonathan Noveron, Ton: Karina Villaseñor, Schnitt: Yuri Amaral, Produktion: Suleica Piñeda / Produktionsfirma, Verleih: Missing Films

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