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Scarlet

Im Kino: Prinzessin Scarlet versucht, die Mörder ihres Vaters zur Verantwortung zu ziehen – Fantasy Wundertüte vom Anime-Maestro Mamoru Hosoda.

Nicht einmal der Tod scheint Scarlet aufhalten zu können. Beim Versuch, den Mord an ihrem Vater zu rächen, wird die dänische Prinzessin zwar Opfer eines Giftanschlags und landet in der sogenannten Anderswelt. Ihren Plan hat sie aber auch in diesem Reich zwischen Tod und Leben nicht aufgegeben und macht sich auf die Suche nach den Henkern des Königs. Begleitet wird die aus dem Mittelalter stammende Scarlet schon kurz nach ihrer Ankunft in der fremden Welt von einem mysteriösen Mann namens Hijiri, der sich selbst als Sanitäter bezeichnet und aus der Zukunft, beziehungsweise unserer Gegenwart, zu kommen scheint.

Warum der neue Gefährte in der Anderswelt gelandet ist, bleibt für die Prinzessin zunächst unklar. Viel Zeit zum Nachdenken bleibt ihr aber nicht, denn in der Anderswelt lauern zahlreiche Gefahren, die gleichzeitig Scarlets Verständnis von Gut und Böse ins Wanken bringen.     

Der neue Anime-Film von Regisseur Mamoru Hosoda, der sich stark von der berühmten Erzählung „Hamlet“ von William Shakespeare inspirieren ließ, ist eine echte Wundertüte, die nicht jedem gleichermaßen gefallen dürfte. In den rund 112 Minuten Laufzeit überschwemmt das Werk Zuschauende mit Eindrücken. Scarlets erbarmungsloser Rachefeldzug steht im Mittelpunkt der Handlung, wird aber verwoben mit dem Schicksal des Sanitäters Hijiri und weiteren Themen wie Krieg, Generationenverantwortung, einer Flüchtlingskrise und auch noch der Frage nach dem Sinn des Lebens. Und dann begegnet die Prinzessin auch immer wieder neuen Menschen in der Anderswelt, die mit ihren ganz eigenen Problemen kämpfen.

Das alles kann beim Schauen überfordern, zumal einige Erzählstränge ins Leere laufen. Um was es in „Scarlet“ wirklich geht, bleibt lange unklar. Und obwohl es gegen Ende auf diese Frage dann doch eine mehr oder weniger eindeutige Antwort gibt, dürfte die längst nicht jeden befriedigen. Wer bei dem düsteren Märchen aber akzeptiert, dass nicht alles verstanden werden muss, kann sich in den wunderschönen Bildern und der Musik verlieren. Hosoda setzt hier, wie bei vielen seiner anderen Filme, auf Emotionen, die durch starke Bilder und eine einnehmende Musik mit Ohrwurmqualitäten transportiert werden. Der Mix aus 2D- und 3D-Animationen ist zwar zunächst gewöhnungsbedürftig, fasziniert mit jeder Minute aber etwas mehr. Zudem ziehen die Filme des Japaners eine große Faszination aus ihrem Mix von Fantasy und Realismus.

„Scarlet“ ist ein Kinoerlebnis, das man entweder fühlt oder nicht. Wer einen Zugang findet, wird mit Scarlet und Hijiri weinen und mitfiebern. Andere wird der Film mit seinen vielen Sprüngen in der Handlung eher verwirren. Ein Meisterwerk ist „Scarlet“ daher nicht, aber in jedem Fall ein besonderer Anime, der erkennbar die Handschrift seines Regisseurs und Autors trägt.

Maximilian Fischer

 

© Sony Pictures Germany
13+
Animation

Hateshinaki sukāretto - Japan, USA 2025, Regie: Mamoru Hosoda, Kinostart: 24.02.2026, FSK: ab 12, Empfehlung: ab 13 Jahren, Laufzeit: 112 Min., Buch: Mamoru Hosoda, Kamera: Akiko Saito, Musik: Taisei Iwasaki, Schnitt: Shigeru Nishiyama, Produktion: Studio Chizu, Besetzung: Synchronisation - Mana Ashida (Scarlet), Masaki Okada (Hijiri), Kôji Yakusho (Claudius), Yutaka Matsushige (Cornelius), Kôtarô Yoshida (Voltemand)

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