Paddington in Peru
Im Kino: Koffer packen. Orangenmarmeladentoasts schmieren. Es geht nach Peru. Der dritte Film bringt den liebenswerten Bären in den Dschungel.
Endlich hält Paddington seinen britischen Pass in den Händen! Damit ist der höfliche Bär, der einst aus Peru nach London kam und seither dort im Haus von Familie Brown lebt, nun ein richtiger Engländer. Doch als die Browns einen Brief aus Peru erhalten, ist Paddington besorgt. Seine geliebte Tante Lucy ist aus dem Heim für Bären im Ruhestand verschwunden. Paddington zögert keinen Augenblick und beschließt, nach Peru zu reisen. Und selbstverständlich kommen die Browns und deren Haushälterin Mrs. Bird mit.
Doch in Peru angekommen wird alles noch geheimnisvoller. Was ist nur mit Tante Lucy geschehen? Nur eine zerbrochene Brille ist noch von ihr da. Und was hat ihr Verschwinden mit dem sagenumwobenen Goldschatz zu tun, der im Dschungel verborgen sein soll? Paddington und die Browns schließen sich einem undurchsichtigen Bootsfahrer und dessen Tochter an und machen sich auf den Weg in die Wildnis, während Mrs. Bird im von musizierenden Nonnen geführten Bären-Altersheim weiterrecherchiert. Aber nach Plan läuft bald gar nichts mehr und ziemlich viele Menschen scheinen es auf den Schatz abgesehen zu haben.
Nach zwei ziemlich großartigen Stadtabenteuern in London folgt nun also im dritten Teil ein Abstecher in den Urwald und „Paddington in Peru“ wird zu einem Abenteuerfilm. Erstaunlicherweise funktioniert auch dieses Setting, auch wenn die Seitenhiebe auf britische Gewohnheiten nun geringer ausfallen und der Bär nicht mehr wie in London der „fish out of water“ ist. Zum einen liegt dies daran, weil der Film auch unter der Regie von Dougal Wilson vieles beibehält, was die ersten beiden Filme von Paul King schon so toll gemacht hat. Da gibt es etwa aberwitzige Slapstickszenen – schon Paddingtons Besuch im Fotoautomaten ist herrlich komisch –, eine Menge Bild- und Wortwitz und ja, hier passt es wirklich, warmherzigen Humor. Aber womöglich liegt das wahre Erfolgsrezept ganz allein in der Hauptfigur verborgen. Paddington, fotorealistisch und mit unglaublich ausdrucksstarker Mimik und Gestik animiert, ist einfach eine Seele von Bär. Wo andere Filmheld*innen, ob nun animiert oder aus Fleisch und Blut, laut sind, ist Paddington leise. Paddington bleibt stets freundlich. Und sogar, wenn er sich ärgert, ist er immer noch recht freundlich. Sanft ist dieser Bär, gutherzig, höflich, aufrichtig. Sowohl die Originalstimme von Ben Whishaw als auch die deutsche Synchronisation von Elyas M’Barek bringen diese Eigenschaften treffend auf den Punkt.
„Aus dem finstersten Peru“, so hieß es noch in den Büchern von Michael Bond und im ersten Paddington-Film, sei der höfliche Bär nach England gekommen – was für eine irreführende Formulierung. Denn zum Glück ist an diesem Peru überhaupt nichts finster. Die Farbdramaturgie wechselt von den kräftigen Farben in London hin zu Mintgrün und Rosa, aber viel bedrohlicher als London ist auch der Regenwald mitsamt seiner menschlichen und nicht-menschlichen Bewohner*innen nicht. Den kolonialen Blick legt der Film damit elegant ab. Und auch wenn es einige schräge Vögel in Peru gibt, dann ist das kein Zeichen europäischer Überheblichkeit. Im filmischen Paddington-Kosmos sind alle Menschen, egal welcher Herkunft und welchen Geschlechts, egal in welchem Land, irgendwie schräg. Die, die es gut mit dem Bären meinen, genauso wie jene, die ihm auf den Pelz rücken wollen.
Vielleicht am schönsten ist aber, was der Film ganz nebenbei über Paddington, seine Familie und sein Zuhause erzählt. Denn eigentlich ist der Bär ja als Geflüchteter nach England gekommen, illegal noch dazu, um es dort besser zu haben als in Peru. Und in England fühlt er sich auch pudelwohl (oder wohl besser: ziemlich bärig). Die Rückkehr in sein Heimatland wirft dann Fragen auf: Wo gehört Paddington eigentlich hin? Und wer ist seine wahre Familie? Die anderen Bären in Peru? Die Browns in London? Kleiner Spoiler: Paddingtons Antwort ist ziemlich klug und wahrhaftig. Von dem freundlichen Bären mit der Vorliebe für Orangenmarmeladetoasts kann manch ein*e Politiker*in noch viel lernen.
Stefan Stiletto
Paddington in Peru - Großbritannien, Frankreich, Kanada, USA 2025, Regie: Dougal Wilson, Kinostart: 30.01.2025, FSK: ab 0, Empfehlung: ab 8 Jahren, Laufzeit: 106 Min., Buch: Mark Burton, Jon Foster, James Lamont, nach den Figuren von Michael Bond, Kamera: Erik Wilson, Schnitt: Úna Ní Dhonghaíle, Musik: Dario Marianelli, Produktion: Rosie Alison, Ivan Entel, Claudia Roca Bravo/Marmalade Films, Verleih: Studiocanal, Besetzung: Hugh Bonneville (Henry Brown), Emily Mortimer (Mary Brown), Madeleine Harris (Judy Brown), Samuel Joslin (Jonathan Brown), Julie Walters (Mrs. Bird) u. a.





