Artikel > Editorial

Editorial | | von Stefan Stiletto

Begegnungen

April 2026

Die Kinderfilmexperten Norbert Lechner und Philipp Budweg geben in zwei Werkstattgesprächen umfängliche Einblicke in ihre Arbeit, einige aktuelle Filme thematisieren die Selbstermächtigung junger Frauen, die sich gegen traditionell verankerte arrangierte Ehen auflehnen, und gestrandete Wale gibt es in Kinder- und Jugendfilmen häufiger als gedacht.

Filmstill aus Pferd am Stiel
"Pferd am Stiel" (c) Port au Prince

Wenn bei uns hier im Kinder- und Jugendfilmportal „Kinderfilm-“ vor einen Beruf gestellt wird, dann ist das eine Auszeichnung. Denn Filme, die ausdrücklich für ein junges Publikum konzipiert und gedreht werden, profitieren sehr davon, wenn die Filmschaffenden sich in diesem Segment auskennen und sensibel sind für die Bedürfnisse sowohl ihres jungen Publikums als auch der jungen Darsteller*innen, mit denen sie beim Dreh zusammenarbeiten.

… mit Kinderfilm-Expert*innen

Dieses Mal dürfen wir Ihnen gleich zwei Kinderfilm-Experten vorstellen: Mit dem Regisseur Norbert Lechner hat sich Horst Peter Koll unterhalten und dabei einiges erfahren über das Drehen mit Kindern und die Herangehensweise an historische Stoffe. Immerhin wagt Lechner viel: In seinem neuesten Film „Das geheime Stockwerk“ (2025) erzählt er über einen Zwölfjährigen, der via Zeitreise-Aufzug zurück ins Jahr 1938 reist und ganz konkret mit dem NS-Regime – und seinem Unwissen darüber – konfrontiert wird. Die Produzent*innen-Seite wiederum beleuchtet Reinhard Kleber in seinem Werkstattgespräch mit Philipp Budweg, der sich erfolgreich zwischen großen und kleinen Produktionen, zwischen originären und adaptierten Stoffen bewegt und immer wieder etwas Neues ausprobieren will. Das neueste Projekt läuft nun im Kino an: „Pferd am Stiel“ (Sonja Maria Kröne, 2026), eine im Rahmen der Initiative „Der besondere Kinderfilm“ entstandene Hobby-Horsing-Geschichte mit wenigen echten und ziemlich vielen Steckenpferden – und einem tollen Dialog, den wir in unserer „Magische Momente“-Rubrik würdigen.

… mit mächtigen Meeresbewohnern

Kleiner Einschub, wo wir gerade bei Tieren sind. Oder besser: Großer Einschub. Denn manche Ereignisse und Bilder aus dem Tagesgeschehen können das Filmgedächtnis doch bisweilen auf interessante Art triggern. Und zum Beispiel daran erinnern, dass es eine ganze Menge an Kinder- und Jugendfilmen mit gestrandeten Walen gibt. Von „Die Schnecke und der Buckelwal“ (Max Lang, Daniel Snaddon, 2019) zu „Whale Rider“ (Niki Caro, 2002), von „Flow“ (Gints Zilbalodis, 2024) zu den Jugendfilmen „A Day on the Planet“ (Isao Yukisada, 2003) und „Heartless“ (Nara Normande, Tião, 2023). Was diese Geschichten verbindet: Die Begegnung der Protagonist*innen mit den mächtigen Meeresbewohnern ist immer einschneidend und spielt auf der Klaviatur der großen Gefühle: Respekt. Ehrfurcht. Mitleid. Eine mystische Verbindung mit der Vergangenheit. Eine veränderte Selbstwahrnehmung. Vielleicht auch Hilflosigkeit.

Filmstill aus DJ Ahmed
"DJ Ahmed" (c) Neue Visionen

… mit selbstbewussten jungen Frauen

Wie gut, dass einige bemerkenswerte neuere Jugendfilme gerade nicht über Hilflosigkeit erzählen, sondern über junge mutige Protagonistinnen (ja, vor allem junge Frauen), die selbst über ihr Leben und ihre Zukunft entscheiden. Sowohl in „Cotton Queen“ (Suzannah Mirghani, 2025) als auch in „DJ Ahmed“ (Georgi M. Unkovski, 2025) und in „Nawi – Dear Future Me“ (Kevin Schmutzler, Toby Schmutzler, Vallentine Chelluget, Apuu Mourine, 2024) müssen sie den Heiratsplänen ihrer bevormundenden Eltern etwas entgegensetzen. Mit großer Sensibilität und durchaus zum Teil auch mit Humor wird über diese jungen Frauen erzählt, die zum Symbol der weiblichen Selbstermächtigung werden.

Zurück