Den kenn ich doch | | von Christian Exner

Komm, wir machen Werbung für einen Kinderfilm!

Das hab’ ich schon mal gesehen! Das Kinderfilm-Plakat

Ein Blick aufs Plakat – und schon wissen wir, dass es sich um einen Kinderfilm handelt. Selbstverständlich vermitteln ästhetische Klischees Orientierung und helfen beim schnellen Einordnen. Aber wenn sich dann so viele Plakate frappierend ähneln, dann läuft doch etwas schief. Wir haben uns das mal genauer angesehen. Auch mit ein wenig technischer Unterstützung.

Wir haben uns schon mit immer wiederkehrenden Figurentypen in Kinderfilmen beschäftigt („Den kenn’ ich doch!“). Und mit immer wiederkehrenden Orten („Da war ich schon!“). Höchste Zeit, nun auch einmal über Kinderfilmplakate zu reden. Denn für die gilt: Kennst du eins, dann kennst du alle.

Ein paar Beispiele?

Man sieht: Kinderfilmplakate transportieren wenig von der Ästhetik des spezifischen Films. Sie ordnen sich stattdessen ein in eine Warenwelt für Kinder und eine Markenkommunikation nach bewährten Mustern.

Das heißt: Mit diesem Muster bekommst du alles klein – im Sinne von „passend für die Kleinsten“!

Frag doch mal die KI!

Was passiert also, wenn wir nun eine KI – hier: Co-Pilot – mit diesen generischen Mustern füttern? Wenn wir das Plakat von „Mumbo Jumbo“ nehmen, dessen grafische Muster analysieren und dieses Muster dann als Rezept für, sagen wir mal, ein Plakat des Films „Terminator“ (James Cameron, 1984) prompten? Probieren wir es aus!

„Filmplakat für ‚Terminator’ im Stil eines bunten, familienfreundlichen 3D-Kinderfilm-Posters. Fröhlicher blauer Himmel mit warmem Sonnenlicht, leuchtende Farben, niedliche Cartoon-Ästhetik, inspiriert von einem klassischen Terminator-Endoskelett, aber stark verniedlicht und kindgerecht. Große runde Augen, weiche Formen, humorvolle Pose. Kleine futuristische Stadtlandschaft im Hintergrund, verspielte Details, Abenteuer-Stimmung. Große orange-gelbe, geschwungene Kinotitel-Schrift oben. Hochwertiges modernes Animationsfilm-Rendering, Pixar-ähnliche Bildsprache, detailreich, kinoreifes Posterdesign, vertikales Format, ultra high resolution.“

Voilà!

KI-generiertes Bild, das ein Poster einer Kinderfilmfassung von "Terminator" zeigt
Kleiner Roboter, großes Abenteuer: Der "Terminator" in der KI-generierten Kinderfilm-Fassung

Vermutlich steht dieser Prompt schon lange im Stammbuch von Designer*innen und Art-Director*innen, die für Kinderfilmplakate verantwortlich sind.

Das passiert, wenn Kinderfilm wie ein Genre betrachtet wird

In der Summe bestärken Kinderfilmplakate die Wahrnehmung der Sparte Kinderfilm als Genre. Genres zeichnen sich aus durch Figuren, Schauplätze und Erzählvarianten, die ein wiedererkennbares Plot-Schema reproduzieren.

Würde Kinderfilm mehr als eine Sparte oder Kategorie verstanden, die eine hohe Varianz an Stilen, Erzählformen und Genres erlaubte, dann dürfte man eigentlich auch eine höhere Diversität der Plakatästhetik erwarten.

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