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Editorial | | von Stefan Stiletto

Bemerkenswerte Filmfiguren

Januar 2026

Unsympathische Hauptfiguren in Kinderfilmen, eine emphatische und Hoffnung machende Jugendliche in einem Science-Fiction-Film, Heilige und sogar Gott als imaginäre Freund*innen in Kinderfilmen. In unseren neuen Texten tauchen außergewöhnlich viele bemerkenswerte Filmfiguren auf.

Filmbild aus Victoria muss weg
"Victoria muss weg" (c) Barnsteiner

Held*innen in Kinderfilmen sollen zur Identifikation einladen, heißt es immer. Was aber, wenn die Filmheld*innen einfach unausstehlich sind? Wenn sie nur an sich denken, ihnen alles um sich herum egal ist, sie womöglich sogar teuflische Pläne schmieden und sich dabei auch noch gut fühlen? Als Vorbilder taugen diese Figuren erstmal nicht. Aber irgendetwas haben sie trotzdem. Und zumeist sind die Filme auch gar nicht so moralfrei, wie sie auf den ersten Blick scheinen. Rochus Wolff hat sich in seinem Text unsympathischen Kinderfilm-Hauptfiguren angenommen und sie auf Ecken und Kanten durchleuchtet. Man kann seinen Text durchaus auch als Plädoyer für eine mutigere, manchmal auch unkonventionelle Figurengestaltung lesen.

Zeichen der Zeit

Um bemerkenswerte Protagonist*innen geht es auch in unserer Rubrik „Junge Held*innen“, wobei Christopher Diekhaus für seinen Beitrag keine aneckende, aufmüpfige Figur ausgewählt, sondern sich eher an den Zeichen der Zeit orientiert. Die Protagonistin aus dem dystopischen Science Fiction-Film „Vesper Chronicles“ verkörpert so vieles, woran es der Welt gerade mangelt: Empathie. Den Willen, ein gutes Zeichen zu setzen. Und Hoffnung.

Sie merken schon: Im Mittelpunkt unserer neuen Texte stehen dieses Mal keine brandneuen Filme. Die finden Sie dafür in unserer Berlinale-Pinnwand. Mehrere unserer Autor*innen haben sich durch Wind und Wetter, Ticketsysteme und U-Bahnen in Berlin geschlagen, um Eindrücke von Kinder- und Jugendfilmen während der Berlinale zu sammeln. Eine erste Filmkritik ist auch schon da: Katrin Hoffmann stellt ihre Entdeckung „Atlas of the Universe“ aus dem Programm von Kplus vor.

Filmbild aus Mirakel - Ein Engel für Dennis P.
"Mirakel - Ein Engel für Dennis P." (c) AFM

Göttliche Zeichen

Das Universum ist ein großes Thema. Und so groß ist auch das Thema, das wir für unser neues #ich sehe was-Dossier gewählt haben: Religion im Kinderfilm. Das klingt gewichtig und existenziell. Der Blick auf unsere ausgewählten Filme allerdings zeichnet ein vielschichtigeres Bild: Die religiösen Praktiken darin sind sehr gegenwärtig und öffnen, ganz undogmatisch und meist positiv, den Blick in unterschiedlichste Konfessionen. Und humorvoll sind sie manchmal auch. Um noch einmal auf unser Leitthema der bemerkenswerten Filmfiguren zurückzukommen: Engel, Heilige, Jesus, Gott höchstpersönlich – in Kinderfilmen dürfen sie ganz konkret werden, mal rauchen, mal Motorradfahren.

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