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Editorial | | von Stefan Stiletto

Tiere und Träume

Juni 2026

Wir driften mit zwei Nulpen durch Berlin, lernen Katzen, Strauße und Füchse kennen, sind berührt von der Freundschaft zwischen einem Fuchs und einer Häsin und stellen ein Kino in Potsdam mit einem vorbildlichen Programm für Kinder und Jugendliche vor.

Filmstill aus Nulpen
"Nulpen" (c) UCM.ONE / Hannes Schulze

Über Wale haben wir im letzten Editorial geschrieben. Jetzt wenden wir uns Fischen und Ameisen zu. Was uns zu der Frage bringt: Lieber Fisch im Aquarium oder Ameise in Berlin? Während Sie noch überlegen, empfehlen wir Ihnen schon mal einen Besuch von „Nulpen“. In dem Film von Sorina Gajewski driften zwei Jugendliche durch Berlin, ziemlich ziellos und vor allem so herrlich unmotiviert und gleichgültig, dass es eine Freude ist. Ein Abgesang auf die Gen-Z? Eher nicht. Vielleicht sogar eher der Versuch, diese auch mal ein bisschen in Schutz zu nehmen und zu trösten. Sorina Gajewski hat mit diesem schön-schrägen Jugendfilm, den Frank Münschke für uns besprochen hat, übrigens ihr Langfilmdebüt gedreht. Und in dem Zusammenhang wollen wir uns natürlich nicht nehmen lassen, auch mal auf eines ihrer Frühwerke hinzuweisen. Nämlich auf „Spiegelnackt“, der 2014 mit dem Deutschen Jugendfilmpreis ausgezeichnet wurde. (Schauen Sie sich auf dieser Seite unbedingt auch die Aufzeichnung des Bühnengesprächs an!)

Kleine Tiere

Nochmal zurück zu Tieren. Davon gibt es gerade im Kinderkino eine ganze Menge. Sie mögen Katzen? Und haben kleine Kinder? Perfekt. Merken Sie sich schon mal Bernd Sahlings „Koschka“ vor, der gerade seine Festivaltournee gestartet hat. Horst Peter Koll konnte den Film über einen Jungen, der plötzlich Verantwortung für eine Katze übernehmen muss, schon sehen und feiert in seinem Text Sahlings Gespür für Details. (Wer jetzt Lust bekommt, noch mehr über die Arbeitsweise von Bernd Sahling zu erfahren, dem möchten wir auch das Werkstattgespräch mit dem Regisseur aus dem letzten Jahr sehr ans Herz legen). Ach ja: Extrem niedliche Katzenbabys gibt es in „Koschka“ auch. Aber das geht jetzt zu weit. Wir wollen ja auch all jene mitnehmen, die keine Katzenfans sind, sich aber womöglich für Strauße oder Füchse begeistern können.

Große Tiere

Eine Straußenherde nämlich wird in der Sahara zur Rettung für ein Kleinkind – und das sogar nach wahren Begebenheiten. „Die Legende des Wüstenkindes“, für uns rezensiert von Holger Twele, wurde von Gille de Maistre inszeniert, der in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe an Tierfreundschaftsfilmen mit eher ungewöhnlichen Tierarten gedreht hat – was durchaus auch als Trend verstanden werden kann, siehe unseren Hintergrundtext aus dem vergangenen Jahr. Der Titel „Wild Foxes“ allerdings führt Sie dagegen erst einmal auf eine falsche Fährte. Denn um die Tiere geht es in dem Jugendfilm von Valéry Carnoy über einen jungen Boxchampion, der nach einem schweren Unfall seinen Halt verliert, nur am Rande. Eindrucksvoll ist er trotzdem.

Standfoto aus Zoomania 2
"Zoomania 2" (c) Walt Disney

Ein Traum-Team

Bei den Füchsen bleiben wir noch ein bisschen. Und werfen sie in einen Topf mit Hasen, natürlich nur bildlich gesprochen. Die beiden „Zoomania“-Filme (Jared Bush, Byron Howard, 2016 und 2025) haben es nämlich geschafft, mit einem Protagonist*innen-Duo aus Fuchs und Hase eines der schönsten (Kinder-/Familien-/Animationsfilm-)Paare der letzten Jahre auf die Leinwand zu bringen. Anlass genug, unsere Rubrik „Junge Held*innen“ über bemerkenswerte Figuren im Kinder- und Jugendfilm ein wenig zu erweitern. Dürfen wir vorstellen: Unser erstes Dream-Team!

Ein Traum-Kino

Ob Fuchs und Hase sich in Potsam „Gute Nacht“ sagen, wissen wir nicht. Aber wir wissen, dass es da ein Kino mit einem sehr engagierten Programm für Kinder und Jugendliche gibt, das über die Leinwand hinausreicht und auch das Kino als kulturellen Ort in der Lebenswelt verankern will. Nach dem Casablanca in Nürnberg und den Lichtspielen Kalk in Köln stellt Reinhard Kleber in seinem dritten Kinoporträt nun das Potsdamer Kino Thalia vor. Den beiden Nulpen aus Berlin möchte man da nur zurufen. Setzt euch in die S-Bahn. Fahrt nach Potsdam!

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