Kritiken > Filmkritik
Kritiken > Kritiken-Suche nach 'unbreakab' > 2Unbreakable

2Unbreakable

Mehr als ein Sport! Serhat und Joanna lieben das Breaken. Ob sie mit ihren Crews bei den Olympischen Spielen antreten werden?

2024 wird Breaking als neue Sportart bei Olympia in Paris aufgenommen. Das ist ein Meilenstein für alle Tänzer*innen weltweit, die nun auch als offiziell anerkannte Sportler*innen verstanden werden und antreten dürfen.

Der Dokumentarfilm von Maike Conway begleitet Serhat (BBoy Saïd) und Joanna (BGirl Joanna), die Teil unterschiedlicher deutscher Breakdance Crews sind. Beide wollen bei den Olympischen Spielen breaken und Deutschland vertreten. Ein weiterer Berührungspunkt ist, dass sie eine Migrationsgeschichte haben. Serhats Eltern sind uigurisch und er wächst in einer politisch aktiven uigurischen Gemeinschaft auf. Joannas Eltern sind bulgarisch und sie geht sehr bewusst mit ihrem Privileg um, in Deutschland aufgewachsen zu sein und hier zu studieren. Bildung spielt auch bei Serhat eine wesentliche Rolle, denn genau wie Joanna weiß auch er, welche Türen aufgehen, wenn sie einen akademischen Titel vorweisen können. Trotzdem fragen sie sich immer wieder, wie sie ihr intensives Training und das Leben an der Universität miteinander vereinbaren können. Die Regisseurin gibt uns folglich nicht nur Einblicke in deren Lifestyle als Breaker*innen, beim Training und auf Competitions während der deutschlandweiten Battles, sondern auch in ihr privates Leben.

„In 15 Minuten geht es los", hören wir es von der 360-Grad-Bühne hallen. Serhat bereitet sich vor und meditiert inmitten des Backstage-Durcheinanders. Joanna sehen wir liegend. Die Kamera nimmt uns mit auf eines der wichtigsten Breakdance Battles des Jahres, das BC One Cypher in Berlin. Dann führt uns die Kamera mit einem Cut sechs Jahre zurück, 2017.

Wir sehen den jungen Serhat. Er lebt in München und ist Teil der Sankofa Crew. Sankofa bedeute, so erklärt er ruhig aus dem Off, so viel wie „Lerne aus der Vergangenheit, für eine bessere Zukunft und vergiss nicht, mit wem du angefangen hast und wer du warst, denn es ist dein Weg, der dich zu dem gemacht hat, der du jetzt bist“. Schnell wird klar, dass Breakdance für ihn viel mehr ist als tanzen. Er nähert sich dem Breaken wie einer Art Lebensphilosophie, während seine Crewmitglieder nicht nur Freund*innen, sondern viel mehr seine Familie repräsentieren. Seit 15 Jahren ist Breakdance sein Sport. Seine Liebe fürs Breaken fühlt er ab dem ersten Tag. Wenn er seine Tanzerfahrung auf all den Breakdance Battles zusammenfasst, dann sind es 10 Jahre Erfahrung im Verlieren, ernst danach begann für ihn das Gewinnen. Nun zählt er zu Deutschlands acht besten und wurde in den Olympia-Kader aufgenommen. Sein Training ist ganz auf den olympischen Erfolg ausgerichtet.

Serhats Mutter spielt eine besondere Rolle in der Dokumentation. Ihre Worte über ihren Sohn sind voller unterstützender Liebe und Stolz, nicht nur weil er Fotodesign studiert, sondern auch weil er tanzt. Für sie schreibt er Geschichte, als vermutlich erster Uigure bei Olympia. Wir erfahren etwas über das autonome Turkvolk in Xinjiang, im Nordwesten Chinas, über die sogenannte Umerziehung und den Völkermord an den überwiegend muslimischen Uigur*innen.

Die Geschichte von Serhat webt sich in die Joannas und umgekehrt, auch wenn sie sich in der Dokumentation nicht begegnen. Joanna ist in der Dresdner Breakdance Crew The Saxonz. Zuerst war sie lediglich Fan, dann machte sie bei einem Workshop der Saxonz mit und nun ist sie seit 2017 Crewmitglied. Darüber hinaus ist sie auch die Partnerin eines der Mitglieder und erzieht, gemeinsam mit ihm, seine kleine Tochter, als wäre es ihre eigene. Auch Joanna hat, neben ihrem Studium als Psychologin, das große Ziel Olympia vor Augen. Wir erleben die beiden beim Gewinnen und beim Verlieren. Aber vor allem sehen wir sie beim Weitermachen und beim immer wieder Aufstehen, während sie sich der Kunst des Breakdance hingeben. Dabei erscheint Breakdance gleichermaßen als kompetitive sportliche Herausforderung wie als kreativer Entfaltungsraum. Ästhetik und Akrobatik gehen hier Hand in Hand. Viel mehr als in anderen olympischen Disziplinen gehen Ausdruck und Originalität in die Bewertung ein. „2Unbreakable“ macht daher nicht nur die Faszination für eine einzigartige Form des Tanzes erfahrbar, sondern vor allem auch einen Raum für Selbstausdruck. Einen Raum, der getragen ist vom Austausch der Tänzer*innen und von ihrem besonderen gegenseitigen Respekt.

Viviana Medina


Übrigens: „2Unbreakable“ und andere tolle Filme sind Teil des Themendossiers „Migration“. Werfen Sie doch mal einen Blick rein.

© cineglobal
8+
Dokumentarfilm

Deutschland 2023, Regie: Maike Conway, Festivalstart: 03.05.2024, FSK: ab 0, Empfehlung: ab 8 Jahren, Laufzeit: 90 Min., Buch: Maike Conway, Kamera: Tobias Tempel, Schnitt: Hauke von Stietencron, Ton: Björn Rothe, Musik: Ami Warning, Jamaram, FergeXFisherman, BOTY Soundtrack, Produktion: Moviepool in Koproduktion mit ZDF 37°, gefördert vom FFF Bayern, Verleih: Cine Global, Mitwirkende: Serhat Perhat, Joanna Mintcheva

Themen

#Migration

2Unbreakable - 2Unbreakable - 2Unbreakable - 2Unbreakable - 2Unbreakable - 2Unbreakable -

Kritiken-Suche nach 'unbreakab'

» 2Unbreakable